Die jüdische Gemeinde Grohnde-Ohsen
Angeschlossene Orte: Börry, Emmern, Esperde,
Grohnde, Hämelschenburg, Hagenohsen, Hajen, Hastenbeck, Kirchohsen und
Tündern
Aus der Geschichte der Orte
Aus der Geschichte der
jüdischen Gemeinden im alten Amte Grohnde
(von
den Anfängen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts)
Religiöse und schulische Verhältnisse
im alten Amt Grohnde
Aus der Geschichte der jüdischen
Gemeinden im alten Amte Ohsen
(von
den Anfängen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts)
Schul- und Synagogensachen für das
alte Amt Ohsen
Die Synagogengemeinde Grohnde-Ohsen
(von
der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des 1. Weltkriegs)
Die NS-Zeit
Nach 1945
Die Namen der Opfer
Politische und religiöse Zugehörigkeit
der Gemeinde
Gesamteinwohnerzahl / darunter Juden
Quellen und Literatur
Aus der Geschichte der Orte
Ohsen war eine der frühesten Ansatzstellen zur Christianisierung
in der Zeit Karls des Großen und unter den Ottonen Sitz eines Königshofes.
Hier überquerte eine alte West-Ost-Straße die Weser. Die Eversteiner
errichteten die noch heute vorhandene Burg. Die Ämter Grohnde und Ohsen
erstreckten sich auf beiden Seiten der Weser, die an dieser Stelle ein
weites und fruchtbares Tal durchfließt. Bei den Ortschaften beider Ämter
handelte es sich um alte, wohlhabende Bauerndörfer. Nur Grohnde und
Ohsen hatten als Amts- bzw. Domänensitz eine Sonderstellung. Dort wohnten
auch Amtsbedienstete und Handwerker. Hämelschenburg, zuerst eversteinsche,
später welfische Landesburg, wurde seit 1588 zum repräsentativen Herrensitz
ausgebaut. Das Schloß und das benachbarte ursprünglich selbstständige
Dorf bildeten nun einen geschlossenen adeligen Gerichtsbezirk. Seit
1852 ist Hämelschenburg Teil des Amtes Hameln. Die Orte lagen abseits
großer Verkehrswege. Der ländliche Charakter ist bis heute prägend geblieben.

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im alten
Amte Grohnde (von den Anfängen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts)
Juden sind im Amt Grohnde seit dem letzten Drittel
des 17. Jhs. nachweisbar. In Grohnde lebte Ende des 17. Jhs. ein Schutzjude;
1722 gab es zwei jüdische Familien mit acht Personen. Börry verzeichnet
für 1689 drei jüdische Familien.
Grohnde erlebte den Höhepunkt jüdischen Lebens in
der ersten Hälfte des 19. Jhs. Damals lebten drei, zeitweise vier jüdische
Familien am Ort. Familie Wollberg, die um 1843 von Börry nach Grohnde
gekommen war und ein bedeutendes Geschäft für Getreide und Landhandel
führte, war wohlhabend. Das Geschäft ging Ende des 19. Jhs. auf die
Familie Rothenstein über. Die übrigen Familien waren kleine Händler
und Schlachter. Mit Rudolf Meyersberg lebte um die Mitte des 19. Jhs.
zeitweise ein Tierarzt am Amtssitz Grohnde. Seit dem Zusammenbruch der
Firma Rothenstein im Jahre 1906 und dem Weggang der Familie im Jahre
1913 war das jüdische Leben in Grohnde weitgehend erloschen.
In Hajen ist für zwei Generationen die jüdische Familie
Hirsch bzw. Hirschberg bezeugt. Als Händler und Schlächter hat sie kümmerlich
gelebt. 1862 starb das jüdische Leben in Hajen aus.
In Esperde lebte zwischen 1801 und 1873 jeweils eine
jüdische Familie: Zunächst der Kaufmann Israel Nathan Schloß, der 1815
nach Börry ging, anschließend der Kaufmann Jonas Eliasberg, schließlich
Moritz Sostmann. Ende des 19. Jhs. gab es kein jüdisches Leben in Esperde
mehr.
In Börry waren durch das gesamte 19. Jh. durchschnittlich
drei bis vier jüdische Familien ansässig. Bis 1850 besaßen jeweils zwei
jüdische Kaufmannsfamilien Häuser im Zentrum des Ortes. Israel Nathan
Schloß, Kaufmann aus Steinhude, lebte seit 1815 in Börry. Neben den
Konzessionen zum Hockenhandel und zum Handel mit Garn und Ellenwaren
erwarb er 1823 auch die Konzession zum Handel mit Materialwaren.
Seinen Söhnen Abraham und Bendix gelang um 1840 der
Hauserwerb. Abraham Schloß, Händler und Gemeindevorsteher, verließ Börry
1850 und eröffnete in Hameln ein Manufakturwarengeschäft. Vertreter
der dritten Generation war Julius Schloß, der Sohn von Bendix Schloß,
der 1870/71 als Soldat im Infanterieregiment Nr. 79 am Feldzug nach
Frankreich teilnahm. Julius übernahm das väterliche Haus und betrieb
dort einen Textilienhandel sowie ein Getreide- und Bankgeschäft. Die
Familie war sehr wohlhabend. Nach dem Tode von Julius Schloß verkaufte
die Witwe Bertha Schloß das Haus und ging nach Hannover. Mit dem Weggang
der Familie Schloß im Jahre 1911 erlitt das jüdische Leben in Börry
einen deutlichen Einbruch.

Religiöse und schulische Verhältnisse im alten
Amt Grohnde
Grohnde und Börry (mit Hajen und Esperde) bildeten
ursprünglich jeweils selbstständige Gemeinden mit einem eigenen Vorsteher
und einem Synagogenlokal. In Grohnde befand sich der "Tempel" seit 1827
im Privathaus von Abraham Wollberg.
In Börry kam es 1828 und 1834 hinsichtlich des Vorrangs
beim Gottesdienst zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden
wohlhabenden Familien Wollberg, die damals den Vorsteher stellte, und
Schloß, in deren Wohnhaus seit 1815 der Gottesdienst stattfand.
Die den Juden in Börry und Grohnde offenbar amtlicherseits
in Schulfragen auferlegte Zusammenarbeit kam nicht zustande, da die
wohlhabenden Juden Börrys die Zahlung eines Schulgeldes für die weitab
in Grohnde gelegene Schule ablehnten. Um ihren Kindern den weiten Weg
zu ersparen, beschäftigte die Familie Schloß über Generationen einen
eigenen Lehrer.
In jedem Dorf des alten Amtes Grohnde, in dem Juden
lebten, gab es auch einen jüdischen Friedhof. In Börry wird der Friedhof
erstmals 1818 anlässlich einer Gerichtssache erwähnt. 1858 war das Grundstück
im Besitz von Abraham Schloß, in dessen Haus sich auch die Synagoge
befunden hat.
Über die Friedhöfe in Grohnde, Hajen und Esperde existiert
keine nähere Überlieferung. In Esperde soll die evangelische Kirche
das Friedhofsgrundstück den jüdischen Einwohnern ohne Eigentumswechsel
zur Verfügung gestellt haben.

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im alten
Amte Ohsen (von den Anfängen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts)
Die ersten Juden im Amt Ohsen sind für das Ende des
17. Jhs. bezeugt (Hämelschenburg). Im Dorf Ohsen ist vermutlich Itzig
Levi der erste vergleitete Jude gewesen. Als er 1733 den strengen, fast
schikanösen Umgang des Amtes Ohsen mit den Juden im seinem Zuständigkeitsbereich
zu spüren bekam und ihm und seiner Familie 1733 die Ausweisung drohte,
war er bereits seit etwa 26 Jahren in Ohsen ansässig. "In Rücksicht
auf sein Alter" durfte er sich schließlich ein weiteres Jahr in Ohsen
aufhalten, um sich um eine Wohnung außer Landes zu bemühen. Itzig Levi
starb 1738, ohne dass es jedoch zu einer Ausweisung gekommen war. Seine
Nachfahren – die weit verzweigte Familie Bernstein – blieben noch über
vier Generationen in Ohsen. Als Schlachter und Händler tätig, brachten
sie es nur selten zu Wohlstand. Der letzte Vertreter der Familie ging
1874 nach Hannover.
Trotz der vom Amt besonders im 18. Jh. rigide durchgeführten
Anordnung, die Zahl der Schutzjuden "auf dem platten Lande" nicht zu
vermehren und den Schutzbrief nach dem Tode des Vaters nur auf einen
der vorhandenen Söhne zu übertragen, stieg die Zahl der vergleiteten
Juden allmählich an. Eine Inkonsequenz des Amtes zeigte sich auch darin,
dass trotz regelmäßiger Ausweisungen über Jahre hin unvergleitete Juden
im Amte Ohsen lebten.
1733 ist in Ohsen neben der Familie von Itzig Levi
eine weitere Familie bezeugt. Im Jahre 1762 hatte sich die Zahl der
Schutzbriefinhaber auf drei erhöht. 1786 gab es fünf Familien mit insgesamt
27 Personen. 1796 lebten sechs Schutzjudenfamilien mit insgesamt 31
Personen im Ort, zwei davon in eigenen Häusern. Alle befassten sich
mit Kleinhandel und Schlachten. Um 1830 hatte sich das berufliche Spektrum
kaum erweitert: Die Juden stellten Schlachter und Handelsleute; dazu
einen Schneider und einen Buchbinder.
Neben der Familie Bernstein blieb nur die Familie
Behrendt über einen längeren Zeitraum im Amt Ohsen ansässig. Als ihr
erster Vertreter kam Berend Jacob 1780 aus dem hessischen Rodenberg
nach Ohsen. Sein Schutzbrief gestattete ihm Handel, Schlachten und die
Betätigung als Lotterie-Collecteur. Bereits fünf Jahre später (1786)
war Berend Jacob im Besitz einer Beibauernstelle in Kirchohsen. Seit
1814 galt seine Konzession auch für den Detailhandel mit Ellen- und
Kurzwaren. 1793 holte er seinen Bruder David Jacob aus Rodenberg nach,
dem ebenfalls der Erwerb eines Hauses gestattet wurde. In der zweiten
Generation betrieben die beiden Brüder Nehemia und Matthias Behrend
zusammen die väterliche Landhandelsfirma "Behrend Jacob" in Kirchohsen.
Sie gelangten zu einem gewissen Wohlstand, der ihnen u.a. die Anstellung
eines Hauslehrers gestattete. In der dritten Generation ging ein Zweig
der Familie nach Hameln, während die von Abraham Schragenheim übernommene
Firma Behrend Jacob 1852 in Konkurs ging.
Die kleine jüdische Gemeinde in Tündern bestand aus
zwei Familien. Bonim Moses wohnte dort von 1814 bis 1870. Die kinderreiche
Familie Jonas kam erst 1860 in das Dorf. Beide lebten vom Schlachten
sowie vom Vieh- bzw. Kleinhandel.
In Hämelschenburg ist bereits für 1689 der als arm
bezeichnete Häusling Johann Lazarus mit seiner Ehefrau Sara David bezeugt.
Die im 18. und 19. Jh. nachgewiesene Familie Bernstein besaß eine Konzession
zum Schlachten und Verkauf des Fleisches und stand in verwandtschaftlicher
Beziehung zur Familie Bernstein im nahen Ohsen.

Schul- und Synagogensachen für das alte Amt Ohsen
Zum jüdischen Schul- und Synagogenwesen im alten Amt
Ohsen liegen kaum Informationen vor. Bereits um 1750 soll es für die
Juden aus Ohsen und Emmern ein – offenbar angemietetes – Synagogenlokal
gegeben haben. Zumindest 1832 beschäftigten sie einen Lehrer.
Der gemeinsam genutzte Friedhof lag auf einem etwa
50 Meter langen, sehr schmalen Gelände längs der alten Bruchsteinmauer
des Guts zur Weser hin auf einer Anschüttung, die vor Überschwemmungen
schützen sollte. Da das Grundstück zur Weser hin nicht eingezäunt war,
kam es zu Streitigkeiten mit der Gemeinde Kirchohsen. 1824 wurde ein
Vergleich geschlossen. Während die Juden auf immer auf eine Befriedung
verzichteten, verpflichtete sich die Gemeinde Kirchohsen, niemals mehr
Vieh über den Friedhof zu treiben – außer Gänse und Schafe – und nur
im Notfall Flachs auf den Friedhof zu legen. Da das Gelände weiterhin
missbräuchlich genutzt wurde, befürwortete die Landdrostei 1861 die
Einzäunung und stellte das Viehhüten unter Strafe. Offenbar erst in
dieser Zeit wurde der Friedhof Eigentum der jüdischen Gemeinde. Eine
Einzäunung hat es aber auch später nicht gegeben.
Über Ursprung, Entstehungszeit und frühere Eigentumsverhältnisse
des kleinen Friedhofes von Tündern ist nichts bekannt.
Die beiden aus dem Jahre 1748 stammenden Grabsteine
in Hämelschenburg weisen auf ein hohes Alter des Friedhofes hin. Um
1830 ist Kusel Bernstein als Besitzer des Friedhofes eingetragen.

Die Synagogengemeinde Grohnde-Ohsen (von der Mitte
des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des 1. Weltkriegs)
Im Zuge des Gesetzes über die Rechtsverhältnisse mit
Juden von 1842 wurden die Juden der Ortschaften Ohsen, Börry, Esperde,
Emmern, Grohnde, Hastenbeck (dort lebten damals schon längere Zeit keine
Juden mehr), Hämelschenburg, Hajen und Tündern von der hannoverschen
Landdrostei angewiesen, eine Synagogengemeinde zu bilden. Um 1850 erreichte
sie mit ca. 100 Personen und 16 Familien ihre Höchstzahl. Ihre Mitglieder
waren überwiegend arm und machten sich als Kleinhändler und Schlachter
gegenseitig Konkurrenz.
Um den Standort der Synagoge gab es zu Beginn der
Gemeindegründung große Differenzen. Die kleinen Dörfer lagen weit verstreut
und waren dazu noch durch die Weser getrennt. Ohsen, Grohnde und Börry
verfügten schon länger über Synagogenräume. Ohsen leitete aus dem Anspruch,
über die älteste Synagoge zu verfügen, Vorrechte ab. Da sich die Juden
nicht einigen konnten, entschied die Landdrostei, dass die Hauptsynagoge
in Ohsen ihren Sitz haben sollte, gestattete aber den Juden von Börry
und Grohndeweiterhin den Besuch "ihrer" Synagogen. Das war diplomatisch,
aber im Sinne des Gottesdienstbesuches, der zehn Männer erfordert, wenig
hilfreich. Wenige Jahre später, 1852, wurde der Synagogensitz von der
Landdrostei nach Grohnde verlegt und der Besuch der dortigen Synagoge
für alle verpflichtend gemacht.
Als es 1860 in Grohnde nur noch vier Männer für den
Gottesdienst gab und der Gottesdienst nur noch einmal im Vierteljahr
stattfinden konnte, versuchten die Vorsteher, die Mitglieder mit Zwangsgeldern
zum Gottesdienst zu bringen. Doch die Gemeindemitglieder in den weiter
von Grohnde entfernt liegenden Orten besuchten lieber die leichter erreichbaren
Synagogen der Nachbargemeinden. Die Juden aus Tündern gingen nach Hameln;
die aus Hajen und Esperde ins "Ausland" nach Hehlen, Familie Bernstein
aus Hämelschenburg nach Aerzen.
Pläne für einen zentralen Synagogen- und Schulneubau
in Grohnde wurden nicht realisiert. Zwar waren bis 1860 100 Taler gesammelt
worden, doch reichten diese Mittel nicht aus. Zudem – so das Amt im
Jahre 1863 – fehlten Gemeinsinn, Beitragswilligkeit und Verträglichkeit
in der Gemeinde. Zuletzt war es Josef Weitzenkorn in Ohsen, der 1910
einen Raum zur Abhaltung des Gottesdienstes kostenlos zur Verfügung
stellte.
1861 beklagte der Landrabbiner den teilweise unwürdigen
Zustand der jüdischen Friedhöfe. Auch fehle eine Mikwe. Die Gemeinde
hatte einen Schächter angestellt, konnte aber nicht verhindern, dass
an einigen Orten die Lehrer illegal schächteten.
Die Leitung der Gemeinde lag meist in den Händen der
wohlhabenden Familien. Der Vorsteher wohnte nicht grundsätzlich am Ort
der Hauptsynagoge. In jedem Falle war seine Autorität gegenüber den
jüdischen Familien in den anderen Dörfern begrenzt.
Der Bestand des Synagogenverbandes war früh bedroht.
1852 und 1860 wurde der Antrag von Bonim Moses und Alexander Jonas aus
Tündern auf Anschluss an die jüdische Gemeinde Hameln von der Landdrostei
abgelehnt, da der Synagogenverband Grohnde-Ohsen dann "von einer gänzlichen
Auflösung" bedroht sei. 1873 äußerte der Landrabbiner die Meinung, dass
die Gemeinde voraussichtlich eingehe.
Die Landdrostei hatte bei der Gründung der Synagogengemeinde
bestimmt, dass die gemeinsame Schule in Grohnde eingerichtet werden
sollte. Wegen des langen Schulweges erwies sich diese Auflage als undurchführbar,
so dass 1846 der Lehrer im Wechsel an je zwei Wochentagen in Ohsen,
in Börry und in Grohnde unterrichtete. Der Unterricht beschränkte sich
auf die Fächer Religion und Hebräisch. Die Lehrer wurden reihum bei
den jüdischen Familien untergebracht und verköstigt. Das schlechte Einkommen
der Gemeindemitglieder erlaubte es nicht, die Lehrer angemessen zu bezahlen
und unterzubringen, so dass sie häufig vorzeitig ihre Stelle verließen
und die Lehrerstelle lange unbesetzt blieb. Die wenigen wohlhabenden
Juden in Grohnde, Ohsen und Börry bestellten für ihre Kinder einen Privatlehrer
und verweigerten ihren Beitrag zu den Schullasten.
1847 wurde Lehrer Warenheim, der beim Vorsteher Abraham
Schloß in Börry als Hauslehrer arbeitete, als Gemeindelehrer für Börry,
Hajen und Esperde angestellt. Aber schon im nächsten Jahre war Warenheim
ohne Stelle, weil drei Gemeindemitglieder kein Schulgeld zahlten. Die
Gemeindemitglieder in den übrigen Ortschaften engagierten 1848 den Lehrer
Rosenzweig, der abwechselnd drei Monate in Ohsen und drei Monate in
Grohnde wohnen sollte; wenn er in Ohsen wohnte, so unterrichtete er
zwei Tage wöchentlich in Grohnde und umgekehrt. Schon nach einem halben
Jahr verließ Rosenzweig seine Stelle. Auch Markus Landsberg, der ab
November 1849 die jüdischen Kinder unterrichtete, ging nach Ablauf eines
halben Jahres.
Die Schulsituation blieb schlecht. Im Zeitraum von
1854 bis 1861 ist die Existenz einer Elementarschule belegt. Weil jedoch
ein zentraler Schulbau fehlte, wurden die weit verzweigt wohnenden Kinder
(1854: 23) jeweils nur an zwei Tagen in der Woche in jüdischer Religion
und Sprache unterrichtet. Trotz Beihilfen aus Hannover zur Anstellung
eines Lehrers blieb die Stelle länger vakant (1859 für mindestens eineinhalb
Jahre). 1869 beklagte der Landrabbiner Dr. Meyer, dass die Gemeinde
Grohnde seit Jahren ohne Lehrer sei. Der Lehrer H. Moses aus Sarstedt,
der 1869 endlich angestellt wurde, erhielt 110 Reichstaler Gehalt (50
von der Gemeinde, 60 von Hannover), dazu freie Beköstigung und Wohnung.
Wegen der schlechten Bedingungen verließ Moses seine Stelle nach einigen
Monaten. Seit 1873 wurde kein Lehrer mehr eingestellt. Jüdische Kinder
besuchten den Unterricht in den evangelischen Volksschulen.
Die relativ große Nähe zu Hameln und die ausbleibende
Industrialisierung der Dörfer führten bereits ab 1870 zu einer starken
Landflucht. Um 1910 lebten noch sechs Familien (17 Personen) in der
Synagogengemeinde. Nur zwei Familien zahlten Einkommensteuer; die übrigen
waren arm. Das jüdische Leben in Esperde, Hajen, Hämelschenburg, Grohnde
und Hagenohsen war zu dieser Zeit bereits erloschen. Nur noch in Börry,
Emmern, Kirchohsen und Tündern lebten Juden. Die Gemeinde war nicht
mehr lebensfähig. Am 16. 10. 1910 beschlossen die Mitglieder den Anschluss
an die Synagogengemeinde Hameln. Am 8. 8. 1912 gab der Regierungspräsident
bekannt, dass "nach Anhörung des Landrabbiners die Synagogengemeinde
Grohnde aufgelöst und ihr Bezirk dem der Synagogengemeinde Hameln angeschlossen"
werde.

Die NS-Zeit
1933 lebten nur noch in wenigen Dörfern vereinzelt
Juden, die meisten verarmt und alleinstehend.
Joseph Ivan Wollberg, 1887 in Hameln geboren, war
seit 1924 bei einem Bauern in Grohnde als Knecht beschäftigt und wohnte
auch dort. An Festtagen und um neue Kleidung zu bekommen, sei Josef
zu seinen Verwandten nach Hameln gegangen. Obwohl der Bauer nach 1933
dazu gedrängt wurde, habe dieser ihn nicht entlassen. Ende März 1942
wurde Josef Ivan Wollberg über die zentrale Sammelstelle in Hannover-Ahlem
in das Ghetto Warschau deportiert. Er gilt als verschollen.
Den Friedhof von Grohnde kaufte im Jahre 1938 ein
Nachbar für 230 RM , um ihn als Garten zu nutzen. Der Friedhof, der
ca. 20 Grabsteine gehabt haben soll, sei damals 30 Jahre lang nicht
mehr belegt worden und verwildert gewesen.
In Börry lebte die völlig verarmte Witwe Rebekka (Rosalie)
Wollberg. Um 1860 war sie in Börry geboren worden, lebte von Tagelohnarbeiten
und wohnte zur Miete auf dem heute abgerissenen Weberhof. Nach Aussagen
von Zeitzeugen soll sie vor 1935 in Börry verstorben und in Bodenwerder
begraben sein.
Laut Volkszählung von 1939 wohnte außerdem die "Vierteljüdin"
Erna Ellermann, geb. Schülmann, in Börry. Ihre beiden 1936 und 1938
geborenen Kinder sind als "Dreivierteljuden" eingestuft. Über den jüdischen
Vater ist nichts bekannt ebenso wenig wie über die Umstände, unter denen
die kleine Familie die nationalsozialistische Zeit in Börry überlebte.
Die Nationalsozialisten in Börry ärgerte es besonders,
dass viele Einwohner sich von den großen Textilgeschäften der Brüder
Bach aus Hehlen Ware liefern ließen. Es hieß: "Wer bei Bach bestellt,
dem soll seine Bestellung mit der Feuerwehrkapelle ins Haus gebracht
werden." Als David Bach 1934/35 mit einem Bauern in Börry ein Bier trank,
berichtete die Zeitung darüber. Der Bürgermeister von Börry wurde 1934
abgesetzt, weil er mit dem Juden Weitzenkorn aus Kirchohsen gehandelt
haben soll.
Der Friedhof von Börry soll bis 1938 gepflegt worden
sein. Am 9. November 1938 wurden die Steine durch die dörfliche SA umgestürzt
und auf die Straße geworfen.
In Kirchohsen lebten 1933 zwei jüdische Familien.
Die Familie Josef Weitzenkorn besaß in der Hauptstraße 18 ein großes
Haus mit Ladengeschäft. Weitzenkorns waren seit ca. 1880 in Kirchohsen
ansässig; mehrere Söhne hatten am Ersten Weltkrieg teilgenommen. Die
Familie war recht wohlhabend. Als der alte Weitzenkorn 1927 starb, wurde
er unter großer Beteiligung der Bevölkerung bestattet. Seine Frau hatte
im Ort als Hebamme ausgeholfen. Gegen das Kolonial- und Manufakturwarengeschäft
gab es angeblich keine Boykottmaßnahmen. Ca. 1937 konnte die Familie
auswandern, vermutlich zu Verwandten in die USA. Das Geschäft wurde
von einem Angestellten übernommen.
Der Viehhändler Philipp wohnte in der Reherstraße
1 zur Miete. Er hatte eine Tochter von Weitzenkorn geheiratet und mit
dieser eine Tochter Hanna (etwa Jahrgang 1922). Im August 1935 wurde
Philipp von der Polizei "in Schutzhaft genommen". HJ und Jungvolk hatten
nächtlich vor dem Haus des Viehhändlers demonstriert und randaliert.
Die Familie ging 1938 aus Kirchohsen weg und konnte nur wenig mitnehmen.
Wann der Friedhof in Kirchohsen zerstört wurde, ist
nicht mehr genau zu ermitteln. Er soll 15-20 Grabsteine gehabt haben,
unter ihnen drei große, mit Metallzäunen eingefasste Gräber der Familie
Weitzenkorn. 1939 wollten der Ortsgruppenleiter und die Bürgermeister
der Gemeinden Kirchohsen und Hagenohsen das verwüstete Gelände des Friedhofes
als Spielplatz für einen "Erntekindergarten" zur Verfügung stellen.
Ob es dazu gekommen ist, bleibt offen.
In Tündern starb 1936 der Viehhändler Isidor Jonas.
Jonas war Mitglied im Männergesangsverein Polyhymnia von 1904 gewesen.
Er hatte sich im Ersten Weltkrieg freiwillig gemeldet und war im Sanitätsdienst
an der Westfront gewesen. Seine unverheiratete Schwester Emilie Jonas
lebte mit der nervenkranken Tochter von Isidor, Alice Jonas, unter sehr
ärmlichen Verhältnissen im Haus Am Werder 16. Um sich etwas dazu zu
verdienen, half sie im Dorf bei der Ernte. Als die Diskriminierung immer
stärker wurde, hätten Nachbarn den beiden Frauen "immer einmal etwas
zugesteckt". Bei Kaufmann Ebeling kam Mile durchs Hinterhaus und "wartete
geduldig in der Küche, bis die Kunden weg waren und ihr ein paar Lebensmittel
aus dem Laden geholt wurden." Am 9. November 1938 wurde das Haus der
beiden Frauen durch ein SA-Kommando demoliert.
Alice Jonas zog 1939 zu ihrer Schwester Hildegard
Nußbaum nach Hannover in das Haus Scholvinstraße 12, das Anfang 1941
zum "Judenhaus" bestimmt wurde. Die 33jährige Alice wurde am 15. 12.
1941 über Hannover-Ahlem in das Ghetto Riga deportiert. Sie gilt als
verschollen.
Emilie Jonas wurde im Jahre 1940 auf einem offenen
Lkw in das Hamelner "Judenhaus" Neue Marktstraße 13 abtransportiert.
Die 78jährige Frau wurde am 23. 7. 1942 aus Hameln über Hannover-Ahlem
in das Altersghetto Theresienstadt deportiert. Dort starb sie am 13.
8. 1942.
Ein SA-Kommando stürzte am 9. November 1938 die Grabsteine
auf dem kleinen jüdischen Friedhof in Tündern um. Sie wurden zum Teil
in eine Ausschachtung am Bahndamm gefahren, zum Teil lagen sie jahrelang
als Steinhaufen vor der alten Turnhalle. Auf dem eingeebneten Friedhof
wurden Maulbeerbäumchen gepflanzt, deren Blätter zur Aufzucht von Seidenraupen
gebraucht wurden.
Der Friedhof in Hämelschenburg wurde einige Tage nach
dem 9. November 1938 von SA-Leuten aus dem benachbarten Dorf Gellersen
zerstört (Hämelschenburg hatte keinen eigenen SA-Sturm). Die beiden
heute noch vorhandenen Steine weisen starke Zerstörungsspuren auf.

Nach 1945
Der ehemalige jüdische Friedhof in Grohnde wurde bis
2003 von einem Privatmann als Garten genutzt. Der 1910 errichtete Eisenzaun
ist noch erhalten. Fünf gut erhaltene Grabsteine des Grohnder Friedhofes
konnten 2001 aus einer Scheune geborgen werden, wo sie als Unterlage
zum Abstellen schwerer landwirtschaftlicher Maschinen gedient hatten.
Im Jahre 2003 konnte der Friedhof vom Landesverband der jüdischen Gemeinden
Niedersachsens zurück gekauft werden. Die geborenen Steine sollen dort
wieder aufgestellt werden. Die Grohnder Synagoge, nach Aussagen von
Zeitzeugen ein kleiner, versteckt liegender Anbau an einem Wohn- und
Gasthaus in der Ortsmitte, wurde abgerissen, um dem Ausbau der Bundesstraße
Platz zu machen.
Zur ausführlichen Darstellung

Der Friedhof von Hajen, der schon im 19. Jh. aufgegeben
wurde, ist nicht mehr zu lokalisieren.
Der Friedhof in Esperde liegt am südlichen Ortsausgang
in Richtung Brockensen bzw. Heyen. Im Jahre 1935 hat die evangelische
Kirchengemeinde das Grundstück an einen Landwirt verkauft. Das Gelände
– heute eine Weide – ist ohne Grabsteine und als Friedhof nicht mehr
zu erkennen.
Von den zahlreichen Steinen des Friedhofes in Börry,
der dem Landesverband der jüdischen Gemeinden gehört, sind drei erhalten.
Erich Schloß, der rechtzeitig nach England gegangen war, kam nach dem
Kriege mehrmals nach Börry und sorgte für die Aufstellung der Steine
seiner Eltern und seines Bruders.
Das Friedhofsgelände in Kirchohsen war bis zum Jahre
2001 völlig verwahrlost und als Friedhof nicht erkennbar. Das Land lag
wüst und diente immer wieder zum Abladen von Müll. Das Grundstück, das
sich im Besitz der Gemeinde Emmerthal befand, wurde 2001 an den Landesverband
der jüdischen Gemeinden Niedersachsens zurück erstattet. Eine Tafel
erinnert an das Schicksal des Friedhofes, der seit dieser Zeit regelmäßig
gepflegt wird. Das Gebäude der Synagoge soll sich noch erhalten haben.
Die Bewohner von Kirchohsen verweisen auf ein kleines, heute als Garage
genutztes Häuschen an der Ecke Valentinistraße-Hauptstraße 28.
Zur ausführlichen Darstellung

Der Friedhof von Tündern liegt am südlichen Ortsausgang
gegenüber dem christlichen Friedhof. Er weist eine Fläche von 251 qm
auf. Bis heute ist das Gelände dem Landesverband der jüdischen Gemeinden
nicht zurück erstattet worden. Die Wiederherstellung des Friedhofes
geht auf Arthur Jonas zurück. Er kam 1947 aus Südamerika nach Tündern
und erwirkte beim Bürgermeister die Aufstellung einiger Grabsteine seiner
Familie. Zwei weitere Steine des Friedhofs, die – in eine kleine Brücke
eingebaut – in der Feldmark Tündern überdauert haben, konnten 2002 geborgen
werden. Nach der Restaurierung sollen sie wieder ihren Ort auf dem Friedhof
finden.
Zur ausführlichen Darstellung

In Hämelschenburg wurde nach dem Kriege die Pforte
des Friedhofes neu gemauert. Heute liegen nur zwei überwucherte Steine
aus dem Jahre 1748 auf dem verwilderten Grundstück, das im Besitz des
Landesverbandes der jüdischen Gemeinden ist.

Die Namen der Opfer
Börry
Johanne Ballin, geb. Schloß
wurde am 22. September
1856 in Börry geboren. Bevor sie 1936 nach Hannover übersiedelte, wohnte
sie in Osterode. Unmittelbar vor der Deportation nach Theresienstadt
nach sie sich am 17. Juli 1942 das Leben.
Grohnde
Joseph Ivan Wollberg
wurde am 18. November
1887 als Sohn der Eheleute David und Theodore Wollberg in Hameln geboren.
Joseph Wollberg arbeitete nach dem Tode der Eltern als Landarbeiter
bei einem Bauern in Grohnde Nr. 42 und wohnte dort auch.
1942 nach unbekannt deportiert. Ende März 1942 wurde
er im Alter von 55 Jahren über Hannover-Ahlem in das Ghetto Warschau
deportiert und ist dort verschollen.
Tündern
Albert Jonas
wurde am 18. 10. 1871 in Tündern
geboren. Seine Eltern waren Alexander und Veilchen Jonas aus Tündern.
Albert Jonas heiratete Bertha Jonas, geb. Rothenberg, am 26.
4. 1873 in Stadtoldendorf geboren. Die Eheleute hatte drei Kinder, von
denen nur dem Sohn Arthur die Emigration gelang.
Albert Jonas war von Beruf Viehhändler. Seit 1900
lebte er in Hameln in der Wendenstraße 10, seit 1929 in der Baustraße
16. 1936 war Albert zum Vorsteher der Synagogengemeinde Hameln gewählt
worden, ein Amt, das er ein Jahr später aus Gesundheitsgründen aufgab.
Am 9. November 1938 wurde Albert Jonas zusammen mit
seinem Sohn Arthur in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt.
Nach der Entlassung musste die Familie die eigene Wohnung aufgeben und
lebte mit Tochter Else und Sohn Arthur im Haus der verwitweten Frau
Kratzenstein am Kastanienwall 3. Ende 1939 oder Anfang 1940 erfolgte
die Zwangseinweisung in das "Judenhaus" Neue Marktstraße 13. Mit den
Eheleuten lebte hier die Tochter Else.
Albert Jonas wurde im Alter von 70 Jahren am 23. 7.
1942 zusammen mit seiner Ehefrau von Hameln aus über Hannover-Ahlem
in das Altersghetto Theresienstadt deportiert. Dort starb Albert Jonas
wenige Tage nach seiner Einlieferung am 13. 8. 1942.
Alice Jonas
wurde am 8. 1. 1908 in Tündern
geboren. Ihr Vater war Isidor Jonas. Nach dem Tod ihres Vaters (um 1930/31)
lebte die unverheiratete junge Frau bei ihrer Tante Emilie Jonas in
Tündern Am Werder 16. Alice Jonas soll nervenkrank gewesen sein.
Am 4. 12. 1939 zog Alice Jonas zu ihrer Schwester
Hildegard Nußbaum nach Hannover in die Scholvinstraße 12. Dieses Haus
wurde seit 1941 von der Hannoverschen Stadtverwaltung als "Judenhaus"
genutzt.
Die dreiunddreißigjährige Alice Jonas wurde am 15.
Dezember 1941 zusammen mit ihrer Schwester Hildegard von Hannover, Scholvinstraße
aus in das Ghetto Riga deportiert. Sie gilt als verschollen.
Emilie Jonas
wurde am 20. 6. 1864 in Tündern
geboren. Ihre Eltern waren Alexander und Veilchen Jonas aus Tündern.
Emilie Jonas blieb unverheiratet. Emilie Jonas war von Beruf Haushälterin
und lebte zusammen mit ihrer Nichte Alice in ihrem Haus in Tündern am
Werder 16. Am 9. November 1938 wurde ihr Haus von SA-Männern aus Tündern
demoliert.
Im Jahre 1940 musste Emilie ihr Haus in Tündern verlassen
und in das Hamelner "Judenhaus" Neue Marktstraße 13 ziehen.
Die achtundsiebzigjährige Emilie Jonas wurde am 23.
Juli 1942 aus Hameln über Hannover-Ahlem in das Altersghetto Theresienstadt
deportiert. Wenige Tage nach ihrer Einlieferung starb sie dort am
13. August 1942.
Helene Martha Jonas
wurde am 1. 12. 1889 in Tündern bei Hameln
geboren. Ihre Eltern waren der Viehhändler Moritz Jonas und seine
Frau Dina, geborene Löwenstein. Ihre ein Jahr ältere Schwester
Gertrud Moos wurde nach Auschwitz deportiert. Nur ihr Bruder Erwin
überlebte das Dritte Reich.
Über das Leben von Helene Martha Jonas ist nichts
bekannt.
Die unverheiratete Frau wurde in das
Frauenkonzentrationslager Ravensbrück verschleppt. Wann das geschah,
konnte nicht ermittelt werden. Es spricht vieles dafür, dass Helene
Martha Jonas zu den Frauen gehörte, die im Rahmen der Mordaktion "14
f 13" Anfang des Jahres 1942 in der "Heil- und Pflegeanstalt"
Bernburg/Saale getötet wurden. Die vom Standesamt Ravensbrück II
ausgestellte Sterbeurkunde, die als Todesort Ravensbrück und als
Datum den 3. 5. 1942 angibt, ist falsch.
Paul Jonas
wurde am 30. Dezember 1868 in Tündern
bei Hameln geboren. Seine Eltern waren Alexander und Veilchen Jonas
aus Tündern. Er heiratete Rosette Jonas, geb. Rothenberg, geb.
am 22. Januar 1875 in Stadtoldendorf. Die Eheleute hatte einen Sohn,
Alfred Jonas.
Über die Eheleute Paul und Rosette Jonas ist wenig
bekannt. Im Januar 1937 zogen sie von Verden nach Hannover. Ihr letzter
Wohnort vor der Deportation war das "Judenhaus" in Hannover-Ahlem, Wunstorfer
Straße 1.
Am 23. Juli 1942 wurde Paul Jonas mit seiner Frau
Rosette aus Hannover-Ahlem in das Altersghetto Theresienstadt deportiert.
Er starb dort im Alter von 75 Jahren am 20. Februar 1944.
Gertrud Moos, geb. Jonas
wurde
am 20. Februar 1888 in Tündern geboren. Ihre Eltern waren der
Viehhändler Moritz Jonas und seine Frau Dina, geb. Löwenstein. Ihre
ein Jahr jüngere Schwester Helene Martha Jonas wurde in das
Frauenkonzentrationslager Ravensbrück deportiert.
Gertrud Moos lebte in Lippstadt. Am 29. 7. 1942
wurde sie über Dortmund nach Theresienstadt deportiert und von dort
am 15. 5. 1944 nach Auschwitz verschleppt. Dort ist sie verschollen.

Politische und religiöse Zugehörigkeit
der Gemeinde
Kurfürstentum/Königreich/Provinz
Hannover; Landdrostei/Regierungsbezirk Hannover; bis 1823 mehrere selbständige
Verwaltungsbereiche: Amt Grohnde (u.a. Grohnde, Börry, Esperde und Hajen),
Amt Ohsen (u.a. Hagenohsen und Kirchohsen, Emmern und Tündern), Amtsgericht
Hastenbeck und Adliges Gericht Hämelschenburg; seit 1823 vereinigtes
Amt Grohnde-Ohsen mit Amtssitz in Grohnde; ab 1859 Amt/Kreis Hameln;
heute: Landkreis Hameln-Pyrmont; 1973 Zusammenschluss zur Gemeinde "Emmerthal”
(mit Ausnahme von Tündern und Hastenbeck, die zu Hameln kommen).
Synagogengemeinde im Landrabbinat Hannover.

Gesamteinwohnerzahl / darunter Juden
Börry: 1664: 268 / ?; 1689: ? /
8; 1821: 646 / 20; 1848: 692 / 4 Familien; 1871: 666 / 17; 1895: 644
/ 15; 1905: 657 / 10; 1913: ? / 6; 1925: 608 / 2; 1933: 607 / 1
Emmern: 1821: 440 / 7; 1848: 399
/ 1 Familie; 1871: 493 / ?; 1895: 538 / ?; 1905: 675 / 3; 1925: 664
/ 2; 1933: 661 / -
Esperde: 1843: ? / 1 Familie; 1871:
474 / 8
Grohnde: 1821: 825 / 19; 1848: 893
/ 4 Familien; 1864: ? / 16; 1871: 890 / 13; 1895: 946 / 6; 1905: 946
/ 3; 1909: ? / 6; 1925: 852 / ?; 1933: 810 / ?; 1939: ? / 1
Hämelschenburg: 1871: 249 / 6
Hajen: 1824: ? / 6; 1843:? / 1 Familie;
1871: 668 / -; 1895: 583 / -
Ohsen (Kirchohsen und Hagenohsen):1821:
523 / 16; 1848: 634 / 3 Familien; 1871: 675 / 9; 1895: 1057 / 8; 1905:
1151 / 7; 1925: 1242 / 6; 1933: 1322 / 6
Tündern: 1821: 672 / 7; 1848: 728
/ 1 Familie; 1871: 785 / 12; 1895: 872 / 10; 1905: 917 / 6; 1925: 1005
/ 3; 1933: 1126 / 3; 1939: ? / 2

Quellen und Literatur
Hamelsche Anzeigen
Deister- und Weserzeitung
Berner, Hans: Das Amt Grohnde. Göttingen
1952 (ohne Hinweise auf Juden)
Ders.: Das Amt Ohsen. Göttingen 1954
(ohne Hinweise auf Juden)
Kalvelage, Ilse: Tündern. Das Dorf
im Weserbogen, o. O. o. J. [1989]
Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover
Kreisarchiv Hameln-Pyrmont
Zentralarchiv Heidelberg

|