Zwangsarbeit in Hameln und im Kreis Hameln-Pyrmont
"Gesichter" - Ausländische Zwangsarbeit
in und um Hameln 1939-1945
Kap. 7 "Wir mussten jeden Tag zwölf Stunden arbeiten." –
Arbeiten
in Industriebetrieben
Die (Rüstungs-)Industrie mit ihren Millionen Arbeitsplätzen
stellte einen Kernbereich für den Arbeitseinsatz von Ausländern dar.
So musste fast jeder zweite "Ostarbeiter" in deutschen Fabriken arbeiten.
Die Arbeitskräfte aus dem Osten waren wegen ihres
jugendlichen Alters und ihrer ländlichen Herkunft häufig ungelernte
Kräfte. Im Unterschied zu ihnen waren westeuropäische Arbeiter im Schnitt
deutlich älter und besser ausgebildet. Sie wurden häufig in ihren erlernten
Berufen eingesetzt, was sich positiv auf ihren Status im Betrieb auswirkte.
Kap. 7.1 Die Arbeitsbedingungen für Polen und "Ostarbeiter"
Wegen ihrer Herkunft und der fehlenden Ausbildung
galten Polen und Ostarbeiter vielen Betrieben als minderwertig. Sie
befanden sich damit im Einklang mit der NS-Ideologie. Die Hälfte der
Polen und "Ostarbeiter" waren Frauen und Mädchen, was ihr Ansehen in
den Betrieben weiter minderte. An Investitionen in ihre Arbeitskräfte
aus dem Osten waren die Betriebe wenig interessiert, da deren Einsatz
offenkundig auf die Kriegsdauer beschränkt war.
In der Praxis wurden die Arbeitskräfte aus dem Osten
nur kurz angelernt. Gravierende Sprachprobleme, Apathie und Müdigkeit,
bedingt durch schlechte Ernährung und Unterbringung, führten beinahe
zwangsläufig zu zahlreichen Arbeitsunfällen, insbesondere in den zwölfstündigen
Nachtschichten.
Während für Deutsche und die Arbeitskräfte aus dem
westlichen Ausland der 8-Stundentag galt, mussten Polen und "Ostarbeiter"
in 12-Stunden-Schichten arbeiten.
Der Arbeitseinsatz des Ostarbeiters
richtet sich weder nach der Arbeitszeitverordnung noch – soweit er jugendlich
ist – nach dem Jugendschutzgesetz. Auch sonstige arbeitsschutzrechtliche
Bestimmungen, z.B. das Mutterschutzgesetz usw., gelten für den Ostarbeiter
nicht. Rechtlich gesehen gibt es daher für ihn keine Höchstgrenze für
die tägliche Arbeitszeit und keine beschränkenden Vorschriften für die
Beschäftigung mit bestimmten Arbeiten.
Quelle: Broschüre des
Reichsarbeitsministeriums für Betriebe aus dem Jahre 1942, zitiert
nach Spoerer, Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz, S. 148.

Arbeitsschutzbestimmungen hatten für diesen Personenkreis
keine Geltung. Weder gab es beim Hantieren mit gefährlichen Stoffen
Schutzkleidung, noch Milchzulagen beim Umgang mit giftigen Chemikalien.
Polen erhielten auf dem Papier vergleichbare Löhne
wie Deutsche, aber ohne Zulagen und Zuschläge. Allerdings wurde der
Lohn ganz erheblich durch eine Sondersteuer ("Sozialausgleichsabgabe")
gemindert, die dem Staat zugute kam.
"Ostarbeiter" erhielten noch weniger Lohn, weil eine
hohe Sondersteuer ("Ostarbeiterabgabe") abgezogen wurde. Arbeitgeber
durften außerdem für die Unterbringung im Lager 1,50 RM pro Tag für
Kost und Logis abziehen, so dass Polen wie Sowjetbürgern am Ende nicht
mehr als ein Taschengeld blieb.
Der Lohnertrag wird so weit
weggesteuert, dass wöchentlich nur 10 bis 17 RM übrig sind. Von dem
Restbetrag sind die Kosten für die Verpflegung und Unterkunft zu decken,
so dass nur ein Taschengeld von 0,30 RM pro Tag verbleibt.
Quelle: Offizielle Publikation
aus dem Jahre 1942, zitiert nach Spoerer, Zwangsarbeit unter dem
Hakenkreuz, S. 158.
Mit der Absicht, die Arbeitsmoral zu erhöhen, kam
es gegen Ende des Krieges zu Lohnerhöhungen. "Ostarbeiter" konnten sich
von ihrem Geld nun etwas kaufen. Gleichzeitig wurden die Ausgangsregelungen
gelockert, so dass die freie Zeit zu Einkäufen genutzt werden konnte.
Aber es wird nirgends erkennbar, dass die Sowjetbürger die Erhöhungen
des Lohnes als nennenswerte Erleichterung empfunden haben, stiegen doch
die Preise auf dem Schwarzmarkt für Lebensmittel ständig.
Arbeitskräfte aus Polen hatten von April 1941 bis
Kriegsende faktisch eine Urlaubssperre, indem Urlaub nur in besonderen
Ausnahmefällen gewährt wurde. "Ostarbeiter" hatten grundsätzlich keinen
Anspruch auf Urlaub.

Kap. 7.2 Mussten Unternehmen Zwangsarbeiter nehmen?
Mussten Unternehmen Zwangsarbeiter nehmen? Der Schwerpunkt
der Produktion verlagerte sich während des Krieges immer mehr zu Rüstungsgütern.
Die Behörden untersagten die Produktion von Konsumgütern, die nicht
als lebensnotwendig angesehen wurden. Die Unternehmen hatten allenfalls
Spielräume, in welchem Umfang sie sich der Rüstungsproduktion verschrieben.
Betriebe, die sich keine Rüstungsaufträge holten,
hatten ab 1943 mit Stilllegungen zu rechnen. Rüstungskommando und Gestapo
konnten Werkstätten und Maschinen beschlagnahmen und an die Konkurrenz
verpachten. Um ein Unternehmen weiter führen zu können, war die Qualifikation
als Rüstungsbetrieb und die damit verbundene Betreuung durch die Rüstungsinspektion
(Ministerium Speer) mit zunehmendem Kriegsverlauf von Bedeutung.
Die Regierung sorgte dafür, dass die Rüstungsproduktion
für die Firmen besonders profitabel war. Investitionen waren nur noch
im Zusammenhang mit Rüstungsaufträgen möglich. Diese konnten wegen des
kriegsbedingten Mangels an deutschen Arbeitskräften nur mit Zwangsarbeitern
erfüllt werden.
Verantwortlich für den Einsatz von Zwangsarbeitern
war also in erster Linie der Staat. Verantwortlich war aber ebenso der
einzelne Unternehmer, Handwerker und Landwirt. Diese hatten zwar oft
keinen Spielraum bei der Frage, ob sie ausländische Arbeitskräfte einstellten;
sie hatten aber einen Spielraum bei der Behandlung ihrer Zwangsarbeiter.
Je größer und damit unpersönlicher ein Unternehmen
war, desto schlechter war in der Regel die Behandlung. Besonders größere
Unternehmen standen dem Schicksal der bei ihnen eingesetzten Polen und
Sowjetbürger gleichgültig gegenüber.

Kap. 7.3 Die Hamelner (Rüstungs)-Industrie
Während des Krieges gab es in Hameln kein größeres
Unternehmen des produzierenden Gewerbes, das nicht wenigstens teilweise
Rüstungsgüter herstellte und Zwangsarbeiter einsetzte. Hier sollen nur
die wichtigsten Hamelner Firmen genannt werden.

"Ostarbeiter" an der Werkbank,
Wernigerode 1943
Quelle: Frauenobjektiv
Kap. 7.3.1 Die Domag
Die Metallwerke Schwarz, besser bekannt als Domag
(nach dem Kriege AEG), waren 1938 als reines Rüstungswerk gebaut worden.
Mit über 2.000 Arbeitnehmern war die Domag der größte
Betrieb in Hameln. Sie stellte u. a. Fahrwerke für das Messerschmidt-Jagdflugzeug,
Komponenten für Flugzeugmotoren sowie Hülsen für Granaten her.
Unter den ca. 1000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern
der Firma waren besonders viele "Ostarbeiterinnen" aus der Ukraine.

Der umfangreiche Gebäudekomplex der ehemaligen Domag im Jahre 1961.
Quelle: Heimatchronik

Wilhelm Hellmold war Vorarbeiter bei der Domag.
Als Vorarbeiter und Einrichter hatte ich die mechanische
Fertigung für den Fahrwerksbau; wir bauten die Fahrwerke für die Me
109 und 110. Als ich nach dem Frankreichfeldzug wieder zurückkam in
den Betrieb, da hatten wir schon ein paar Polen in der Abteilung, zwei
oder drei Spitzendreher.
Später dann, 1943, da hatte ich allein in meiner
Abteilung 80-85 Ostarbeiter. Etwa zwei Drittel davon waren Ukrainerfrauen
aus dem Motoren- oder Traktorenwerk Charkow. Diese Frauen waren sehr
qualifiziert - wenn sie wollten -, denn dass sie nicht mit Freuden in
unserer Rüstungsindustrie gearbeitet haben, kann man sich ja vorstellen.
Die Behandlung der Leute hing vor allem von den
einzelnen Abteilungsleitern ab. Die Verpflegung war mangelhaft, aber
wir - die Belegschaft - haben von uns aus versucht, denen noch etwas
zuzustecken. Das Werk hatte uns einen Lastwagen zur Verfügung gestellt.
Wir haben die Domänen wie Grohnde usw. abgefahren und haben Kartoffeln,
Möhren und anderes für die Leute geholt. Das durften wir nicht, wir
haben es aber trotzdem getan. Die Werksleitung drückte ein Auge zu,
die war ja daran interessiert, dass die Produktion reibungslos ablief.
Wir mussten ja jeden Monat 385 Fahrwerke fertig haben.
Quelle: Hubertus Rollfing,
Hameln im Zweiten Weltkrieg, Stadtgeschichte Hameln 1919 – 1949
Band VI, Hameln 1991, S. 17 – 19.
Frau Jewdokija B., geb. im Oktober 1923 im Dorf Sufojenka,
Jagatischer Bezirk, Kiewer Gebiet, Ukraine.
Als wir nach Hameln kamen, führte man uns in die
Fabrik Domag. In der Fabrik arbeitete ich an der Werkbank. Ich sollte
Maschinenteile für Flugzeuge schleifen. Metallspäne flogen uns in die
Augen. Die Mädchen erblindeten.
Herr Boguslaw W., geb. am 11. Januar 1927 in Swiecie,
Polen.
Ich habe in der Domag seit Ende April 1942 bis Kriegsende
im April 1945 gearbeitet. Insgesamt habe ich dort 36 Monate gearbeitet.
In der Fabrik hatte ich die Nummer 1747.
Anfangs arbeitete ich an der Drehbank. Wir arbeiteten
in zwei Schichten je 12 Stunden eine Schicht. Am schlimmsten war die
Nachtschicht. Nach der Arbeit konnte man sich kaum auf den Beinen halten.
Mitte des Jahres 1943 hat man mir eine andere Arbeit
zugeteilt. Ich habe das Material für die Drehbank zugereicht. Jeder
zweite Samstag war frei.
Im Jahre 1944 hat man uns am freien Sonntag nach
Hannover gebracht, um die Trümmer wegen der Bombenangriffe wegzuräumen.

Herr Bogumil S., geb. am 11. März 1924 im Dorf Osjakow,
Kreis Wielun, Wojewodschaft Lodz, Polen.
Wir verdienten 70 Mark brutto im Monat. Und netto
habe ich 10 Mark bekommen. Die Hälfte vom Verdienst war für die Steuern.
Und vom Rest wurde noch etwas abgezogen für Essen und Kleidung. Die
Auszahlung hat der Schichtführer gemacht.
Frau Wanda S., geb. im Jahre 1924 in Polen.
Die Deutschen waren nur als Aufseher im Werk. Sie
haben unsere Arbeit geprüft. Es waren nicht alle Deutschen schlecht.
Als einem Direktor ein Enkel geboren wurde, hat er in der Küche angeordnet,
dass man allen Gefangenen Kuchen und Kaffee geben soll. Er war ein älterer
Herr. Der sah das Unrecht, was mit uns geschah. Auch der Hallenaufseher
war nicht schlecht. Er behandelte uns gut.
Kap. 7.3.2 Die Franz Kaminski GmbH
Die Firma Franz Kaminski in der Werftstraße baute
traditionell Eisenbahnkesselwagen.
Sie hatte zusätzlich schon vor Kriegsbeginn einen
umfangreichen Auftrag zur Überarbeitung von BMW-Flugmotoren vom Reichsluftfahrtministerium
bekommen. Für diesen Großauftrag hatte Kaminski die ehemaligen Selve-Werke
an der Werftstraße und Teile von Sinram & Wendt gepachtet und außerdem
umfangreiche Anlagen neu gebaut.
Kaminski beschäftigte 1944 gut 1000 Arbeitskräfte,
davon ca. 500 Zwangsarbeiter.
In den Hallen an der Werftstraße fand die Reparatur
der BWM-Flugmotoren statt.
Dort befanden sich die ehemaligen Prüfstände für die Flugmotoren.

Polnische Zwangsarbeiter im Waggonwerk Kaminski, ca. 1942.
Quelle: Briefe

Herr Edmund B., geb. am 23. Oktober 1922 in Tschenstochau,
Polen.
Edmund
B. aus Polen musste bei Kaminski arbeiten.
Quelle: Briefe
Ich war in einer Firma beschäftigt, wo ich als Schlosser
gearbeitet habe. Franz Kaminski hieß die Firma. Es gab da zwei Abteilungen,
eine für den Waggonbau, die andere war eine Maschinenfabrik für die
Reparatur von Flugzeugmotoren.
Wir Polen waren im Waggonbau beschäftigt. Das war
eine ganz schwere und schmutzige Arbeit nur für die Polen. In der zweiten
Abteilung war schöne Arbeit. Dort haben die französischen Kriegsgefangenen
gearbeitet.
Wir mussten jeden Tag zwölf Stunden arbeiten, von
7 Uhr früh bis 7 abends. Mittags mussten wir zu Fuß einen halben Kilometer
ins Lager gehen und danach wieder zurück zur Arbeit. Jedes Mal war mit
uns ein Wachmann. Ich war 50 Monate dort und habe nie Urlaub gehabt.
Wir mussten jeden Sonntag arbeiten. Es gab kein Weihnachten, kein Ostern.
Wir haben immer gearbeitet.
Herr Mikola P., geb. am 17. Mai 1927 im Dorf Bude-Orlova,
Gorodischtschengkier Bezirk, Kiewer Gebiet, Ukraine. Mikola musste zuerst
bei einem Bauern arbeiten.
Im Herbst 1943 brachte mich der Bauer in Hameln
zum Arbeitsamt und man schickte mich in das Werk für Flugzeugmotorenbau
von Franz Kaminski. Ich arbeitete in einer Motorenhalle, wo 14-Zylindermotoren
für das Jagdflugzeug Messerschmidt 111 wieder hergestellt wurden.
Ich arbeitete im Keller, wo die Maschinenteile von
alten Motoren gesäubert und mit Benzin gewaschen wurden. Dort habe ich
etwa 10 Monate gearbeitet. Auf einem zehn Meter langen Tisch, an dem
etwa 25 bis 30 Menschen arbeiteten, stand ein Gefäß mit Benzin zum Reinigen.
Im Keller gab es wenig Luft. Benzindämpfe erschwerten die Arbeit von
7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends. Wenn wir nach draußen kamen, so schwindelte
uns sehr.
Herr N. N., geb. am 24. Oktober 1912 in Tschenstochau,
Polen.
Ich habe in der Fabrik Franz Kaminski als Schweißer
gearbeitet. Mit 30 Personen kam ich dorthin. Wir haben 12 Stunden am
Tag gearbeitet.
Die Verpflegung war nicht gut. Manchmal hat mich
der deutsche Meister an seinen Tisch geholt. Das durfte niemand von
den Deutschen sehen, das war verboten. Der Meister war gut zu mir.
Mit zwei Kameraden war ich zusammen, Wladyslaw M.
und Roman K. Wir teilten oft unser Brot. Es gab nur zwei Stücke für
den Tag. Wir wohnten in Baracken. Es war nicht sehr angenehm.
Für die Arbeit bekam ich keinen Lohn. Das Schlimmste
war für mich, dass ich meine Frau mit zwei kleinen Kindern und noch
schwanger zurücklassen musste. In der ganzen Zeit hier in Hameln bekam
ich keinen Urlaub, auch nicht zur Beerdigung meiner Schwiegermutter.

Kap. 7.4 Die übrige Hamelner (Rüstungs)-Industrie
Während des Krieges gab es in Hameln kein größeres
Unternehmen des produzierenden Gewerbes, das nicht wenigstens teilweise
Rüstungsgüter herstellte und Zwangsarbeiter einsetzte. Hier sollen nur
die wichtigsten Firmen genannt werden.
Die Teppichfirma Besmer (Bessert-Nettelbeck & Mertens)
in der Fischbecker Straße 4 produzierte kriegswichtige Gewebe, aber
auch Teile für den Flugzeugzellenbau.
In der Schiffswerft Meyer-Hermann befand sich ein
Lager für Kriegsgefangene.
Die Firma Körting stellte Schuhsohlen her. Auf dem
Gelände der Firma befand sich ein Lager für Kriegsgefangene.
In den Gebäuden des Hefehofes produzierte die ehemalige
Teppichfirma Preis Rüstungsgüter. Hier waren außerdem neben den Schamotte
& Tonwerken mehrere Wehrmachtslager untergebracht.
Die Vereinigten Wollwarenfabriken Marienthal in der
Marienthaler Straße 10 stellten neben Decken für das Militär auch Flugzeugspezialschrauben
her.
Das Eisen- und Hartgusswerk Concordia in der Marienthaler
Straße 1/2 stellte neben Walzen Teile für Panzerwagen her.
Die Reichsbahn beschäftigte knapp 400 ausländische
Arbeiter.
Die Holzwarenfabrik Sinram & Wendt in der Afferder
Landstraße stellte neben Kleinmöbeln auch Munitionskisten her. 1943
verlagerte Kaminski einen Teil seiner Produktion hier her.
Das Hamelner Zuchthaus war seit 1944 offiziell Rüstungsbetrieb.
Hier ließ u.a. die Domag Rüstungsgüter produzieren. Große Gruppen von
Häftlingen arbeiteten außerdem in den Hamelner Rüstungswerken.
Das Kraftwerk Afferde der Elektrizitätswerk Wesertal
GmbH beschäftigte mehrere Zwangsarbeiter.

In den Räumen der Wollwarenfabrik
Theodor Günther produzierte eine in Hannover ausgebombte Rüstungsfirma.
Foto: Gelderblom

Kap. 7.5 Die Industrie im Landkreis
Der Landkreis Hameln-Pyrmont hatte wegen seiner vorwiegend
agrarischen Struktur recht wenig Industrie. Zumeist handelte es sich
um Grundstoffindustrie und Holzwerke. Rüstungsgüter im engeren Sinne
wurden selten hergestellt.
Herr Czeslaw B., geb. im Jahre 1923 in Lodz, Polen
war in der Holzwarenfabrik Wilhelm Niemeier in Marienau beschäftigt.
In Deutschland kam ich nach Marienau in eine große
Tischlereifabrik. Die Bahnstation war Voldagsen. In dieser Fabrik habe
ich seit Oktober 1940 bis April 1945 gearbeitet. Ich habe dort an den
Maschinen verschiedene Arbeiten ausgeführt.
Wir waren dort mehrere polnische Arbeiter und haben
sehr gehungert. Wir wurden oft von unserem Chef, Gustav N., mit einem
Stock geschlagen. Krank durfte niemand werden, der wurde aus dem Bett
geschmissen.

Aniela B. aus Polen musste
in der Holzwarenfabrik Wilhelm Niemeier in Marienau arbeiten.
Quelle: KA Hameln-Pyrmont
Die Vereinigten Osterwald-Salzhemmendorfer Kalkwerke
(VOSKA) hatten einen Steinbruch bei Salzhemmendorf und Werke in Osterwald
und Salzhemmendorf. Sie beschäftigten über 50 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter,
die teils in Werkslagern untergebracht waren.
Die Holzwerke Emme in Bad Pyrmont produzierten u.a.
Munitionskisten für die Wehrmacht. Die Fotos aus dem Kreisarchiv Hameln-Pyrmont
zeigen einen Teil der aus der Ukraine stammenden Belegschaft. Die Firma
hatte 1942 ein Lager für insgesamt 18 "Ostarbeiterinnen".
Die Aerzener Maschinenfabrik beschäftigte neben Kriegsgefangenen
über 50 zivile Zwangsarbeiter. In zwei großen Transporten kamen im Jahre
1943 Männer aus der Sowjetunion.

Die Aerzener Maschinenfabrik.
Quelle: Aerzen I


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