Das Zuchthaus Hameln in der NS-Zeit

und in der Nachkriegszeit

 

Das Zuchthaus Hameln in der NS-Zeit

Ein Überblick

Die Gebäude der Strafanstalt

 

Die Strafanstalt Hameln, der so genannte Stockhof, war 1827 errichtet worden. Im Hauptgebäude befanden sich auf zwei Etagen verteilt vier große Räume für jeweils 24 bis 30 "Sträflinge". Die dritte Etage bestand ganz aus Arbeitssälen.

1830 wurden die beiden kleineren zweigeschossigen Gebäude errichtet, die das Hauptgebäude flankieren. Der an der Weser gelegene Bau nahm Küche und Verwaltung auf, das östliche Gebäude die Wäscherei und das Hospital. 1834 entstand das Torgebäude, in dessen Obergeschoss der Gefängnispfarrer wohnte.

1845 wurde das Hauptgebäude durch einen Ostflügel und einen Westflügel erweitert. Es gab jetzt insgesamt zehn große Schlafsäle und dazu 118 Einzelzellen, winzige "Schlafkojen". Die Kapazität der Anstalt lag zu dieser Zeit bei 250, maximal 300 Häftlingen. In dieser Zeit entstand auch die Anstaltskirche.

Mit diesem Neubau, der auch einen neuen Strafvollzug (Besserung durch Arbeit) ermöglichen sollte, war Hameln führend im Gefängnisbau geworden und erregte damals beträchtliches Aufsehen.

Um 1860 erhielt der Stockhof eine Erweiterung durch ein großes lang gestrecktes Zellengebäude in Backstein. Der viergeschossige Bau mit seinem durchgehenden Treppenhaus und großflächigen Oberlichtern enthält 96 Einzelzellen und vier kleine Gemeinschaftszellen. Die Kapazität der Anstalt lag nun bei 400 bis maximal 500 Personen.

Im Südteil des umfangreichen Geländes lagen das Freigelände, eine Gärtnerei mit Treibhäusern und Baracken für handwerkliche Arbeiten, u. a. eine Schmiede. Die Häftlinge arbeiteten in den Werkstätten des Gefängnisses, wurden aber auch auf Arbeitsplätzen in nahe gelegenen Fabriken eingesetzt. Nach Nordosten- durch eine Mauer abgetrennt – lag in einem großen Garten das Wohnhaus des Direktors, nach Südosten ein Mehrfamilienhaus für die "Beamten".

Der Häftling Rudi Goguel über seine ersten Eindrücke im Zuchthaus Hameln

"Hameln! Altehrwürdiger Stockhof! Mit deinen dicken Quadermauern, mit deinen kleinen vergitterten Fenstern, durch die so mancher sehnsüchtige Blick hinaus auf den sonnigen Weserfluss, auf die zum Greifen nahen grünen Weserberge schweifte, mit deinen winkligen Gängen und den engen kalten Zellen sollst du sieben Jahre meines Lebens sehen, sollst mir ein Stück Heimat werden!
Du wirst der Schauplatz dramatischer Ereignisse, aber auch die Stätte tiefer innerer Wandlung werden. ...

Damals, am 10. Juli 1937, empfing uns der "Stockhof" so unfreundlich, wie eben ein beliebiges Zuchthaus beliebige Neuankömmlinge aufnimmt: kalt, nüchtern, gleichgültig. Und kalt, nüchtern, gleichgültig wird er bleiben, Monate, Jahre - bis die Zeit reif ist.

Der Stockhof ist ein winkliger weit verzweigter Bau. Er gliedert sich in zwei Teile. Der eine, das sind große Schlaf- und Arbeitssäle, Werkstätten und Betriebe, mit langen Fluchten winzig kleiner Schlafkojen. Der andere, das ist der Zellenflügel. Ein Extrabau mit 90 Einzelzellen in drei Stockwerken.

Der Zellenflügel nimmt uns auf. Für mich beginnt strenge Einzelhaft. Die Isolierung ist hermetisch, die Kontrolle scharf, das Schweigen um dich überwältigend."

Goguel, S. 68f

 
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