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Die jüdische Gemeinde Salzhemmendorf
Angeschlossene Orte: Banteln (bis 1855), Duingen, Eime (bis 1855), Hemmendorf, Lauenstein und Wallensen

Aus der Geschichte der Orte
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde vom 17. bis 19. Jahrhundert
Die wirtschaftliche Situation der jüdischen Einwohner
Synagogengottesdienst, Schule und Friedhof
Die Situation Ende des 19. Jahrhunderts
Die NS-Zeit
Boykottmaßnahmen, Pogrome und Deportationen
Die Zerstörung der Friedhöfe in der NS-Zeit
Das Schicksal der Friedhöfe nach dem Kriege
Die Namen der Opfer
Duingen
Hemmendorf
Lauenstein
Salzhemmendorf
Politische und religiöse Zugehörigkeit der Gemeinde
Gesamteinwohnerzahl / darunter Juden
Quellen und Literatur

Aus der Geschichte der Orte

Das Amt Lauenstein, gelegen im Gebiet zwischen Ith, Osterwald, Hils und Leine, zählte um 1400 40 Ortschaften. Nachdem das Geschlecht der Edelherren von Homburg ausgestorben war, kam das Amt 1409 an die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg. Durch die Teilung von 1495 fiel es dem Fürstentum Calenberg zu.

Zum Verwaltungsmittelpunkt des Amtes, das abseits der festen Verkehrswege lag und vor allem landwirtschaftlich geprägt war, entwickelte sich der Flecken Lauenstein. Dort fanden seit 1590 zweimal in der Woche Markt und jährlich drei Freimärkte statt.

Am Ende des 19. Jahrhunderts setzte in Lauenstein eine Industrialisierung ein (1 mechanische Weberei, 2 Stuhlfabriken, 2 Mühlen). In Salzhemmendorf kam es mit der Gründung der Osterwald-Salzhemmendorfer-Kalkwerke (1896) zu einem bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung. Schon im Mittelalter hatte der Ort mit seiner Solequelle eine wichtige Rolle bei der Salzgewinnung gespielt; seit dem 16. Jh. lieferte er Grubenholz an die Kohlenbergwerke in Osterwald. In dem durch Armut geprägten Dorf Duingen ist seit dem 14. Jahrhundert das Töpfergewerbe nachweisbar, das im 18. Jahrhundert seine Blütezeit erreichte. Von Duingen aus wurde ein ausgedehnter Handel mit Töpferwaren betrieben. Die Anfang des 20. Jhs. gegründeten "Norddeutschen Steinzeugwerke Duingen" knüpften an diese handwerkliche Tradition an. Die wirtschaftliche Entwicklung der Flecken Hemmendorf und Eime war demgegenüber rückläufig. Eime blieb trotz des 1669 verliehenen Marktrechtes bäuerlich strukturiert. Hemmendorfs Entwicklung stagnierte durch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges und mehrere schwere Brände. Wallensen verlor sein 1351 verliehenes Stadtrecht bereits um 1500. Erst im 19. Jh. gewann der Flecken durch den Braunkohletagebau vorübergehend wieder an Bedeutung.

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Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde vom 17. bis zum 19. Jahrhundert

Juden sind im Amt Lauenstein seit dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts nachweisbar. In Salzhemmendorf lebte der Schutzjude Abraham. Er war 1685 mit Schutz versehen. 1686 wurde er des Mordes an seiner Familie bezichtigt. Nur wenige Wochen später wurde er selbst erschlagen aufgefunden. Zu dieser Zeit wohnten in Duingen und Hemmendorf je eine Schutzjudenfamilie. In Hemmendorf muss ihre Anzahl der Schutzjuden während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts recht hoch gewesen sein, denn von Seiten der Geistlichkeit klagte man über eine Schmälerung der Pfarreinkünfte durch die Zunahme der Schutzjuden. 1774 ist auch die Anwesenheit von Juden in Lauenstein bezeugt. David und Hanna Gerson (Blank) erwarben in diesem Jahr die Bürgerstelle Damm Nr. 4, die für 125 Jahre im Besitz der Familie blieb.

Die wirtschaftliche Situation der jüdischen Einwohner

Während des 19. Jahrhunderts lebte die Mehrzahl der jüdischen Familien des Amtes in Hemmendorf (max. 7), gefolgt von Salzhemmendorf (max. 6), während ihre Anzahl in den Orten Lauenstein, Wallensen, Duingen, Eime und Banteln (max. je 3 Familien) geringer war. Die Mitglieder der Salzhemmendorfer Synagogengemeinde betrieben vor allem den Viktualien- und Manufakturwaren- sowie Pferde- und Viehhandel. Mehrere von ihnen waren Hausierer, hatten also kein Ladengeschäft, und lebten ärmlich zur Miete.

Demgegenüber waren die Juden in gewerblichen Berufen, im Kredithandel und in akademischen Berufen wenig vertreten. Zu nennen sind der Buchbinder David Calmsohn aus Salzhemmendorf, der Tierarzt Josef Spiegelberg aus Lauenstein und der ebenfalls in Lauenstein ansässige Alexander Spiegelberg, der als Bankier große Bedeutung hatte. Alexander Spiegelberg gehörte zu den wenigen wohlhabenden Juden im Amt Lauenstein. Lauenstein als Amtssitz bot ihm und der zweiten ortsansässigen Familie Blank ein gutes wirtschaftliches Auskommen, so dass beiden Familien (der Familie Blank vor 1816 und der Familie Spiegelberg nach 1822) der Erwerb von Häusern gelang. Aus der Lauensteiner Familie Spiegelberg, die 1855 das Bankhaus Alexander Spiegelberg in Hannover gründet, stammt der hannoversche Kommerzienrat und Kunstsammler Georg Spiegelberg, der seine umfangreiche Gemäldesammlung an die Niedersächsische Landesgalerie Hannover vererbte. Ebenfalls wohlhabend waren Herz und Elle Marcus aus Eime. 1838 wurde aus ihrem Vermögen die Herz-Marcussche Stiftung zur Unterstützung hilfsbedürftiger verwandter Familien gegründet, die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts fortbestand.

Die Mehrheit der Juden im Amt war hingegen mittelmäßig situiert, z. T. sogar arm, was vor allem auf die Hemmendorfer und Duinger Juden zutraf. Von den 15 aufgeführten Haushaltsvorständen der Synagogengemeinde konnten 1843/44 sechs wegen Krankheit, Alter oder Armut keine Dominialabgabe bezahlen. 

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Synagogengottesdienst, Schule und Friedhof

Ihren Gottesdienst hielten die Juden in Lauenstein, Salzhemmendorf und Hemmendorf zunächst in eigens dafür eingerichteten kleinen Beträumen getrennt voneinander ab. In Lauenstein befand sich ein solcher Raum im Haus von Moses Blank, Vogelsang Nr. 5, in Hemmendorf im Anbau des Hauses Nr. 68 von Calmon Zeckendorf (beide Gebäude sind heute abgerissen). Für die Gottesdienste in Lauenstein und Salzhemmendorf konnte die das erforderliche Quorum für ein Minjan nur unter Schwierigkeiten zusammengebracht werden.

Für die Hemmendorfer Juden stellte dies kein Problem dar. Dafür gab es hier andere Schwierigkeiten. Seit den 20er Jahren beklagten das Amt Lauenstein und der Landrabbiner Adler immer wieder die zerrütteten Gemeindeverhältnisse in Hemmendorf. Die Gemeinde hatte zeitweise keinen geprüften Lehrer; es gab Streit um den Ort der Synagoge; sie konnte sich nicht auf einen Vorsteher einigen; der vom Landrabbiner eingesetzte Vorsteher blieb ohne Autorität. Der Landrabbiner führte die Missstände auf die Armut der ortsansässigen jüdischen Familien zurück. Der Versuch, die Streitigkeiten mit Hilfe einer Synagogenordnung (1832) zu beenden, misslang. Noch 1841 waren diese Spannungen verbreitet. Drei der Hemmendorfer Juden hatten Strafgelder zu bezahlen, die ihnen vom Vorsteher Abraham Zeckendorf wegen "schlimmen Verhaltens in der Synagoge" auferlegt wurden. Unklar bleibt, ob für die Konflikte religiöse Kontroversen ausschlaggebend waren.

Nachdem erste Planungen zur Bildung einer Synagogengemeinde im Jahr 1839 gescheitert waren, wurden die Juden Salzhemmendorfs, Hemmendorfs, Lauensteins, Duingens, Wallensens, Eimes und Bantelns 1843 zur Synagogengemeinde Salzhemmendorf zusammengeschlossen. Da die dreistündige Wegstrecke nach Salzhemmendorf für die Bantelner und Eimer Juden, die sich bisher stets zur Synagogengemeinde Gronau zugehörig gefühlt hatten, zu beschwerlich war, bewilligte der Landrabbiner ihre Teilnahme am Gottesdienst in der nähergelegenen Gronauer Synagoge. Bereits 1855 verfügte der Landrabbiner den endgültigen Anschluss von Banteln und Eime an die Synagogengemeinde Gronau.

Der Betraum in Hemmendorf erwies sich nach der Synagogenvereinigung als zu klein. Die Gemeindemitglieder entschlossen sich deshalb 1844 zum Ankauf eines Hauses in Salzhemmendorf, heute Kampstraße Nr. 9, und bauten es zur Synagoge, Schule und Lehrerwohnung um. Der Umbau, der vier Jahre in Anspruch nahm, war finanziell sehr aufwendig und brachte der Gemeinde hohe Schulden. Als Inneneinrichtung wurde das Inventar der ehemaligen Lauensteiner und Salzhemmendorfer Beträume und der Hemmendorfer Schule genutzt. Bei den Hemmendorfer Juden war die Verlegung des Gottesdienstes umstritten. Sie behielten ihren ursprünglichen Betraum bis 1859 bei, waren aber bereit, regelmäßig drei Männer zur Aufrechterhaltung des Gottesdienstes nach Salzhemmendorf zu schicken.

In Eime beschäftigte Moses Steinberg in den Jahren 1819 und 1826 einen Privatlehrer. Seit den 40er Jahren besuchten die Kinder der Eimer Juden die Elementarschule in Gronau. Ebenfalls einen Privatlehrer hatten Alexander Spiegelberg aus Lauenstein (1843) und Moses Katz (1831/34) aus Hemmendorf eingestellt. Anfang der 40er Jahre unterhielten die Hemmendorfer Juden einen gemeinsamen Lehrer.

Seit 1844 wurden dann die Kinder der gesamten Synagogengemeinde in Salzhemmendorf unterrichtet. Die Salzhemmendorfer Schule besaß seit 1852 den Status einer Elementarschule und erhielt in den 50er Jahren staatliche Beihilfen. 1861-1869 reiste der Lehrer in den Wintermonaten von Ort zu Ort und erteilte den Unterricht abwechselnd in Salzhemmendorf, Hemmendorf und Lauenstein. Später fand der Schulunterricht wieder ausschließlich in Salzhemmendorf statt. Von den Lehrern der Salzhemmendorfer Synagogengemeinde gingen wichtige Impulse für das jüdische Schulwesen aus. Gustav Meyer war in der Synagogengemeinde 1844-1857 als Lehrer tätig. Er setzte sich ebenso wie der spätere Salzhemmendorfer Lehrer Moses Holländer (1861-1869) für die Bildung von Interessensvertretungen der jüdischen Lehrer im Königreich Hannover ein.

Jüdische Friedhöfe gab es in allen Orten der Synagogengemeinde. Der älteste Friedhof des Amtes ist möglicherweise der Lauensteiner Friedhof an der heutigen Straße Am Knickbrink, der aus dem Jahr 1787 stammt. Das letzte Begräbnis fand dort 1906 statt. In Hemmendorf hat es zwei Friedhöfe gegeben. Der ältere war bereits 1858 aufgehoben worden und wurde als Gartenland genutzt Obwohl im Verkoppelungsrezess festgelegt worden war, dass die Steine und ein Weg zum Gelände erhalten bleiben sollten, ist der Begräbnisplatz heute völlig verschwunden. Der zweite vor 1847 angelegte Friedhof befindet sich außerhalb des Ortes in Richtung Salzhemmendorf. Auf dem jüdischen Friedhof von Salzhemmendorf an der Limberger Straße fanden im Zeitraum 1810-1932 Bestattungen statt. Auch in Wallensen, Duingen, Eime und Banteln gab es Friedhöfe, die bis auf den Friedhof von Eime heute alle noch erhalten sind.

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Die Situation Ende des 19. Jahrhunderts

Noch 1898 war die Synagogengemeinde Salzhemmendorf mit 51 Personen die größte Synagogengemeinde des Kreises Hameln. Aber auch hier machte sich die Landflucht bemerkbar. Zu einem Verfall des traditionellen jüdischen Gemeindelebens war es bereits Mitte der 60er Jahre gekommen. Die noch 1860 im guten Zustand befindliche Mikwe wurde 1864 nicht mehr benutzt. Im Jahr 1868 wurde auch der die Chewra Kadischa aufgelöst. Die jüdische Volksschule hingegen wurde bis 1903 weitergeführt. Seit diesem Jahr nahmen die jüdischen Kinder am Unterricht der Ortsschule teil. Ein Wanderlehrer erteilte den Religionsunterricht, der 1907 von fünf, 1908 von acht und 1913 von sieben Kindern besucht wurde. Trotz der eingeschränkten Gemeindeeinrichtungen sprachen sich die Synagogenmitglieder 1912 einstimmig gegen einen Anschluss an die Hamelner Synagogengemeinde aus.

Vorsteher der Synagogengemeinde waren: David Calmsohn (seit 1844), Joseph Calmsohn (1852-55), David Blank (seit 1855), Ephraim Steinberg (1860-69), D. Blank (1869-78), Calmsohn (1890-95), A. Plaut (1901), Max Catzenstein (1902), A. Plaut (1907-13) und Carl Heilbronn (seit 1924). Als letzter Vorsteher der Synagogengemeinde übte Moritz Heilbronn (seit 1932) das Amt aus.

Bekannt für seine liberalen Positionen war während der 70er Jahre des 19. Jhs. der aus Salzhemmendorf stammende Hermann Calmsohn, der in Lüneburg als Lehrer und später als Synagogenvorsteher tätig war. Der 1898 in Duingen geborene Erich Binheim wurde nach seiner Rabbinerausbildung in Berlin als liberaler Rabbiner in Darmstadt tätig.

Die Mehrheit der Synagogenmitglieder war auch am Ende des 19. Jhs. nicht wohlhabend. Gutsituiert war z.B. die Familie Heilbronn, die in Salzhemmendorf seit 1887 ein Manufakturwarengeschäft und bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg ein Korngeschäft betrieb. Vermögend war auch der aus Wallensen stammende Kornhändler Siegfried Steinberg. Ein Nachkomme der Familie, Louis Steinberg, verzog zu Beginn des 20. Jhs. nach Hannover und führte von dort aus die in Duingen ansässige "Duinger Tonwarenfabrik", die 1910 30 Beschäftigte hatte. 

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Die NS-Zeit

Während der NS-Zeit bestand die Synagogengemeinde Salzhemmendorf nur noch aus wenigen jüdischen Familien.
 

Boykottmaßnahmen, Pogrome und Deportation

Die letzte jüdische Einwohnerin Wallensens, Ida Steinberg, verzog vor 1935. Die Putzmacherin Ida Blank verließ Lauenstein in den frühen 30er Jahren als letzte jüdische Einwohnerin. Am 16. 7. 1942 wurde sie von Hamburg aus nach Theresienstadt deportiert.

Der Duinger Kolonialwarenhändler Walter Bienheim und seine Ehefrau lebten bis 1936/37 in ihrem Wohn- und Geschäftshaus in der Eckertstraße 1. Walter Bienheim betrieb neben seinem Ladengeschäft ein Wandergewerbe. 1936 fanden in der Gegend antisemitische Kundgebungen statt. Im nahen Marienhagen, wo Bienheim mehreren Bürgern Geld zum Hausbau geliehen hatte, gab es Ortsschilder, die die Bevölkerung zum Boykott jüdischer Geschäftsleute aufforderten. Am 9. 6. 1936 lehnte der Hildesheimer Regierungspräsident die Verlängerung des Wandergewerbescheins für Walter Bienheim ab. Begründet wurde die Ablehnung mit seiner angeblichen Aufdringlichkeit gegenüber der Kundschaft und seiner politischen Unzuverlässigkeit. Bienheim klagte zwar erfolgreich gegen die Entscheidung des Regierungspräsidenten, konnte jedoch seine faktische Verdrängung aus dem wirtschaftlichen Leben nicht aufhalten. Bereits zuvor war Walter Bienheim schikaniert worden. Im Herbst 1935 war sein Auto mutwillig beschädigt worden, seine Mitgliedschaft in der Duinger Feuerwehr bestand seit 1933 nicht mehr.

Walter Bienheim ist die Auswanderung in die USA gelungen. Er lebte dann in New York mit seiner Frau. Das Ehepaar hat eine Tochter Ruth, die einen Herrn Boaz ehelichte.

Zum Schicksal der Mutter und der Geschwister von Walter Bienheim

Die Mutter Hulda Bienheim hat ihre letzte Zeit im jüdischen Altersheim in Hannover verbracht. Sie wurde von dort in den Osten deportiert und ist seitdem verschollen.

Die Tochter Hannah Bienheim heiratete nach Bremen, wurde ebenfalls deportiert und ist seitdem verschollen.

Karl-Ludwig Bienheim wanderte 1933 nach Palästina aus.

Erich Bienheim wanderte nach Australien aus, übersiedelte dann nach Großbritannien und hatte bis zu seinem Tode ein Rabbinat inne.

In Salzhemmendorf wurde das bedeutende Textilgeschäft von Moritz Heilbronn seit 1935 boykottiert. Nachdem Heilbronn 1937 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war (er soll sich aus Gram das Leben genommen haben), führte seine Witwe Gertrud das Geschäft bis zum Novemberpogrom weiter. In der Nacht des 9. 11. 1938 wurde es von der örtlichen SA und SS geplündert und das Inventar auf der Straße verbrannt. Gertrud Heilbronn verzog nach Goslar und emigrierte von hier aus 1940 nach England.

Der Schlachter Robert Davidsohn wohnte in der Kampstraße Nr. 11. Im Erdgeschoss seines Hauses befand sich der Betraum der Salzhemmendorfer Synagogengemeinde, der noch in den 30er Jahren genutzt worden war. Während des Novemberpogroms zerschlugen SA und SS die Fensterscheiben und die gesamte Inneneinrichtung. Eine Brandstiftung, wurde durch die Intervention des Bürgermeisters verhindert, der die angrenzenden Gebäude vor einem Übergreifen der Flammen schützen wollte. Robert Davidsohn und sein 16jähriger Sohn Erich wurden in das KZ Buchenwald verschleppt. Das Haus der Familie Davidsohn kaufte 1938/39 ein Bauer weit unter Wert für einen Preis von 6500 RM. Der neue Eigentümer nutzte den Synagogenraum zeitweise als Schweinestall. Robert Davidsohn konnte nach der Entlassung aus Buchenwald am 15. 6. 1939 mit seiner Ehefrau Elfriede nach Argentinien auswandern, ihr Sohn emigrierte nach England; die Pflegetochter Juliane Gutsmann überlebte den Holocaust ebenfalls.

In Hemmendorf wohnten im Haus Nr. 24 das Ehepaar Karl und Frieda Zeckendorf mit ihrer Tochter Hannelore sowie den unverheirateten Schwestern von Karl, Thekla und Margarete Zeckendorf. Sie führten in Hemmendorf ein Kolonialwarengeschäft. Während des Novemberpogroms wurde Karl Zeckendorf verhaftet und nach Buchenwald transportiert, wo er am 21. 11. 1938 verstarb. Das Haus der Familie Zeckendorf wurde noch vor dem Krieg billig verkauft. Die Schwestern Margarete und Thekla Zeckendorf wurden am 28. 3. 1942 aus Hemmendorf über die Sammelstelle Ahlem ins Ghetto Warschau deportiert und sind dort verschollen. Die Witwe Frieda Zeckendorf ging im April 1941 unter ungeklärten Umständen mit ihrer Tochter Hannelore nach Göttingen beide wurden von dort am 26. 3. 1942 ebenfalls nach Warschau deportiert und gelten als verschollen.

Eine der ältesten ortsansässigen Familien in Hemmendorf war die Familie Katz bzw. Katzenstein. 1933 lebten die Witwe Emilie Katzenstein und ihre Tochter Margarete in Hemmendorf. Ihr Haus erwarb der Bürgermeister zu einem günstigen Kaufpreis. Nachdem Margarete Katzenstein von ihrer bevorstehenden Deportation erfahren hatte, nahm sie sich am 18. 3. 1942 das Leben. Über den Verbleib ihrer Mutter gibt es keine genauen Angaben.

Die Witwe Karoline Plaut und ihre Tochter Klara führten bis zur Pogromnacht ein Textilgeschäft in der heutigen Alten Heerstraße Nr. 49 in Hemmendorf. Der Bürgermeister konnte auch ihr Haus nach dem Novemberpogrom weit unter Wert erwerben. Klara Plaut wurde am 28. 3. 1942 über Ahlem nach Warschau deportiert. Ihre Mutter war zuvor, im Januar 1942, im israelitischen Krankenhaus in Hannover verstorben.

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Die Zerstörung der Friedhöfe in der NS-Zeit

In der NS-Zeit wurden alle jüdischen Friedhöfe zerstört.

Der Hemmendorfer Friedhof soll in der Pogromnacht von den führenden Nationalsozialisten des Ortes, u.a. vom Sohn des damaligen Bürgermeisters, verwüstet worden sein.

Auch der Lauensteiner Friedhof wurde geschändet, die Grabsteine entfernt. Das Gelände erwarb der Flecken Lauenstein während des Zweiten Weltkrieges von der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland.

Der Salzhemmendorfer Friedhof wurde am 9. 11. 1938 ebenfalls zerstört; ein Teil der Grabsteine blieb – möglicherweise durch das Eingreifen des Ortsbürgermeisters – erhalten.

Der Friedhof in Duingen wurde wahrscheinlich erst im April 1939 zerstört. Noch heute weisen die Grabsteine die Spuren der Beilhiebe auf.

Auf dem Friedhof der Familie Steinberg in Wallensen steht nur noch ein Grabmal, das des Kornhändlers Siegfried Steinberg.

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Das Schicksal der Friedhöfe nach dem Kriege

Nach 1945 wurde der Hemmendorfer Friedhof (251 qm, In den Riedackern) neu eingefriedet und 1961 instand gesetzt. Der Landesverband der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, der das Gelände 1960 vom JTC übernommen hatte, ließ in den 60er Jahren auf dem völlig leeren Platz einen Gedenkstein errichten. Eine 1953 angestrebte Rückerstattung des Lauensteiner Friedhofs (220 qm) an den Landesverband wurde durch Gerichtsbeschluss zugunsten des Fleckens Lauenstein verhindert. Obwohl 1956 sechs noch vorhandene Grabsteine wieder aufgestellt wurden, ging das Friedhofsgelände erst 1984/85 an den Landesverband, der es käuflich erwerben musste. Nachdem eine Bebauung der angrenzenden Grundstücke den ursprünglichen Zugang zum Friedhof versperrte, ist das Gelände seit 1972 über eine Betontreppe von der Straße Am Knickbrink aus zugänglich. Der Salzhemmendorfer Friedhof am Limberger Weg (632 qm) wurde rekonstruiert und 17 Steine wieder aufgestellt. Nach einer erneuten Schändung im Jahr 1955 wurden die Grabsteine in Beton eingegossen. Instandsetzungen gab es 1962 und 1997. 

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Die Namen der Opfer

Duingen

Jeanette Binheim

wurde am 7. Mai (oder August) 1863 in Duingen geboren. Später wohnte sie in Lippstadt.
In den Jahren 1939-1942 war sie in Bielefeld gemeldet. Aus Bielefeld wurde sie am 28. 7. 1942 nach Theresienstadt deportiert. Am 23. 9. 1942 wurde sie von Theresienstadt nach Treblinka verschleppt und ist dort verschollen.

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Hemmendorf

Sofie Blank

wurde am 9. November 1876 in Hemmendorf geboren. Später wohnte sie in Köln.

Am 27. 7. 1942 wurde sie von Köln nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 23. 8. 1943. 
 

Margarete Catzenstein (auch Katzenstein)

wurde am 8. Oktober 1896 in Hemmendorf geboren. Am 18. 3. 1942 nahm sie sich angesichts der bevorstehenden Deportation das Leben.
 

Selma Grüneberg, geb. Zeckendorf

wurde am 18. Februar 1889 in Hemmendorf geboren. Sie lebte später in Köln.

Im Oktober 1941 wurde sie in das Ghetto Lodz deportiert und ist dort am 4. Mai 1942 verstorben.
 

Else Nonne, geb. Catzenstein

wurde am 14. Mai 1890 in Hemmendorf geboren. Sie nahm sich am 14. Mai 1944 das Leben.
 

Klara Plaut

wurde am 2. März 1890 geboren. Sie lebte in Hemmendorf. Am 28. März 1942 wurde sie in das Ghetto Warschau deportiert und ist dort verschollen.
 

Frieda Zeckendorf, geb. Grüneberg

wurde am 4. Oktober 1889 in Arnsberg geboren. Sie lebte zusammen mit ihrem Ehemann Karl und ihrer Tochter Hannelore in Hemmendorf.

Ihr Ehemann Karl kam am 21. November 1938 im KZ Buchenwald ums Leben. Von Hemmendorf zog die verwitwete Frau im April 1941 nach Göttingen. Kurze Zeit später folgte ihre Tochter nach.

Zusammen mit ihrer Tochter Hannelore wurde sie am 26. März 1942 wurde sie von Göttingen aus in das Ghetto Warschau deportiert und ist verschollen. 
 

Hannelore Zeckendorf

wurde am 7. März 1925 in Hemmendorf geboren. Sie war die Tochter von Karl und Frieda Zeckendorf. Zusammen mit ihrer Mutter wurde sie am 26. März 1942 von Göttingen aus in das Ghetto Warschau  deportiert und ist verschollen.
 

Karl Zeckendorf

wurde am 28. September 1884 geboren. Er lebte mit seiner Ehefrau Frieda und der Tochter Hannelore in Hemmendorf. Im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 wurde er in das KZ Buchenwald deportiert und kam dort am 21. November 1938 ums Leben.
 

Margarete Zeckendorf

wwurde am 9. November 1886 in Hemmendorf geboren. Sie wohnte in Hemmendorf. Am 28. März 1942 wurde sie über Hannover-Ahlem in das Ghetto Warschau deportiert und ist dort verschollen.
 

Thekla Zeckendorf

wurde am 6. Dezember 1890 in Hemmendorf geboren. Sie wohnte in Hemmendorf. Am 28. März 1942 wurde sie über Hannover-Ahlem in das Ghetto Warschau deportiert und ist dort verschollen.

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Lauenstein

Ida Blank

wurde am 27. November 1863 in Lauenstein geboren. Sie war Putzmacherin und lebte in Delmenhorst.

Ihre letzte Adresse war Hamburg, Benekestraße 6. Am 16. Juli 1942 wurde sie aus Hamburg nach Theresienstadt deportiert und von dort am 21. September 1942 nach Treblinka verschleppt. Dort ist sie verschollen. 
 

Johanna Graubarth, geb. Sandmann

wurde am 17. Juli 1879 in Lauenstein geboren.
Mit Ihrem Ehemann Kurt Graubarth, geb. 11. Mai 1973 in Berlin, wohnte sie in Berlin, Kurfürstenstraße 115. Am 26. Juni 1942 wurden die Eheleute von Berlin nach dem Osten deportiert und sind dort verschollen.

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Salzhemmendorf

Berta (oder Herta) Davidsohn

wurde am 2. September 1865 in Salzhemmendorf geboren. Sie lebte zuletzt in Königsberg. Von dort wurde sie am 27. August 1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 8. September 1942.
 

Erich Rosenstern

wurde am 23. Dezember 1899 in Salzhemmendorf geboren. Er war von Beruf "Arbeiter". Am 9. November 1938 zog er von Gronau nach Hannover. Dort lebte er schließlich im Judenhaus Herschelstraße (dort lebten "Mischehen"). Am 15. Dezember 1941 wurde er nach Riga verschleppt.
Erich Rosenstern soll am 22. Dezember 1944 in Groß-Rosen (bzw. Stutthof bzw. in Libau) ums Leben gekommen sein.

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Politische und religiöse Zugehörigkeit der Gemeinde

Fürstentum Calenberg bis 1692, Kurfürstentum Hannover 1692-1810, Königreich Westfalen 1810-1813, Königreich Hannover 1815-1866, preußische Provinz Hannover 1866-1945; Landdrostei Hannover 1823-1885, Regierungsbezirk Hannover 1885-1945; Amt Lauenstein bis 1885, ab 1885: westlicher Teil mit Salzhemmendorf, Lauenstein, Wallensen und Hemmendorf zum Kreis Hameln, östlicher Teil mit Banteln und Eime zum Kreis Gronau (Regierungsbezirk Hildesheim), Kreis Gronau 1932 zum Kreis Alfeld, südlicher Teil mit Duingen zum Kreis Alfeld (Regierungsbezirk Hildesheim); heute: Regierungsbezirk Hannover, Landkreise Hameln-Pyrmont und Hildesheim.

Synagogengemeinde im Landrabbinat Hannover.

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Gesamteinwohnerzahl / darunter Juden

Lauenstein: 1811: ? / 2 Familien, 1832: ? / 2 Familien, 1848: 999 / ?; 1861: ? / 12, 1864: ? / 20, 1867: 1.086 / ?; 1871: ? / 7, 1885: ? / 12, 1895: 1.100 / 3; 1905: 1.061 / 1; 1913: ? / 1, 1925: 966 / ?, 1933: ? / ?, 1939: 1.247
Duingen: 1832: ? / 1 Familie, 1848: 803 / ?, 1861: ? / 10, 1864: ? / 14, 1867: 1.137 / ?, 1871: ? / 14, 1885: ? / 13, 1895: 1.104 / 12, 1905: 1.183 / 12, 1910: ? / 8, 1913: ? / 15, 1925: ? / 3, 1928: ? / 4, 1933: ? / 5, 1939: 1.624 / ?
Hemmendorf: 1811: ? / 5 Familien, 1832: ? / 4 Familien, 1848: 859 / ?, 1861: ? / 32, 1864: ? / 31, 1867: 835 / ?, 1871: ? / 19, 1885: ? / 12, 1895: 773 / 18, 1905: 802 / 10, 1913: / 17, 1925: 729 / 13, 1928: ? / 11, 1933: ? / 10, 1935: ? / 3 Familien, 1937: ? / 3 Familien, 1939: 750 / ?
Salzhemmendorf: 1811: ? / 2 Familien, 1832: ? / 2 Familien, 1848: 1.113 / ?, 1861: ? / 27, 1864: ? / 21, 1867: 1.156 / ?, 1871: ? / 17, 1885: ? / 20, 1895: 1.374 / 19, 1905: 1.377 / 6, 1907: ? / 11, 1909: ? / 14, 1913: ? / 9, 1925: 1.223 / 6-8, 1928: ? / 6, 1933: ? / 7, 1935: ? / 2 Familien, 1937: ? / 2 Familien, 1939: 1.349 / ?
Wallensen: 1811: ? / 1 Familie, 1832: ? / 1 Familie, 1848: 812 / ?, 1861: ? / 16, 1864: / 14, 1867: 823 / ?, 1871: ? / 11, 1885: ? / 19, 1895: 731 / 13, 1905: 834 / 14, 1913: ? / ), 1925: 954 / 2, 1928: ? / 3, 1933: ? / 3, 1939: 892 / ?
Eime: 1811: ? / 1 Familie, 1832: ? / 2 Familien

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Quellen und Literatur

Baum, Ulrich: Jüdische Mitbürger, Heimat- und Verkehrsverein Lauenstein e.V. (Hrsg.), 1987 (Manuskript)

Ders.: Mitbürger, aber mit weniger Rechten. Deister- und Weserzeitung, 3. März 1984

Ders.: 1247-1997. 750 Jahre Lauenstein, Lauenstein 1997

Heise, Albert: Flecken Hemmendorf. Hemmendorf im Spiegel der Geschichte. Chronik 1 (bis 1802), 2. Aufl., Hemmendorf 1995 (Manuskript)

Ders.: Chronik 2 (1803-1918), Hemmendorf 1996 (Manuskript)

Ders.: Verkoppelungsrezess der Gemeinde Hemmendorf, 1858 (Manuskript), Hemmendorf o. J.

Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover
Kreisarchiv Hameln-Pyrmont
Archiv des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Niedersachsens
Familienarchiv der Familie Zeckendorf (USA; englisch, Manuskript)

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© Bernhard Gelderblom Hameln