Zwangsarbeit in Hameln und im Kreis Hameln-Pyrmont
"Gesichter" - Ausländische Zwangsarbeit
in und um Hameln 1939-1945
Kap. 10 "Der Wirt und seine Frau waren gute Leute." -
Arbeiten
in Kleinbetrieben und in Privathaushalten
In Privathaushalten, Gaststätten und Hotels sowie
in Betrieben wie Gärtnereien, Bäckereien waren besonders Mädchen und
Frauen als Hausgehilfinnen eingesetzt. Im Landkreis Hameln-Pyrmont war
die Stadt Bad Pyrmont mit ihren vielen Hotels, Pensionen und Cafes ein
bevorzugter Einsatzort für die zumeist aus Polen und der Ukraine stammenden
Frauen.
"Ostarbeiterinnen", die als Hausmädchen in Familien
arbeiteten, stellten eine besondere Gruppe dar. Sie waren ukrainischer
Herkunft und "mussten kräftig, zwischen 15 und 35 Jahre alt sein und
im äußeren Erscheinungsbild möglichst den Deutschen gleichen" (nach
Spoerer, Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz, S. 120).
Deutsche Familien, die kinderreich waren und als politisch
zuverlässig galten, konnten sie anfordern. Die jungen ukrainischen Mädchen
waren normalerweise im Lager untergebracht.
Viele Deutsche nahmen die polnischen und sowjetischen
Hausmädchen nicht, wie von den Nationalsozialisten verordnet, als "artfremde"
Wesen, sondern als "Menschen" wahr. Deswegen war deren Los häufig recht
erträglich. Bisweilen entwickelte sich zur deutschen Familie und vor
allem zu deren Kindern ein freundschaftliches oder gar familiäres Verhältnis,
das über die Kriegszeit hinaus Bestand hatte.


Eine Gruppe polnischer
Haus- und Küchenmädchen des Kurhotels
in Bad Pyrmont
Quelle: Briefe
Frau Jewdokija B., geb. im Oktober 1923 im Dorf Sufojenka,
Kiewer Gebiet, Ukraine.
Von der Domag kam ich im April 1944 zu einem Gastwirt.
Er hieß Friedrich G. und wohnte im Dorf Hemeringen.
Der Wirt und seine Frau waren gute Leute. Ich aß
zusammen mit der Familie am Tisch. Am Sonntag hatte ich immer frei.
Wir besuchten sogar die Kirche.

Frau Bronislawa P., geb. am 16. Oktober 1914 im Dorf
Baszkow, Kreis Sieradz, Polen.
Den Brief hat die Enkelin geschrieben.
Meine Großmutter kam zur Arbeit zu Frau Katharina
St. nach Hameln, Forster Weg. Ihre Arbeit war, sich um den Haushalt
und den Gemüsegarten zu kümmern. Meine Großmutter arbeitete dort vom
31. März 1942 bis zum 9. Mai 1945.
Meine Großmutter erzählte, dass die Arbeit ganz
angenehm und nicht zu schwierig war. Frau St. war gut zu ihr. Sie behandelte
sie meist als Mitglied der Familie. Meine Großmutter hatte ihr eigenes
Zimmer, ebenso freie Zeit, so dass sie andere Polen treffen und auch
zur Kirche oder ins Kino gehen konnte.
Wenn meine Großmutter das Haus verließ, hatte sie
das "P" zu tragen. Als sie einmal zusammen mit Frau St. zum Kino ging,
sagte diese, sie solle das "P" verbergen.
Ich weiß, dass Polen normalerweise sehr schlecht
behandelt wurden. Meine Großmutter hatte sehr großes Glück. Deswegen
möchte ich Sie bitten, Grüße an Familie St. zu schicken.
Frau Maria T., geb. im Januar 1924 im Orlower Gebiet,
Ukraine.
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Maria T. (2. von rechts) aus der
Ukraine mit Familie F. und
einem polnischen Zwangsarbeiter
Quelle: Briefe |
Ich wurde von der Familie Albert
F. in Hameln, Bückebergstraße (= Ohsener Straße) aufgenommen.
Diese Leute haben mir nur Gutes getan. Dafür bin ich Gott dankbar.
Die Familie hatte einen eigenen Gemüsegarten. Ich arbeitete
auf dem Feld und im Haus. Ich arbeitete vom Morgen bis zum Abend,
wie auch meine Herren selbst. An Ausländern arbeiteten dort
noch ein Pole und später auch ein Weißrusse. Wir hatten dasselbe
Essen wie unsere Herren, nur saßen wir an einem getrennten Tisch.
Im Haus hatte ich ein Zimmer für mich.
Die Stadt Hameln zu besuchen, hatte ich keine Zeit. Manchmal
besuchte ich das Lager der Ostarbeiter, um mich mit ihnen in
der Muttersprache zu unterhalten. Auf der Brust trug ich immer
das Zeichen "OST". Ohne dieses Zeichen war es verboten, das
Haus zu verlassen. |
Damals waren wir
sehr jung, hatten das erste Mal unsere Heimat verlassen, waren in weiter
Ferne, unter Bewachung, ohne Sprachkenntnisse. Fremde Leute, fremde
Sitten - das bedrückte sehr. Das schlimmste aber war das Heimweh.


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