Das Zuchthaus Hameln in der NS-Zeit

und in der Nachkriegszeit

 

Das Zuchthaus Hameln in der NS-Zeit

Zur Einführung

 

Der Abriss des Zellenhauses und die Errichtung des Hotels Stadt Hameln haben das ehemalige Zuchthaus gänzlich aus dem Stadtbild getilgt. Es scheint, als sei damit auch die Erinnerung an das Leiden und den Tod vieler Häftlinge in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft ausgelöscht.

Unmittelbar nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurden im Hamelner Zuchthaus politische Häftlinge, vor allem Sozialdemokraten und Kommunisten, eingeliefert. 1935 wurde das Gefängnis zum Zuchthaus. Seit 1939 kamen "Kriegswirtschaftsverbrecher", "Sittlichkeitsverbrecher", Verbrecher gegen "die deutsche Ehre" und Fahnenflüchtige hinzu. 1940 wurden die ersten Ausländer eingeliefert, 1944 z.B. 200 politische Häftlinge aus Frankreich, den Niederlanden und Belgien, die in strengster Isolation leben mussten.

Im Herbst 1944 verschlechterte sich die Situation im Hamelner Zuchthaus dramatisch. Hameln wurde eine Art Umschlaghafen für frontnahe Zuchthäuser im Westen und Osten. Im März 1945 war das Zuchthaus mit 1350 Insassen völlig überbelegt.

In den letzten Kriegstagen ordnete der NSDAP-Kreisleiter an, die politischen bzw. kommunistischen Häftlinge zu ermorden, um sie nicht in die Hände der Amerikaner fallen zu lassen. Ein "Todesmarsch" führte am 5. April 1945 von Hameln den Ith entlang in das Außenlager Holzen des Zuchthauses (bei Eschershausen), ein zweiter vom Außenlager Holzen über ca. zehn Tage ins Zuchthaus Bützow-Dreibergen in Mecklenburg.
Über 600 Häftlinge starben wegen der unmenschlichen Haftbedingungen und auf den Todesmärschen.

Das von Bernhard Gelderblom und Mario Keller-Holte verantwortete

EU-Projekt:
Bürger aus den Benelux-Staaten
als NS-Verfolgte im Zuchthaus Hameln 1942-1945

 
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