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Zwangsarbeit in Hameln und im Kreis Hameln-Pyrmont

 

"Gesichter" - Ausländische Zwangsarbeit
in und um Hameln 1939-1945


Kap. 13 "Zu den schlimmsten Erlebnissen gehörten die
Luftangriffe." – Das Erleben der Schrecken des Krieges

Die gefährlichste Zeit des Aufenthalts im Deutschen Reich waren für die Zwangsarbeiter die letzten Kriegsmonate. Die Lager befanden sich in der Nähe von Industriebetrieben. Diese wiederum waren in aller Regel an Gleisanlagen angebunden, die in den letzten Kriegsmonaten ständig bombardiert wurden.

Da Polen, Sowjetbürgern und Kriegsgefangenen der Aufenthalt in öffentlichen Bunkern verboten war, mussten sie bei den häufigen Alarmen und Angriffen in Bombentrichtern Schutz suchen oder in den Wald flüchten. Bombentrichter wurden über Tage und Nächte zum ständigen Aufenthalt. Auf die ohnehin geschwächten Menschen wirkte dies besonders zermürbend.

In vielen Lagern blieben ihnen nur die provisorischen Splitterschutzgräben als Zuflucht, mannstiefe, mit Holzbrettern ausgekleidete und zugedeckte Gräben, die gegen direkte Bomben- und Granatentreffer jedoch keinen Schutz boten. In einigen Hamelner Lagern hatte man mannsgroße Betonröhren im Zickzack ausgelegt, die ebenfalls nur gegen Splitter eine notdürftige Sicherheit boten.

Zwangsarbeiter aus Hameln wurden auch zu gefährlichen Bergungsarbeiten nach den großen Luftangriffen auf Hannover und Hildesheim herangezogen.

Im März und April 1945 starben in Hameln mehr Zwangsarbeiter als in jedem anderen Monat des Krieges. Waren es im Januar sieben und im Februar drei Personen gewesen, so starben im März sechzehn, davon sechs durch Bombenangriffe, und im April einundzwanzig, davon neun durch Artilleriebeschuss. Die tatsächlichen Zahlen dürften deutlich höher liegen.

Einmannbunker

Heute noch erhaltener Einmann-Bunker für die Wachmannschaft in der Wallbaumstraße. Hier befand sich ein Lager der Domag.
Foto: Gelderblom

Frau Janina B., geb. am 3. Mai 1939 im Dorf Baszkow, Kreis Sieradz, Polen.

Ich weiß noch heute, dass ich als kleines Kind große Angst vor den Anflügen der Flieger hatte. Ich hatte entsetzliche Angst. Ich versteckte mich dann immer unter dem Tisch in der Küche.
 

Frau Monika K., geb. am 9. Februar 1912 in Warschau, Polen.

Zu den schlimmsten Erlebnissen gehörten die Luftangriffe – schlaflose Nächte, hochgespannt, immer in Erwartung und bereit, wegzulaufen. Wir waren todmüde. Es war nicht möglich, sich nach dem Arbeitstag in der Fabrik auszuruhen. Wir lebten immer in Spannung und Stress. Die Flugzeuge, die nach Berlin oder Hannover flogen, flogen immer über uns hinweg. Sehr oft warfen sie auch Bomben über Hameln ab.

Es gab Nächte, die so frostig oder regnerisch waren, dass wir trotz Bombenalarm in den Baracken blieben. In dieser Zeit haben wir einen schweren Bombenangriff erlebt. Die Bahnschienen wurden auf das Gelände der Wollwarenwerke Marienthal geschleudert. Unsere Baracke schwankte, der Putz fiel von der Decke und den Wänden. Es war schrecklich. Es wurde uns befohlen, die Baracke zu verlassen.

Am 25. März 1945, das war ein Sonntag, waren wieder Luftangriffe auf Hameln. Wir haben uns in einem Bombentrichter versteckt. Dieser Tag war das Jüngste Gericht für Hameln. Man hatte das Gefühl, dass die Flugzeuge nie mehr aufhören würden zu bombardieren. Am Nachmittag ging die Bombardierung wieder los. Wir liefen weg und haben es dieses Mal nicht geschafft, uns im Wald zu verstecken.
 

Herr Raymont C., geb. am 25. Februar 1920, Kriegsgefangener aus Frankreich.

Beim großen Luftangriff auf Hildesheim im Jahre 1945 mussten wir die Toten bergen, eine Woche lang. Es war eine furchtbare Arbeit. Ich habe einmal sieben Tote aus einem Keller geholt.
 


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© Bernhard Gelderblom Hameln