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Die jüdische Gemeinde OttensteinAus der Geschichte des Ortes Aus der Geschichte des Ortes Ottenstein entstand unter einer von den Grafen von Everstein angelegten Burg, die erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt wurde. Die Siedlung erhielt Fleckenprivilegien und wurde Sitz eines Amtes. Ab 1692 war der Flecken mit sechs Jahrmärkten ausgestattet. Die wirtschaftliche Entwicklung des abseits wichtiger Verkehrswege auf einer Hochebene gelegenen Ortes blieb gehemmt, Industrie siedelte sich dort nicht an. Die Bevölkerungszahl sank ab Mitte des 19. Jahrhunderts allmählich. Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde im 18. und 19. Jahrhundert 1755 lebten die Familien von Anschel Lazarus und Nathan Abraham in Ottenstein. Lazarus fand auch noch 1798 Erwähnung, als er beauftragt wurde, die Schächtpraktiken in der Region zu überprüfen. Er meldete einen Verstoß in Hehlen durch Levi Joseph. Die Synagogengemeinde entstand Anfang des 19. Jahrhunderts. Um 1817 ließ sich die Familie Kornberg in Ottenstein nieder. Sie handelte mit Vieh und Pferden und schlachtete. Um 1820 folgte die Familie Hodenberg und gründete einen Manufakturwarenhandel. 1835 kaufte die Familie Levi J. Rothschild aus Stadtoldendorf ein Haus in Ottenstein und gründete eine Manufakturwarenhandlung. Arens Hodenberg führte das elterliche Manufakturwarengeschäft mit vielen Angestellten weiter und eröffnete zusätzlich eine Buchdruckerei. Zu den drei Familien Kornberg, Hodenberg und Rothschild, die den Kern der jüdischen Gemeinde Ottenstein bildeten, kamen durch Einheirat weitere Haushalte hinzu. 1831 wohnten in Ottenstein und Hehlen zusammen zwanzig jüdische Familien (109 Personen, 1843: 121 Personen). Abgesehen vom Handel lebte 1831 eine Familie von der Landwirtschaft, eine betrieb eine Färberei und zwei hatten Schlachtereien. Ein Sohn war Medizinstudent.
Über die Gemeindeeinrichtungen ist aus der ersten Hälfte des 19. Jhs. wenig bekannt. 1831 teilte man sich mit Hehlen einen Religionslehrer; sonst besuchten die Kinder wohl die christliche Schule. In den 1860er Jahren beschäftigte der wohlhabende Manufakturwarenhändler Sigmund Rothschild Hauslehrer und Erzieherinnen für seine Kinder, die er in den modernen Fremdsprachen und in Musik unterrichten ließ. Ab 1875, als die Gemeinde 47 Personen in acht Haushalten umfasste, ist ein Kantor und Lehrer belegt. Ein besonderes Schullokal war nicht vorhanden. Die ältesten Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof datieren auf die Zeit um 1863. Das Gelände gehörte der wohlhabenden Familie Rothschild. Ein gepachteter Betsaal im Hause Nr. 23 am Marktplatz ist erst 1880 nachweisbar. Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde im 20. Jahrhundert Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Gemeinde stark geschrumpft (1915: 15 Personen) und bestand überwiegend aus ledigen bzw. verwitweten Frauen. Die Firma Hodenberg siedelte nach Pyrmont um, zurück blieben bis 1925 das Manufakturwarengeschäft Rothschild, die Viehhandlungen Louis und Julius Kornberg sowie die Kolonialwarenhandlung der Töchter von Israel Kornberg. In den 1920er Jahren wurde an Festtagen der Gottesdienst im fernen Hameln besucht.
1933 gab es noch fünf jüdische Haushalte in Ottenstein. Vier von ihnen verfügten über ein eigenes Haus. Viele Juden waren alt und allein stehend, nur das Ehepaar Otto und Louise Kornberg hatte ein Kind. Es bestanden noch die Viehgeschäfte von Ludwig Nußbaum und Otto Kornberg sowie der Kolonialwarenhandel von Ella Meyer und Mathilde Kornberg. Der Novemberpogrom 1938 in Ottenstein Während des Novemberpogroms wurde das Haus von Otto Kornberg mit Steinen beworfen, er und Ludwig Nußbaum wurden in das KZ Buchenwald transportiert. Nach seiner Entlassung und einem gescheiterten Emigrationsversuch nahm sich Nußbaum im Juni 1939 das Leben. Zwei weiteren Ottensteiner Juden, Otto Kornberg und Karola Meyer, gelang die Auswanderung nach Kriegsausbruch nicht mehr, obwohl sie ein Visum hatten. Alle Ottensteiner Juden mussten in der abgelegenen Ortschaft bleiben. Ihr Vermögen, Haus- und Grundbesitz wurden beschlagnahmt und verkauft. Die Schülerin Hanna Kornberg wurde durch Lehrer und Mitschüler drangsaliert und deshalb 1939 nach Hannover-Ahlem zur Schule geschickt. Otto Kornberg hatte im August 1941 das Gemeindevermögen in die Reichsvereinigung der Juden zu überführen. Die Deportation aus Ottenstein Über die Sammelstelle in der ehemaligen Israelitischen Gartenbauschule Ahlem bei Hannover wurden im März 1942 sechs Juden aus Ottenstein in das Ghetto nach Warschau deportiert; sie alle gelten als verschollen: das Ehepaar Otto und Louise Kornberg mit seiner elfjährigen Tochter Hanna, Else Nußbaum, die Witwe von Ludwig Nußbaum, Karola Meyer, die bis 1939 als Hortnerin in der Gartenbauschule Ahlem gearbeitet hatte, sowie Hannchen Heß, die 1940 als Haushälterin von Helene Rothschild nach Ottenstein gekommen war.
Im Juli 1942 wurden die sechs noch in Ottenstein verbliebenen Juden über Hildesheim und Hannover-Ahlem nach Theresienstadt deportiert. Fast alle waren weit über 70 Jahre alt: Rosa Kornberg und ihr Bruder William Fels, Ella Meyer, Emilie Kornberg, Helene Rothschild und Theodor Wallhausen, der erst Ende März 1942 nach der Deportation seiner Kinder und Enkelkinder von Stadtoldendorf nach Ottenstein gezogen war. Sechs weitere in Ottenstein gebürtige Juden und Jüdinnen
wurden aus anderen Orten des Reiches deportiert. Der jüdische Friedhof von Ottenstein nach dem Kriege Der jüdische Friedhof 'In der Plantage', zu dessen Gesamtfläche von 970 qm noch eine große unbelegte Reservefläche gehört, überdauerte erheblich beschädigt den Krieg. 1999 übernahm der Flecken Ottenstein die Pflege. 24 Grabsteine sind noch erkennbar; die letzte Bestattung (Mathilde Kornberg im Dezember 1940) blieb offenbar ohne Stein. Ab 1953 gehörte er dem JTC, seit 1959 befindet er sich im Besitz des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen. Bis ins Jahr 2000 lag der Friedhof weitgehend vernachlässigt, unbeachtet und erheblich beschädigt da. Inzwischen hat der Landesverband mit erheblicher finanzieller und sächlicher Unterstützung des Fleckens Ottenstein den Friedhof und seine Grabsteine vorbildlich restauriert. Dabei wurde auch die Reservefläche, die bisher nicht Teil des Friedhofes war und nach dem Krieg als Gartengelände verpachtet war, dem Friedhofsgelände zugeschlagen. Die Namen der Opfer Olga Eichenberg wurde am 2. Mai 1869 in Ottenstein
geboren. William Fels wurde am 16. Oktober 1865 in Wenzen
geboren. Als Witwer zog William Fels zu seiner Schwester Rosa Kornberg
nach Ottenstein. Hannchen Hess wurde am 27. Januar 1900 in Bunde,
Ostfriesland, geboren. Seit dem 23. Mai 1940 wohnte sie in Ottenstein
im Haus Breite Straße 8 als Haushälterin bei Helene Rothschild. Emilie Kornberg wurde am 24. März 1856 in Ottenstein
geboren. Die unverheiratete Frau lebte zusammen mit ihrer Schwester
Elise. Nach dem Tod ihrer Schwester war sie auf eine Pflegekraft angewiesen.
Hanna Kornberg wurde 12. Mai 1930 als Tochter
von Otto und Louise Kornberg in Ottenstein geboren. In den Jahren 1939
bis 1941 besuchte sie die jüdische Schule in Hannover-Ahlem. Hermann Kornberg wurde am 6. Februar 1885 in
Ottenstein geboren. Er war verheiratet mit Emilie Kornberg, geb. Rosenstern
(geb. 29. September 1898 in Salzhemmendorf). Von Ottenstein zogen die
Eheleute nach Braunschweig. Dort kam die Tochter Ilse (geb. 15. Juni
1923) zur Welt. Seit dem 16. September 1937 wohnte die Familie in Hannover,
seit 1941 im "Judenhaus" Lützowstraße 3. Louise (Lucie) Kornberg wurde als Louise Löwenstein
am 13. November 1898 in Frohnhausen geboren. Sie war die Ehefrau von
Otto Kornberg. Max Kornberg wurde am 14. April 1889 in Ottenstein
geboren. Mit seiner Frau Selma wohnte er in Bad Salzuflen. Otto Kornberg wurde am 26. März 1894 als Sohn
von Julius und Rosa Kornberg in Ottenstein geboren. Er war verheiratet
mit Louise Kornberg. Nach dem 9. November 1938 wurde er in das Konzentrationslager
Buchenwald verschleppt. Rosa Kornberg wurde als Rosa Fels am 28. April
1864 in Wenzen geboren. Sie war mit Julius Kornberg verheiratet, der
1937 starb. Rosa Kornberg war die Mutter von Otto Kornberg. Sie lebte
mit ihrem verwitweten Bruder William Fels zusammen. Zur Zeit der Deportation
war sie nahezu erblindet. Carola Meyer wurde am 24. April 1908 als Tochter
von Ella und Albert Meyer in Ottenstein geboren. Die ehelose Frau war
gelernte Kindergärtnerin. Ella Meyer wurde am 26. Oktober 1864 als Ella
Kornberg in Ottenstein geboren. Aus ihrer Ehe mit dem früh verstorbenen
Albert Meyer (gest. 1909) war die Tochter Carola hervor gegangen. Ella
Meyer hatte mit ihrer Schwester Mathilde Kornberg zusammen gelebt, die
1940 verstarb. Else Bertha Nussbaum wurde als Else Bertha
Kornberg am 7. Dezember 1886 in Ottenstein geboren. Sie lebte in kinderloser
Ehe mit Ludwig Nußbaum. Ihr Ehemann hatte sich nach seiner Rückkehr
aus dem Konzentrationslager Buchenwald das Leben genommen. Ludwig Nußbaum wurde am 29. Juli 1888 in Zeitlofs,
Bayern, geboren. Seine Ehefrau war Else Nußbaum. Helene Rothschild wurde am 6. Mai 1862 als
Tochter von Siegmund Rothschild in Ottenstein geboren. Die unverheiratete
Frau war lange Zeit Inhaberin eines gro0ßen Geschäftes gewesen. In den
Jahren vor der Deportation war sie auf eine Pflegekraft angewiesen.
Theodor Wallhausen wurde am 7. Februar 1872
in Lüthorst, Kreis Einbeck, geboren und lebte später in Stadtoldendorf.
Politische und religiöse Zugehörigkeit der Gemeinde Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel bis 1807, Königreich Westfalen 1807-1813, Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel 1807-1918, Freistaat Braunschweig 1918-1941, preußische Provinz Hannover 1941-1945; Regierungsbezirk Hannover ab 1941; Amt Polle bis 1850, Kreis Holzminden seit 1850; heute: Regierungsbezirk Hannover, Landkreis Holzminden. Synagogengemeinde im Landrabbinat Braunschweig. Gesamteinwohnerzahl / darunter Juden Ottenstein 1871: 1.315 / 47 (1873),
1905: 1.181 / 17 (1907), 1925: 976 / 12, 1933: 964 / 14, 1939: 1.013
/ 12 Quellen und Literatur Freist, Werner: Chronik von Ottenstein, Ottenstein (1987) Geitel, G. A.: Gesuch der Bekenner des jüdischen Glaubens im Herzogthum Braunschweig an Se. Hochfürstliche Durchlaucht des regierenden Herrn Herzog Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg um gnädigste Verleihung voller bürgerlicher Rechte, Braunschweig 1831 Gelderblom, Bernhard: Jüdisches Leben im mittleren Weserraum zwischen Hehlen und Polle. Von den Anfängen im 14. Jahrhundert bis zu seiner Vernichtung in der nationalsozialistischen Zeit. Ein Gedenkbuch, Holzminden 2003 Rose, Karl: Chronik von Ottenstein und Glesse, Ottenstein 1927 Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover |
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