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Hameln in der NS-ZeitDie Vernichtung der ArbeiterbewegungVom Machtantritt Hitlers am
30. 1. bis zur Reichstagsbrandverordnung am 27. 2. 1933 Vom Machtantritt Hitlers am 30. Januar bis zur Reichstagsbrandverordnung am 27. Februar 1933 Seit dem 30. Januar 1933 war Hitler Kanzler. Schon am 1. Februar erreichte er von Reichspräsident Hindenburg die Auflösung des Reichstages. Er konnte nun entscheidende sieben Wochen ohne Parlament regieren.
Unmittelbar nach dem Machtantritt Hitlers kam es in Hameln zu Provokationen und ersten Verfolgungen gegenüber den Arbeiterorganisationen und ihren Mitgliedern. Zunächst war die Freiheit der Presse noch nicht eingeschränkt, so dass die KPD in der NAZ zum Straßenkampf gegen Hitler aufrufen kann. Die "Notverordnung zum Schutz des deutschen Volkes" vom 4. Februar ermöglichte rigorose Einschränkungen der Presse- und Versammlungsfreiheit. Göring erlaubte Schlägertrupps der SA rücksichtsloses Vorgehen gegen "staatsfeindliche Organisationen". Die SA erhielt eine weiße Armbinde mit der Aufschrift "Hilfspolizei". Die 1919 gegründete Niedersächsische Volksstimme, eine sozialdemokratische Tageszeitung, hatte ihre Redaktion und die Druckerei im SPD-Haus in der Heiliggeiststraße 2. Am 23. Februar 1933 berichtete ein Redakteur der konservativen Deister- und Weserzeitung: "Unruhen in der Heiliggeiststraße.
Gegen den "Straßenterror" rief die SPD in einer Anzeige zu einer Demonstration auf.
Von der Reichstagsbrandverordnung bis zu den Wahlen zum Reichstag am 5. März 1933 Am 28. Februar 1933 erschien die Deister- und Weserzeitung mit der großen Schlagzeile: "Kommunisten zünden den Reichstag an." Das war eine Propagandalüge. Aber damit hatten die Nationalsozialisten die Rechtfertigung für den Terror gegen Links. Die sog. Reichstagsbrandverordnung, die unmittelbar nach dem Reichstagsbrand erlassen wurde, schaffte wesentliche Grundrechte ab und bot auch die gesetzliche Grundlage für das Verbot der KPD. Hamelner KPD war personell recht schwach (die Gestapo hat 108 Kommunisten aus Hameln erfasst) und relativ unerfahren. Sie hatte Vorbereitungen für den Übergang in die Illegalität getroffen, war aber doch von der Brutalität des Vorgehens gegen sie überrascht. Am 28. Februar, dem Tag nach dem Reichstagsbrand, gab es in Hameln erste Festnahmen von KPD-Mitgliedern. Karl Hölscher, KPD-Mitglied und Stadtrat, berichtet: "Den Tag nach dem Reichstagsbrand bin ich als erster hier in Hameln verhaftet worden. Wir wurden ... dann zum Getreidespeicher gebracht und dort von der SA zusammengeschlagen. ... Als wir im Rieselspeicher zusammengeschlagen wurden, da haben mehrere von den SA-Männern gerufen: 'Schmeißt die Hunde doch in den Hafen rein!' und erst als die Arbeiter, die dort auf der Mühle gearbeitet haben, an die Fenster klopften und gesagt haben, die sollten uns in Ruhe lassen, da hat man uns der Polizei wieder übergeben und abgeführt ins Gefängnis." In der Folge gab es ständig weitere Festnahmen. So wurden am 4. März weitere fünf KPD-Männer aus Hameln in Haft gesetzt. Mit allen Mitteln wollten die Nazis die für März angesetzten Wahlen gewinnen. Ein freier Wahlkampf für die Reichstags- und Kommunalwahlen war unter diesen Bedingungen nicht mehr möglich. Viele Kommunisten waren bereits inhaftiert. Behörden und Polizei unterstützten den Terror der Nationalsozialisten gegen die Arbeiterbewegung. Dennoch konnte die Hamelner SPD-Zeitung zunächst noch länger erscheinen. Die Hamelner SPD war personell stärker (401 Mitglieder) als die KPD und mit wichtigen Einrichtungen in der Stadt präsent. In der Heiliggeiststraße saß die Redaktion der SPD-Zeitung "Niedersächsische Volksstimme". Es gab personelle Verflechtungen führender SPD-Mitglieder mit der AOK, dem Konsum und den Gewerkschaften. Im Vertrauen auf die eigene Stärke und die Verfassung hatte die SPD keine Vorbereitungen zum Untertauchen getroffen. Am 2. März – drei Tage vor den Reichstagswahlen - wurde die "Niedersächsische Volksstimme" verboten, um einen freien Wahlkampf zu verhindern. Die Reichstagswahlen am 5. März 1933 bringen das folgende Ergebnis für Hameln: NSDAP 9084 Stimmen Trotz der erdrückenden Präsenz der Nationalsozialisten im Wahlkampf haben sich viele Wählerinnen und Wähler nicht abschrecken lassen, SPD bzw. KPD zu wählen.
Unmittelbar nach den Reichstagswahlen marschierten NS-Organisationen vor dem Hochzeitshaus auf, um die Stadtverwaltung einzuschüchtern. Noch konnte in der Deister- und Weserzeitung eine letzte Anzeige der SPD zur Kommunalwahl erscheinen. Bei den Kommunalwahlen am 12. März 1933 erreichten die Nationalsozialisten von 21 Ratsmandaten 12, die SPD immerhin 6, ein nach dem voraufgehenden Terror durchaus beachtliches Ergebnis.
Von den Reichstagswahlen bis zur Feier des 1. Mai
Unmittelbar nach den Wahlen zerstörten die Nationalsozialisten die Infrastruktur der SPD völlig. Durchsuchungen durch SA und Hilfspolizei fanden in allen wichtigen Einrichtungen der Partei statt, Sozialdemokraten wurden verhaftet und misshandelt. Vor allem hatten es die Nationalsozialisten auf die Druckerei der Niedersächsischen Volksstimme in der Heiliggeiststraße abgesehen, die am 12. März 1933 durchsucht und deren Druckmaschinen versiegelt wurden. Gleichzeitig wurde die Allgemeine Ortskrankenkasse durchsucht. Dabei findet die Polizei die Mitgliederkartei der SPD. Senator Müller, Geschäftsführer Bauer, der Kassierer der SPD Kallmeyer und der Hausmeister Schneider wurden in "Schutzhaft" genommen. Ein besonderer Zorn richtete sich gegen den Stadtverordneten Senator Carl Müller. Er war Vorsitzender der SPD und der AOK und saß im Vorstand des Konsum. Müller wurde mit weiteren SPD-Mitgliedern verhaftet und blieb ohne Anklage 30 Tage in Haft. Er fand in Hameln keinen Rechtsanwalt, der ihn vor Gericht verteidigt hätte. Nach seiner Entlassung musste er Hameln verlassen und ging nach Lübeck. Sein Vermögen blieb beschlagnahmt und er erlebte mehrere Anklagen wegen Landesverrats. Weiter fanden Durchsuchungen des Gewerkschaftshauses
in Auch Rathaus und Hochzeitshaus, wo sich die noch unter Oberbürgermeister Dr. Scharnow stehende Stadtverwaltung befand, wurde besetzt. Die Beamten durften bis zur Mittagsstunde das Gebäude nicht verlassen. Stadtinspektor Tegtmeyer vom Wohlfahrtsamt wurde in "Schutzhaft" genommen. Später wurde die Stadtverwaltung von missliebigen Beamten "gesäubert". Die Verhaftungen von Linken gingen in großem Stil weiter. Ende März und Anfang April 1933 wurden in mehreren Aktionen weitere Kommunisten verhaftet und teilweise in das KZ Moringen eingeliefert. Am 24. März saßen im Hamelner Gefängnis insgesamt 85 Kommunisten und Sozialdemokraten aus Hameln und Umgebung ein. Albert Sohr, KPD-Mitglied, erinnert sich: "Die politischen Gefangenen waren alle im Keller untergebracht. Der Keller war so voll, dass sie die Zellen am Tage offen machen mussten, damit die sich überhaupt etwas bewegen konnten auf dem Flur. Die Gelegenheit des engen Zusammenseins im Keller ist dazu genutzt worden, um gemeinsam zu überlegen: Was ist in der Vergangenheit falsch gemacht worden, was müssen wir in Zukunft tun, um so etwas zu verhindern? Und da kam uns schon der Gedanke, dass die Kommunisten und Sozialdemokraten beide einen falschen Weg gegangen sind, indem sie sich gegenseitig bekämpft haben und nicht den großen Gegner, den Nazismus erkannt hatten. Und dass das in Zukunft nicht mehr sein dürfte."
Am 29. März gelang der Polizei die Festnahme von Eduard
Sponholz, Theodor Warni, Felix Tuschke und August Wehner, sämtlich Mitglieder
der Hamelner KPD. Am 7. April meldete der Landrat 57 Männer in Schutzhaft
im Stockhof, die Mehrzahl davon Kommunisten. Das Gefängnis sei überfüllt.
Der Landrat fragte an, "ob damit zu rechnen ist, dass sie (=die Gefangenen)
in allernächster Zeit in ein Konzentrationslager abgeschoben werden."
Im Umgang mit den Gewerkschaften bewiesen die Nationalsozialisten
ein besonderes "Geschick". Der 1. Mai, der Kampftag der Arbeiterbewegung,
war bisher in Deutschland kein Feiertag gewesen. Von den Nationalsozialisten
wurde er nun in einer gigantischen Propagandaaktion zum "Tag der deutschen
Arbeit" erklärt, zum großen Fest der Volksgemeinschaft. Der Tag wurde in Hameln mit Kundgebungen und Umzügen
wie ein Volksfest gefeiert. Die DEWEZET berichtete begeistert über die Maikundgebung
in Hameln, an der angeblich 12.000 Menschen teilnahmen. Einzelne Firmen
erschienen mit geschmückten Wagen. Die "Aktion", die dann am 2. Mai
gegen das Gewerkschaftshaus in der Baustraße stattfand, meldete die
Deister- und Weserzeitung jedoch nicht.
Vom 1. Mai bis zum Verbot der SPD am 22. Juni 1933
Sogleich nach dem 1. Mai gab es eine neue, massive Welle von Verhaftungen. Am 2. Mai wurden die Gewerkschaften im ganzen Reich verboten.
Das Hamelner Gewerkschaftshaus war bereits vor dem 2. Mai mehrmals durchsucht worden. Nun wurde es geschlossen. Die Gewerkschaften werden in die Deutsche Arbeitsfront (DAF) aufgelöst. Die Unternehmer hatten als Betriebsführer Befehlsgewalt über ihre "Gefolgschaft".
12. März Gewerkschaftshaus wird zum ersten Mal durchsucht
Im Mai 1933 saßen neun Häftlingen aus Hameln im KZ Moringen ein, ein weiterer in Sonnenberg und ein weiterer in Papenburg Wenige Tage nach den "Aktionen" gegen die Gewerkschaften wurden am 10. Mai Gebäude und Druckmaschinen der Niedersächsischen Volksstimme in der Heiliggeiststraße beschlagnahmt ebenso wie das Vermögen der SPD und des Reichsbanner. Erst nach dem Kriege wurde das Gebäude an die SPD zurückgegeben. Eine sozialdemokratische Zeitung sollte es in Hameln jedoch nicht mehr geben. Abschließend werden die zahlreichen Hamelner Arbeiterkultur- und –sportvereine zerschlagen. Sie wurden vor die Wahl gestellt, sich entweder aufzulösen oder sich gleichschalten zu lassen. Die Vielfalt der Arbeitervereine war außerordentlich groß gewesen. Sozialdemokratische Sportvereine: Sportverein Fichte (KPD) Spielmannszug der Eisengießerei Concordia Am 22. Juni 1933 erfolgte das Verbot der SPD im gesamten Reich. Vier Tage später, am 26. Juni 1933, wurden 22 Hamelner Sozialdemokraten auf Weisung der Reichsregierung verhaftet und in Zuchthäuser und Konzentrationslager gebracht. Die Verhafteten wurden - teilweise in Ketten - vom Rathaus durch die Bäckerstraße zum Gefängnis geführt, ein Spießrutenlauf durch eine feindlich gesinnte Menge. Arno Reichard, ein den Nazis besonders verhasster Redakteur der Niedersächsischen Volksstimme, wurde gezwungen, ein Schild mit der Aufschrift "Auch ich habe von Arbeitergroschen gelebt" umzuhängen. Anschließend wurden 200-300 SPD-Leute aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont verhaftet, im Gefängnis eingeliefert und längere Zeit festgehalten. Von den umfassenden Verhaftungen, die dem SPD-Verbot
folgten, hat sich die Hamelner SPD während der gesamten NS-Zeit nicht
wieder erholt. Die SPD blieb in Hameln zerschlagen, zum Aufbau einer
illegalen Organisation kam es nicht. Die endgültige Zerschlagung der KPD bis zum Jahresende 1933 Am 2. Oktober wurden sechs im KZ Moringen einsitzende Gefangene nach Hause entlassen. Sie hatten unter dem Druck der Verhöre und den Folterungen geredet und sich von der KPD distanziert. Die übrigen kamen nach Oranienburg Die Verhaftungen in Hameln gingen weiter bis in den November 1933. Ein letzter Schlag gegen die KPD wurde am 9. November 1933 geführt. Sieben Männer aus der Führung der Hamelner KPD wurden verhaftet. Erst jetzt war nach Annahme der Polizei die Parteistruktur der KPD in Hameln endgültig zerschlagen. Nun waren alle Führenden festgesetzt und sie wurden nicht so schnell entlassen. Mehrere davon wurden wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" abgeurteilt und mussten lange Haftstrafen absitzen. Einige von ihnen verschwanden anschließend für lange Zeit in Konzentrationslagern (zunächst Moringen, später Papenburg und Oranienburg). Ein Beispiel ist der Tischler Georg Schröter. Er
wurde gleich nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler in Hameln verhaftet
und zunächst nach Moringen und dann nach Oranienburg gebracht. Als er
nach seiner Entlassung weiter für den Widerstand tätig war, wurde er
erneut verhaftet und nach Neuengamme eingeliefert. Erst Anfang des Jahres
1945 wurde er entlassen und konnte nach Hameln zurückkehren. Das weitere Schicksal der Hamelner KPD und SPD in der NS-Zeit Anders als die Hamelner SPD wurde die KPD gegen Kriegsende wieder aktiv. Mehrere KPD-Männer waren aus der Haft bzw. dem Lager zurückgekehrt nach Hameln. Albert Sohr (KPD) und Karl Hölscher (KPD) arbeiteten beide bei der Domag. Sie knüpften Kontakte französischen Kriegsgefangenen und zu den politischen Häftlingen, die im Zuchthaus einsaßen und zur Arbeit in die Domag geführt wurden, und verteilten Flugblätter. Als die Stadt Hameln in den letzten Kriegstagen unter schwerem Beschuss lag, beschlossen Georg Schröter zusammen mit dem Hamelner Arzt Dr. Klages, Kontakt mit den Amerikanern aufzunehmen. Schröter brauchte Klages wegen dessen Englisch-Kenntnissen. Am 6. April 1945 setzten beide mittags oberhalb der Eisenbahnbrücke mit einem Boot über und sprachen mit den Amerikanern. Der Beschuss der Stadt wurde in der Nacht eingestellt. Die genaue Zahl der verhafteten, verurteilten und
zum Teil ins KZ verschleppten Hamelner SPD- und KPD-Mitglieder ist nicht
zu ermitteln. Sie dürfte in der Größenordnung von 150 liegen. Es ist
auch bisher nicht zu klären, ob einzelne den Terror der NS-Zeit mit
dem Leben bezahlen mussten. Porträt Rosa Helfers Rosa Helfers, geb. Boye Als Tochter eines Arbeiterführers und Vertrauten von August Bebel geboren, erlernte Rosa Boye den Beruf der Kindergärtnerin und trat 1907 unter einem männlichen Pseudonym der Partei bei. Ab 1911 war sie in der gewerkschaftlichen Jugendarbeit und der Gefangenenfürsorge in Hameln tätig. 1918, bereits Witwe, war Rosa Helfers die einzige Frau im Hamelner Arbeiter- und- Soldatenrat und anschließend bis 1928 Stadtverordnete. 1919 gehörte sie zu den Mitbegründerinnen der SPD-Frauengruppe und der Arbeiterwohlfahrt. Sie engagierte sich bei den "Naturfreunden" und im "Zentralverband proletarischer Freidenker". Schwerpunkt ihrer Arbeit war die Sozial- und Jugendfürsorge, welcher auch ihr Interesse als Abgeordnete des Preußischen Landtages von 1921 bis 1933 galt. Neben ihrer politischen Tätigkeit absolvierte sie eine zweite Ausbildung als Gefängnisfürsorgerin. 1929 vertraute man ihr daraufhin den Posten der Direktorin des Frauengefängnisses in der Berliner Barnimstraße an, welches republikweit das einzige ausschließlich von Frauen verwaltete Gefängnis war. Nach ihrer Entlassung 1933 zog sich Rosa Helfers nach Hameln zurück; sie war illegal tätig, half den Familien von Inhaftierten und nutzte vor allem ihre Kontakte zu Aufsichtsbeamten, die sie aus ihrer Tätigkeit in den 1920er Jahren kannte, zur Verbesserung der Lage der politischen Häftlinge. Ab 1935 stand sie durch die Berichte eine V-Mannes im Visier der Gestapo. In der "Aktion Gitter" wurde sie verhaftet und bis Anfang März 1945 im Arbeitserziehungslager Buchholz fest gehalten, wo sie sich ein Nierenleiden zuzog. 1945 baute Rosa Helfers in Hameln die SPD und die Arbeiterwohlfahrt mit auf, wurde Mitglied im Bezirksvorstand Hannover, Stadtverordnete in Hameln, Mitglied des Niedersächsischen Landtages und hier Vorsitzende des Wohlfahrtsausschusses. 1952 musste sie aus gesundheitlichen Gründen alle politischen Ämter niederlegen. Aus: Gedenkbuch der deutschen Sozialdemokratie
S. 137f Porträt Carl Hölscher Carl Hölscher stammt aus einer Arbeiterfamilie. Der Vater ist Mitglied der SPD und im Vorstand des Holzarbeiterverbandes, später, nach dem Umzug der Familie nach Hameln, im Vorstand der Hamelner SPD. 1911, unmittelbar nach Beendigung der Schule, kommt er zur Arbeiterbewegung und tritt in die Arbeiterjugend ein. Der Vater ist lange arbeitslos. Erst 1913 bekommt er wieder Arbeit und die Familie zieht deswegen nach Hameln. Während der ersten Jahre des 1.Weltkrieges lebt Carl Hölscher als Arbeiter im Ruhrgebiet, später wird er als Soldat eingezogen und als Pionier bei Verdun und später in Flandern eingesetzt. Bei Kriegsende gehört er in Frankreich zu den revoltierenden Soldaten, nimmt anschließend in Berlin an den Straßenkämpfen auf Seiten der Spartakisten teil. Nach der Niederschlagung der Revolution kommt er von Berlin aus wieder nach Hameln, um dann wieder im Ruhrgebiet zu arbeiten. Dort erlebt er 1920 den Kapp-Putsch 1920 und nimmt an den Kämpfen gegen die rechten Freicorps teil. Zur KPD kommt er 1927 aufgrund der Panzerkreuzerdebatte. In Hameln traten damals ungefähr 12 Mann aus der SPD aus. 3 Mann davon sind zur KPD gegangen, einer von ihnen ist Hölscher. Seit Anfang 1926 arbeitet Hölscher bei der Holzfirma Bähre in Springe. Ein Jahr später ist er im Betriebsrat und einer der Streikführer. Als er nach dem Streik nicht wieder eingestellt wird, kommt es zum Prozess vor dem Arbeitsgericht in Hameln. Hölscher bekommt Recht, wird aber dennoch nicht wieder eingestellt.
Nach einem Interview von Arno Zier
und Edwin Wesemann vom Juni 1979 (www.parteien.freepage.de/dkphameln;
die Seite gibt es nicht mehr) Literatur Hubert Brieden, "Die Polizei griff
ein ...". Die vergessene Geschichte der Hamelner Arbeiterbewegung, Hannover
1994 |
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