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Das Zuchthaus Hameln in der Nachkriegszeit
Das Zuchthaus als Hinrichtungsort der Briten
Wer wurde hingerichtet?
In Hameln war stets verbreitet worden und ist auch heute noch immer zu hören: Einige "KZ-Schergen", aber viele Unschuldige, also Opfer der Besatzungsjustiz, seien hingerichtet worden. Hält diese Aussage der Überprüfung stand? p> Die folgenden Ausführungen orientieren sich an der
Arbeit von Peter Krone, "Die Hingerichtetengräber" und umfangreichen
eigenen Forschungen. Die verdienstvolle Arbeit von Peter Krone war von
der Stadt Hameln 1986 zugleich mit dem Beschluss über die Einebnung
der Gräber der Hingerichteten vom Rat in Auftrag gegeben worden. a Statistik 76 wegen Verbrechen in KZs, Kinderheimen, Arbeitserziehungslagern, Polizeigefängnissen gehenkt worden, 59 wegen Verbrechen an Kriegsgefangenen (häufig z. B. Lynchjustiz an abgeschossenen alliierten Fliegern) 21 wegen Verbrechen in besetzten Gebieten (z. B. Tötung und Misshandlung von Kriegsgefangenen und Zivilpersonen in den Niederlanden, Norwegen, Frankreich) 42 wegen Verstößen gegen das Besatzungsrecht; hier handelt es sich nicht um Deutsche, sondern um ehemalige Zwangsarbeiter, die nach ihrer Befreiung Gewalttaten gegen Deutsche verübt hatten. Aufgeschlüsselt nach Nationen: 157 Deutsche b Tätergruppen Verbrechen in KZs u.a.
Josef Kramer Buchhalter, SS-Mitglied seit 1932, seit 1934 Funktionen
in KZs. Kramer mordete im KZ Natzweiler mindestens 86 Juden
mit Blausäuregas für eine anatomische Skelettsammlung des Medizinprofessors
Hirt – eine unglaubliche medizinische Versuchsreihe. Mitscherlich, Medizin ohne Menschlichkeit, berichtet: Bei einem Teil der Leichen fehlten die Hoden. Darüber hat jemand promoviert. Kramer dazu am 26.7.1945 von den Briten befragt: "Ich habe keinerlei Rührung empfunden, während ich
die Tat vollbrachte, denn ich hatte den Befehl erhalten."
Irma Grese Irma Grese meldete sich im Alter von 18 Jahren freiwillig zum Dienst in der SS. Die junge Frau durchlief in knapp drei Jahren als SS-Aufseherin 3 Konzentrationslager (Ravensbrück, Auschwitz und B-B). 1945 war sie gerade 22 Jahre alt. Irma Grese wurde durch ihre besondere Brutalität bekannt. Nach Kriegsende häuften sich die Zeugenaussagen ehemaliger Häftlinge gegen sie. Wir werden auf Irma Grese zurück kommen. Elisabeth Volkenrath geb. 5.9.1919 Sie war Oberaufseherin in Ravensbrück, Auschwitz und Bergen-Belsen und hat an Selektionen teilgenommen. Juana Bormann geb. 10.9.1893 Sie war Blockführerin im KZ Auschwitz und zuletzt in Bergen-Belsen. Sie soll Gefangene geschlagen und ihren Hund auf
sie gehetzt haben und außerdem an den Selektionen an der Rampe teilgenommen
haben.
Dr. Rudolf Rosenthal geb. 22.1.1911 Lagerarzt in Ravensbrück Er führte Schwangerschaftsabbrüche sowie Gasbrand-
und Transplantationsversuche an Häftlingsfrauen durch.
Dr. Hans Körbel geb. 2.6.1909 Er war verantwortlich für die "fremdvölkischen"
Kinderheime Rühen und Wolfsburg (1943-1945), in denen neugeborene Kinder
von Zwangsarbeiterinnen untergebracht waren. Er unterzeichnete zahlreiche
Todesscheine mit der Diagnose "Lebensschwäche". Im August 1944 gab es
bei 310 Zugängen 254 Todesfälle. Körbel wurde des Vorwurfs der vorsätzlichen
Vernachlässigung angeklagt. Aufgeschlüsselt auf die einzelnen KZs standen vor Gericht und erhielten die Todesstrafe: KZ Neuengamme 31 Ein Prozess fällt aus dem Rahmen heraus: Bruno Tesch, geb, 14.8.1890 Die Angeklagten waren leitende Mitarbeiter der Hamburger Firma Tesch&Stabenow. Die Firma hatte das Giftgas Zyklon B für die Gaskammern geliefert, mit dem 5-6 Millionen Menschen getötet worden waren. Die Angeklagten hatten nicht nur das Gift geliefert, sondern auch an den Beratungen über seinen Einsatz teilgenommen, Reisen nach Auschwitz übernommen und für die Ausbildung der SS im Einsatz von Gift gesorgt. In diesem Prozess wird das besondere Interesse der Alliierten deutlich, insofern sie mit ihren Prozessen die eigentlich Verantwortlichen der Massenmorde zu bestrafen suchten. Weiter gab es Verfahren wegen der "Euthanasie"-Morde in Hadamar. Verbrechen an Kriegsgefangenen
Josef Gmeiner geb. 22.12.1904 Der Jurist war Gestapochef in Dessau, 1941 abgeordnet
zur Einsatzgruppe C und D zur Judenvernichtung in Russland.
Bernhard Siebken geb. 1910 SS-Sturmbannführer, leitete ein Bataillon eines SS-Panzergrenadierregiments. Drei kriegsgefangene kanadische Soldaten waren am 9. Juni 1944 in Nordfrankreich erschossen worden, angeblich, weil das Bataillon zu wenig Transportmittel gehabt habe. Siebken bestritt im Prozess, einen solchen Befehl gegeben zu haben. Häufig waren Verfahren wegen Lynchjustiz an abgeschossenen oder notgelandeten Piloten. Lynchjustiz war in den Letzten Kriegswochen häufig. Der sog. Fliegerbefehl vom 25.2.1945 lautete: "Sämtliche Jabo-Piloten, die abgeschossen werden,
sind grundsätzlich der Volksempörung nicht zu entziehen." Prozesse wegen Verstößen gegen Besatzungsrecht und geltendes deutsches Recht
Es handelte sich um Menschen, die zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt worden waren, von den Alliierten displaced persons (DPs) genannt. Ein kleiner Teil von ihnen war in Deutschland geblieben, in die Kriminalität abgerutscht und zog marodierend durch die Lande. DPs waren der deutschen Staats- und Strafgewalt entzogen. Sie mussten vor ein Gericht der Besatzungsmacht gestellt werden. Das Besatzungsrecht sah für Tötung eines alliierten Soldaten, den ungesetzlicher Besitz oder Gebrauch von Waffen und für Plünderung die Todesstrafe vor. In allen Prozessen gegen die DPs ging es um Schusswaffengebrauch mit Todesfolge, etwa bei nächtlichen Überfällen auf Bauernhöfe. Nach der hartnäckig in Hameln sich haltenden und immer neu verbreiteten Legende wurde der letzte der Hingerichteten wegen des Besitzes von 4 Schuss Karabinermunition gehenkt. Mit diesem Beispiel soll ein besonders schlagender Beweis für die Willkür und Ungerechtigkeit der Sieger- und Besatzerjustiz geführt werden. Um welche Person und welchen Straftatbestand handelt es sich? Es handelt sich um den Polen Jerzy Andziak. Das britische Gericht verurteilte ihn am 23.6.1949 wegen unbefugten Schusswaffengebrauchs (er hatte einen deutschen Polizisten erschossen) zum Tode. Er wurde am 6.12.1949 in Hameln hingerichtet. Die Gruppe der DPs wurde bei allen späteren Diskussionen
um die Hingerichteten völlig ignoriert. |
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