Erst mit der Zugehörigkeit Hannovers zu Preußen im Jahre 1866 erreichten
die Juden die volle Gleichberechtigung, die ihnen das Königreich Hannover
stets verweigert hatte. Der berufliche und gesellschaftliche Aufstieg der
Juden, der so lange verhindert worden war, ging nun sehr rasch vor sich.
Nach Jahrhunderten der Beschränkung und Einkapselung orientierten sich die
jüdischen Menschen auf beruflichen und gesellschaftlichen Aufstieg und waren
dabei häufig sehr erfolgreich.
Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hatten viele Juden recht kümmerlich als Händler, Trödler, Pfandverleiher, Schlachter oder Viehhändler gelebt. Häufig war mit ihrer Tätigkeit ein kleiner Geldverleih verbunden, weil es auf dem Lande und in den kleinen Städten keine Sparkassen oder Banken gab.
Da die Hamelner städtische "Spar- und Leihkasse" im Leihgeschäft sehr zurückhaltend war, fiel auch hier Juden dieses besonders risikoreiche Geschäft zu. Seit 1870 finden wir in Hameln häufig die Ausweitung des Getreide- und Produktenhandels auf das Bankgeschäft.
Der Vater von Hermann C. Silberschmidt, Wolf Silberschmidt, war im Getreidehandel tätig gewesen.
Sohn Hermann führte seit 1874 das Bankhaus Silberschmidt in zentraler Lage am Markt.
Das Bankhaus Silberschmidt (links im Bild; Foto aus der Zeit um
1900)
Der "Banquier" Hermann Silberschmidt war geschäftlich erfolgreich und konnte sich 1898 durch den Architekten Bernhard Weise, Hannover, ein stattliches Wohnhaus an der Klütstraße 28 bauen lassen.

Die Villa von Hermann Silberschmidt in der Klütstraße 28
Die kleinen lokalen Privatbanken standen wirtschaftlich auf schwachen Füßen und hatten zunehmend Mühe, mit der wachsenden Konkurrenz der Großbanken fertig zu werden. 1903 kam es zum Konkurs des Bankhauses Silberschmidt. Geschäft und Gebäude wurden von der Deutschen Bank übernommen, die bis heute hier ihren Sitz hat.
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