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Zwangsarbeit in Hameln und im Kreis Hameln-Pyrmont
"Gesichter" - Ausländische Zwangsarbeit
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![]() ![]() Zofia O. und ihre Schwester Marianna aus Polen Quelle: Briefe |
Die Arbeitsbedingungen waren für
mich als 14jähriges Mädchen schwer. Auf dem Hof wohnten wir
mit meinen Eltern zusammen im Haus der Knechte. Die Wohnbedingungen
und die Ernährung waren für die damalige Zeit erträglich. Die
Bauersleute waren gut. Ab und zu gaben sie uns Milch zu trinken
und bewirteten uns mit Kuchen. Auch die übrigen Deutschen waren
in gewissem Maße verständnisvoll. Im Dritten Reich hatten nicht
alle so erträgliche Lebensbedingungen wie wir. Wenn nicht die Tatsache gewesen wäre, dass wir Freiheit, Würde, Ehre und Gesundheit verloren haben! Wenn der Buchstabe "P" nicht gewesen wäre, der uns als Menschen zweiter Klasse bezeichnete! Sehr schlimm war die Hitlerjugend. Einer von ihnen trat ohne Grund an mich heran und trat mich mit dem Schuh in den Schenkel. Ich kam ins Krankenhaus und hatte zwei Operationen an diesem Bein. Seit dieser Operation habe ich Schmerzen und werde sie bis an mein Lebensende haben. Bei Witterungswechsel ist der Schmerz nicht auszuhalten. |
Frau Monika K., geb. am 9. Februar 1912 in Warschau, Polen.
Frau K. musste bei den Wollwarenfabriken Marienthal in Afferde arbeiten. Eines Tages erkrankte ihr Sohn ernsthaft.
Noch an diesem Tage ging ich zu der deutschen Familie,
die auf dem Fabrikgelände wohnte. Ich gab ihr 10 Mark und bat sie darum,
irgendeine bessere Medizin für meinen Sohn zu kaufen. Diese deutsche
Frau hatte Mitleid mit mir und half mir auch. Sie hat mir auch ein Ei
in die Hand gedrückt. Das war das einzige Ei, das mein Sohn in der Zeit,
als wir im Lager waren, gegessen hat. Aber langsam ging es ihm besser.
Frau Halina C., geb. am 15. Dezember 1921 im Dorf Glowczynie bei Plock, Polen.
Alle Mahlzeiten habe ich mit den Wirtsleuten zusammen
eingenommen in der warmen Küche. Nach dem Abendessen blieb ich noch
und spielte mit dem Kind der Wirtsleute. Die Leute waren sehr gut zu
mir. Ich hatte keine schlechten Erlebnisse.
Frau Marianna M., geb. am 8. September 1930 in Lodz, Polen.
Ich habe in Aerzen in der Landwirtschaft gearbeitet. In Aerzen gab es eine Kirche. Dort standen drei sehr große Birnbäume. Sie hatten kleine, aber sehr schmackhafte Birnen. Wenn es windig war, fiel so viel Obst herunter. Das war damals das einzige Obst, das ich gegessen habe.
Ich ging jeden Morgen die Birnen in einer Milchkanne sammeln. Manchmal sah mich der Pastor. Er drohte mit dem Finger, aber er war lieb zu mir und hatte stets ein Lächeln im Gesicht. Er hat mich manchmal in der Kirche gesehen, obwohl es polnischen Leuten verboten war, dahin zu gehen. Dann habe ich gehört, dass er verheiratet war. Er hatte Frau und Kinder. Das hat mir sehr gut gefallen. So eine Religion fand ich gut. Er war für mich ein gutes Vorbild.
Ich wohnte drei Häuser weiter von der Straße. Auf
der Ecke war ein Kino. Es war uns Polen nicht erlaubt, dort hinzugehen.
Zweimal habe ich gesehen, wie man Polen aus dem Kino herausführte. Unterdessen
habe ich gebetet, dass mich keiner entdeckte, wenn ich ins Kino ging.
Ich konnte nur am Sonntag gehen. Sonst habe ich von 6 Uhr morgens bis
18 Uhr abends gearbeitet.
Frau Marianna S., geb. am 8. Juli 1925 in Strzalki, Kreis Sieradz, Polen.
Ich betone, dass einige Deutsche sehr gut waren,
andere waren aber sehr hochfahrend. Wir waren nicht schuld am Kriege.
Hitler hat den Krieg erklärt. Uns hat man damit vernichtet, dass man
behauptete, wir seien an allem schuld. Als der Krieg mit Russland ausbrach,
wurde es noch schlimmer für uns, denn viele Deutsche kamen in Russland
ums Leben.