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Zwangsarbeit in Hameln und im Kreis Hameln-Pyrmont
Bericht über den Besuch der ehemaligen ukrainischen
Zwangsarbeiterin Olga Barbesolle in Hameln
Zur Vorgeschichte des Besuches
Nur die Freundschaft zu anderen Frauen aus der Ukraine
half Olga, die schlimme Zeit zu überstehen. Außerhalb ihrer Arbeitszeit
suchte sie Gelegenheiten, um in deutschen Familien zu arbeiten. Auf
diese Weise konnte sie etwas Zusätzliches zu essen und auch mal ein
Kleidungsstück bekommen.
Anschließend begleitete Olga ihren Gatten nach Frankreich, wo sie seither lebt. Die Entscheidung, dem Ehemann nach Frankreich zu folgen, fiel der jungen Frau damals furchtbar schwer, bedeutete sie doch die dauernde Trennung von den Eltern in Charkow. In der frühen Zeit des Kalten Krieges waren Kontakte in die Sowjetunion nur schwer zu realisieren. 19 Jahre sollte es dauern, bis Olga ihre Eltern in Paris in die Arme schließen konnte. Später kamen ihre Schwestern aus Charkow regelmäßig zu Besuch nach Paris. Mit ihrem Mann Robert brachte sie drei Kinder zur Welt. Heute ist Olga Barbesolle 84 Jahre alt und lebt mit ihrem inzwischen 97 Jahre alten Mann Robert in Paris. In Hameln war sie seither nie wieder gewesen. Jetzt kam sie auf Einladung von Bernhard Gelderblom zusammen mit Sohn Michel Barbesolle und Tochter Hélène Coupé und begleitet von dem Soziologen Maurice Born.
Les Sans-Amour. in Frankreich ein Buch vorliegt, das über mehr als 400 Seiten die Geschichte der Zwangsarbeit einer jungen Ukrainerin in einem Rüstungswerk in Hameln beschreibt. Grundlage des Buches ist ein Tagebuch, das Olga während ihres Aufenthaltes in Hameln auf zusammen gebetteltem Papier geschrieben hat. Dieses Tagebuch ist in seiner Genauigkeit und Anschaulichkeit auch über Hameln hinaus ein einzigartiges Dokument. Die Geschichte des Tagebuches ist nicht einfach. Als in den letzten Kriegstagen beim Vordringen der US-Truppen das Hamelner Industriegebiet Kampfzone wurde, musste sie ihre Baracke verlassen und sich für einige Tage im Wald verstecken. Nach der Rückkehr war das Tagebuch verschwunden. Frau Barbesolle hat dann in den unmittelbaren Nachkriegsjahren in Paris die Energie aufgebracht, das Tagebuch aus dem Gedächtnis neu zu schreiben. Mit Hilfe ihrer Tochter Hèléne brachte Olga in den
1990er Jahren ihr Tagebuch in eine druckreife Form, so dass es im Jahre
2000 im Pariser Verlag L’Harmattan in der Reihe "Mémoires du XXe siècle"
als Buch erscheinen konnte. |
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