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Die jüdische Gemeinde Coppenbrügge
Angeschlossene Orte: Brünnighausen und Hohnsen

Aus der Geschichte des Ortes
Die Zeit der Grafschaft Spiegelberg (1631-1819)
Die Hannoversche Zeit (1820-1870)
Die Gründung der Synagogengemeinde Coppenbrügge im Jahre 1842
Bildund das religiöse Leben

Kaiserzeit (1870-1918) und Weimarer Zeit
Die NS-Zeit
Das Schicksal des Jüdischen Friedhofes in der NS-Zeit
Nach 1945
Die Namen der Opfer
Politische und religiöse Zugehörigkeit der Gemeinde
Gesamteinwohnerzahl / darunter Juden
Quellen und Literatur

Aus der Geschichte des Ortes

Um das Jahr 1000 wurde Cobbanburg erstmals erwähnt. Die kleine Siedlung gewann an Bedeutung, als Ende des 13. Jhs. die Grafen von Spiegelberg die gleichnamige Territorialherrschaft gründeten und dort eine Wasserburg mit starker Befestigung erbauten. Durch die günstige Infrastruktur, gelegen an einer wichtigen Heer- und Handelsstraße (Minden-Hildesheim), und durch den Schutz der Burg wurde Coppenbrügge zu einem befestigten Flecken. Die Entwicklung Coppenbrügges zur Stadt wurde durch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges und einen großen Brand im Jahr 1692 verhindert. Aufgrund seiner Bedeutung als Rastort an der Heer- und Poststraße fand während des 18. Jhs. ein wirtschaftlicher Aufschwung Coppenbrügges statt. Im 19. Jh. kam es zur wirtschaftlichen Stagnation, die auch durch den Bau der Eisenbahn 1875 nicht überwunden werden konnte.

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Die Zeit der Grafschaft Spiegelberg (1631-1819)

1698 wurde ein Schutzjude in der Grafschaft Spiegelberg aufgenommen, der an die Spiegelbergsche Kanzlei ein einmaliges Rezeptionsgeld zu bezahlen hatte. Während der ersten Hälfte des 18. Jhs. nahm die jüdische Bevölkerung in der Grafschaft Spiegelberg zu. 1715 lebten in Coppenbrügge drei, 1740 fünf jüdische Familien. In Hohnsen (1715/1740) und in Brünnighausen (1740) war je eine Schutzjudenfamilie ansässig.

Beruflich betätigten sich die Juden während dieser Zeit als Altwarenhändler, Schlachter und Pferdehändler. Zu den Handelswaren eines Coppenbrügger Juden zählten 1758 drei wertvolle, aus dem 16. Jh. stammende bronzene Epitaphe des Lauensteiner Kircheninventars. Der Verkauf fand statt, obwohl der Handel mit Kirchengütern für Juden offiziell verboten war, denn die Gemeinde Lauenstein war zum Neubau ihrer Kirche dringend auf Kapital angewiesen. Die Platten wurden dann als Altmetall verkauft. Besonders stark vertreten waren die Juden der Grafschaft Spiegelberg im Schlachtergewerbe, weil es offenbar den einheimischen christlichen Schlachter nicht gelang, ihnen Beschränkungen aufzuerlegen. Sie schlachteten jährlich über 100 Stück Rind und einige Tausend Schafe und Kälber, gerieten jedoch aufgrund ihres ausgedehnten Fleisch- und Talghandels in Konflikt mit den Nachbarterritorien.

1750 klagte das kurbraunschweigische Ministerium beim Hofgericht über die große Anzahl der Schutzjuden in der Grafschaft Spiegelberg und versuchte, dem Haus Nassau-Oranien das Recht zur Vergleitung der Juden streitig zu machen. Trotz dieses Interventionsversuches behielt die Spiegelbergsche Kanzlei das Judenregal bei, begrenzte die Zahl der Schutzjudenfamilien jedoch künftig auf fünf in Coppenbrügge und je eine in Brünnighausen und Hohnsen, was 1781 einer Seelenzahl von 42 entsprach. Während der 40er Jahre des 18. Jh.s galten die Juden der Grafschaft Spiegelberg als wohlhabend, einige von ihnen konnten bereits zu dieser Zeit Hausbesitz erwerben.

In Coppenbrügge gab es 1760 eine Synagoge. Nähere Angaben zu ihrer Gestalt, Lage und dem Gründungsdatum fehlen. Ebenso ist unbekannt, wann der 1787 erwähnte jüdische Friedhof angelegt wurde. Er lag auf Domänenland und war während des 18. Jhs. noch nicht im Besitz der Coppenbrügger Juden.

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Die Hannoversche Zeit (1820-1870)

1820 lebten fünf jüdische Familien und zwei Witwen, insgesamt 45 Personen, in Coppenbrügge. Sie waren als Metzger, Korn-, Ellenwarenhändler und Kaufleute tätig. Die Mehrzahl war wohlhabend, allein vier verfügten über Hausbesitz. 1828 nahmen sie die Familiennamen Spiegel, Rosenthal, Mosheim, Schönfeld, Selberg und Frank an. Bis 1857 konnten sich mehrere Kinder der ortsansässigen jüdischen Familien niederlassen, und einige auswärtige Juden wie Moses Spiegelberg, Jacob Bernstein und Jacob Frank zogen hinzu, so dass sich die Anzahl der jüdischen Haushaltsvorstände auf 13 erhöhte. Bis auf den Lohgerbermeister Moses Spiegel waren die Coppenbrügger Juden weiterhin als Schlachter und Händler tätig.

In Brünnighausen lebte seit 1790 der jüdische Schlachter Nathan Joseph (Blank). Er besaß dort seit 1822 eine Kleinkötnerstelle, zu der fünf Morgen Ackerland, ein Garten, eine Wiese und eine Scheune gehörten. Von seinen elf Kindern blieben drei in Brünnighausen und betätigten sich dort als Schlachter, Baumwollweber und Kornhändler. Als Nathan Joseph Blanks Sohn, Abraham Blank, 1843 den väterlichen Grundbesitz übernehmen wollte, wurde dies von der hannoverschen Regierung zunächst abgelehnt. Hannover war bestrebt, den Land und Hausbesitz der Juden einzuschränken. Abraham Blank profitierte von der positiven Stellungnahme des Amtes Coppenbrügge, das sich erfolgreich für die Übertragung des Besitzes einsetzte. Erst seit dem Gesetz vom 15. 4. 1847 war den Juden offiziell erlaubt, ein Haus und 1 ¼ Morgen Land zu besitzen.

In Hohnsen lebte ein weiterer Sohn Nathan Joseph Blanks, der Collecteur und Hokenhändler Samson Blank. In Brünnighausen war zeitweise der aus Coppenbrügge stammende Schlachter und Bankier Jacob Frank ansässig. Er war 1854 hoch verschuldet und zog bald wieder aus Brünnighausen fort.

1833 hatten sich 25 jüdische Gemeinden des Königreichs Hannover für eine Verbesserung ihrer Rechtsverhältnisse eingesetzt. Dazu gehörten auch die Coppenbrügger Juden, die sich mit einer entsprechenden Petition an die hannoversche Ständeversammlung wandten.

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Die Gründung der Synagogengemeinde Coppenbrügge im Jahre 1842
und das religiöse Leben)

Die Synagogengemeinde Coppenbrügge wurde 1842 gegründet, ihr angeschlossen waren die Orte Brünnighausen und Hohnsen. Sie verfügte über eine 1814 neu errichtete kleine Synagoge im Haus Nr. 130, für deren Bau sich die Gemeinde tief verschuldet hatte. Vorsteher der Gemeinde waren David Mosheim, Jacob Mosheim (bis 1841), Moses Spiegelberg (bis 1854), Joseph Selberg, Heinemann Spiegel, A. Frank (1873-1878), M. Blank (bis 1890), Gustav Spiegelberg (1895-1901), Arnold Levy (bis 1909) und Meier Adler (ab 1913).

Religiöse Spannungen kennzeichneten das Gemeindeleben in den 30er, 40er und 50er Jahren. Veränderungen des Gottesdienstes, wie die Frage der Sitzordnung, das Aufrufen zur Thora-Lesung und weitere Neuerungen, zu denen auch die Einführung von Chorgesang gehörten, führten immer wieder zu Streitigkeiten, so dass einige Gemeindemitglieder dem Gottesdienstbesuch vorübergehend fernblieben. Dadurch wurde z.B. 1834 die Abhaltung des Gottesdienstes in der ohnehin sehr kleinen Gemeinde gefährdet und konnte nur durch die Teilnahme auswärtiger Juden aufrecht erhalten bleiben.

Die internen Streitigkeiten wirkten sich auch auf die Schulverhältnisse aus. In den 30er Jahren konnten sich die Coppenbrügger Juden nicht auf einen gemeinsamen Lehrer einigen. Seit 1832 hatten die wohlhabenden Familien Mosheim und Frank den Hauslehrer Woldemar Wolfssohn, der zuvor an der Jacobsen-Schule in Seesen unterrichtet hatte, eingestellt. Er blieb 8 ½ Jahre als Hauslehrer in Coppenbrügge. Gleichzeitig beschäftigten die anderen jüdischen Familien einen eigenen Lehrer. Erst 1843 stellte die Synagogengemeinde den Lehrer Simon Elkan Franzig aus Lissa ein. Da Franzig noch keine Prüfung in den allgemeinen Fächern abgelegt hatte, bestand die Landdrostei auf der Teilnahme der jüdischen Kinder am Unterricht der Ortsschule. Seit 1851/52 besaß die jüdische Schule Coppenbrügges dann den Status einer Elementarschule. Für die nach wie vor zerstrittene Gemeinde war es jedoch schwierig, dauerhaft einen Lehrer zu halten. Als der Lehrer Warenheim die Gemeinde 1852 verließ, beklagte er sich über die schlechte Bezahlung, das Reihetischverfahren, die Häufigkeit der anfallenden Schächteraufgaben und die Uneinigkeit unter den Gemeindemitgliedern. Bis zum Ende des 19. Jhs. blieben die Schulverhältnisse durch häufigen Lehrerwechsel und vorübergehende Vakanz der Lehrerstelle gekennzeichnet.

1837 gelang es Jakob Mosheim, den bereits im 18. Jh. vorhandenen jüdischen Friedhof zu kaufen. Neun Jahre zuvor hatte Jakob Mosheim erfolglos darum gebeten, das Grundstück erwerben und einzäunen zu dürfen. Zu diesem Zeitpunkt war der Begräbnisplatz noch offen zugänglich und wurde als Überfahrtsweg und Viehweide missbraucht. Als die Synagogengemeinde 1842 offiziell gebildet wurde, wurde diese Jahreszahl auf den Pfosten des Friedhofes vermerkt. Möglicherweise ist daraus zu schließen, dass der Friedhof auch in den Besitz der Gemeinde überging.

In der Synagogengemeinde war 1859 eine Mikwe vorhanden und eine Chewra Kadischa, die zugleich die Aufgaben der Armenkasse übernahm. Aus den Zinsen des Mosheimschen Legates wurden die Requisiten für den Gottesdienst angeschafft.

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Kaiserzeit und Weimarer Zeit

Während des Kaiserreichs kam es in Coppenbrügge zu antisemitischen Ausschreitungen, über die Einzelheiten, Hintergründe und Auswirkungen allerdings nicht bekannt sind. 1882 wandte sich Julia Blank mit einem Gesuch um Unterstützung an die Behörden, weil die antisemitischen Vorfälle zu einer ernsten Bedrohung wurden. Von Seiten des hannoverschen Innenministeriums versicherte man ihr, dass ihre Glaubensgenossen wie alle anderen Untertanen auch durch die Behörden geschützt seien.

1898 lebten nur noch 17 jüdische Personen in Coppenbrügge. Mehrere alteingesessene Familien hatten den Ort verlassen.

Zu den Hinzugezogenen gehörte die Familie Levy, die in den 70er Jahren nach Coppenbrügge kam. Louis und Arnold Levy übernahmen das Geschäft und Haus der Familie Mosheim und führten in dem Gebäude des heutigen Rathauses einen gut gehenden Manufakturwarenladen. Außerdem war Arnold Levy Inhaber einer Fassholzfabrik in Marienau, die seine Söhne Oskar und William und seine Schwiegertochter Selma nach seinem Tod (1911) weiterführten. Die Fabrik (heute WINI-Büromöbel) musste in den 20er Jahren wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten ebenso verkauft werden wie das Manufakturwarengeschäft und das dazugehörige Haus.

1912 kam der Viehhändler Sally Weinberg nach Coppenbrügge, er lebte dort bis zum Jahr 1925.

Zwei weitere Familien, der wohlhabende Viehhändler Meir Adler und der Kurzwarenhändler David Adler, zogen nach dem Ersten Weltkrieg nach Coppenbrügge. David Adler belieferte seine Kundschaft bis 1929 in den umliegenden Dörfern zunächst mit Pferd und Wagen, später schaffte er sich ein Auto an und eröffnete in der Osterstraße 110 ein großes Textilgeschäft.

Seit 1905 wurde aufgrund des Rückgangs der jüdischen Bevölkerung in Coppenbrügge kein Gottesdienst mehr abgehalten. Die Coppenbrügger Juden orientierten sich künftig nach Salzhemmendorf und später nach Hameln. Das Synagogengebäude wurde verkauft, diente vorübergehend als Turnhalle und wurde schließlich 1926 abgerissen.

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Die NS-Zeit

Seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden die Juden in Coppenbrügge zunehmend schikaniert. Personen, die es wagten, in den Textilgeschäften von David Adler und Oskar Levy einzukaufen, wurden im Stürmerkasten öffentlich denunziert. Der Schüler Martin Adler musste 1936 die Schule in Coppenbrügge verlassen. Er ging nach Hannover und Stuttgart und absolvierte dort eine Lehre. Am 22. 7. 1938 konnte er gemeinsam mit seinen in Coppenbrügge gebliebenen Eltern, David und Resi Adler, nach New York emigrieren.

Oskar Levy hatte sein kleines Geschäft im Haus des Uhrmachers Thies und wohnte mit seiner Ehefrau Elise auch dort zur Miete. Das Wohnhaus wurde immer wieder mit dem Spruch: "Hier wohnt ein Judenfreund" beschmiert. Sein Textilgeschäft musste Oskar Levy bereits 1937 aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten aufgeben. Oskar Levy soll in dieser Zeit vom Coppenbrügger NSDAP-Ortsgruppenleiter, der für seinen fanatischen Antisemitismus bekannt war, auf offener Straße niedergeschlagen worden sein. Während des Novemberpogroms am 9. 11. 1938 wurde er verhaftet, kam ins Polizeigefängnis Hannover und wurde von dort in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Nach Oskars Entlassung aus Buchenwald ging das Ehepaar Levy am 27. 12. 1938 nach Hannover. Beide wurden vor ihrer Deportation in das "Judenhaus" Brabeckstraße 86 zwangseingewiesen. Sie wurden gemeinsam mit ihrer Tochter Ruth, die schon zuvor in Hannover gewohnt hatte, am 15. 12. 1941 nach Riga deportiert. Nachdem das Ehepaar Levy Coppenbrügge verlassen hatte, lebten hier keine Juden mehr. Drei weitere aus Coppenbrügge stammende jüdische Personen wurden aus anderen Orten nach Theresienstadt, Riga und Auschwitz deportiert.

Auch in den Nachbardörfern Marienau und Brünnighausen waren während der NS-Zeit Juden ansässig. In Marienau litt Erich Levy unter den antisemitische Anfeindungen seiner Umgebung. Seine nichtjüdische Ehefrau ließ sich von ihm scheiden. Erich Levy ging nach Hannover und wurde dort am 15.12.1941 nach Riga deportiert.

In Brünnighausen wohnte Caroline Lampe, die ebenfalls mit einem Nichtjuden verheiratet war. Obwohl die Gestapo Hannover den Ehemann wiederholt unter Druck setzte, lehnte dieser die Scheidung ab. Im Oktober 1944 wurde er zur Zwangsarbeit in das KZ Holzen bei Eschershausen eingewiesen, das er dank der Intervention seines Arbeitgebers (der Forstbehörde in Hannover) bald wieder verlassen konnte. Seine jüdische Frau blieb von der im Februar 1945 vorgesehenen Deportation verschont, weil Bürgermeister und Dorfpolizist ihre Anwesenheit bewusst verschwiegen hatten.

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Das Schicksal des Jüdischen Friedhofes in der NS-Zeit

Eine Schließung des jüdischen Friedhofs versuchten der Coppenbrügger Bürgermeister und der Landrat schon am 11. 6. 1935 beim Regierungspräsidenten durchzusetzen. Sie begründeten ihren Antrag damit, dass der Friedhof direkt an der Reichsstraße 1 gelegen sei (Hitler benutzte diese Straße regelmäßig auf seinem Weg zum Reichserntedankfest auf dem Bückeberg bei Hameln). Die Schließung wurde am 15. 3. 1937 genehmigt, am 1. 4. 1937 fand die letzte Beerdigung statt. Die Juden aus Coppenbrügge sollten ihre Verstorbenen künftig auf dem Friedhof in Hameln bestatten. Obwohl der Bürgermeister eine dauerhafte Erhaltung und Pflege des Friedhofs zugesichert hatte, wurde das Gelände bereits im Mai 1938 eingeebnet. Nur vier der insgesamt wenigstens 64 Grabsteine blieben zunächst erhalten, während die restlichen Steine z.T. als Raseneinfassungen auf dem christlichen Friedhof und am Burgwall verwendet wurden. Die beiden alten Torpfosten mit ihrer hebräischen Inschrift wurden ebenfalls entfernt und als Pfeiler am Eingang des christlichen Friedhofs aufgestellt. Während des Novemberpogroms wurden auch die letzten Grabsteine zerstört. Am 12. 2. 1943 erwarb der Coppenbrügger Bürgermeister als Privatmann das Grundstück zu einem äußerst geringen Kaufpreis von der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland.

Zur ausführlichen Darstellung

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Nach 1945

Zu den ersten englischen Soldaten, die 1945 nach Coppenbrügge kamen, gehörte auch ein aus Coppenbrügge stammender Jude. Arnold Levy war 1912 in Coppenbrügge geboren worden. Wann er seinen Geburtsort verlassen hat, ist nicht bekannt. Er entging dem Holocaust durch seine Emigration nach England im Jahr 1938. Dort hatte er sich freiwillig zum englischen Militärdienst gemeldet. Im April 1945 war Arnold Levy an der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen beteiligt gewesen.

Um eine Rückerstattung des jüdischen Friedhofs bemühte sich 1951 die Jewish Trust Corporation erfolglos. Das Grundstück blieb bis zum Verkauf an die Gemeinde Coppenbrügge im Jahr 1977 im Besitz des Coppenbrügger Bürgermeisters. 1962 verpachtete er das Grundstück an die Fleckengemeinde, die einen Teil des Geländes an den Landesverband der jüdischen Gemeinden unterverpachtete. Dort ließ der Landesverband einen Gedenkstein errichten. Erst 1998 wurde das Gelände in den Besitz des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden zurückgegeben. Dabei wurden auch die auf dem christlichen Friedhof befindlichen Torpfosten wieder zurückgestellt und eine Gedenktafel hinzugefügt. Der ursprünglich sehr große jüdische Friedhof umfasst heute mit ca. 1000 qm nur einen Teil des ursprünglichen Friedhofs, denn von dem ehemaligen Grundstück wurden mittlerweile Teile für eine Bushaltestelle sowie für den benachbarten Schulhof abgetrennt.

Aus der ehemaligen Synagoge ist ein schlichtes Lesepult erhalten, das sich heute im Coppenbrügger Museum befindet.

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Die Namen der Opfer

Lieschen Levy, geb. Adler

wurde am 28. Mai 1889 in Coppenbrügge geboren. Sie hatte Oskar Levy geheiratet. Am 27. Dezember 1938 haben die Eheleute Coppenbrügge verlassen und sind nach Hannover gezogen. 1941 mussten sie dort in das Judenhaus Brabeckstraße 86 ziehen.

Beide wurden am 15. Dezember 1941 nach Riga deportiert und sind dort verschollen.
 

Erich Levy

wurde am 3. Dezember 1886 in Coppenbrügge geboren. Er lebte zuletzt in Hannover und musste dort 1941 in das Judenhaus Ohestraße 8 u. 9 ziehen.

Am 15. Dezember 1941 wurde er nach Riga deportiert und ist dort verschollen.
 

Oskar Levy

wurde am 2. Oktober 1882 in Coppenbrügge geboren. Er war mit Lieschen Levy, geb. Adler, verheiratet. Am 9. November 1938 wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Nach seiner Rückkehr haben die Eheleute am 27. Dezember 1938 Coppenbrügge verlassen und sind nach Hannover gezogen. 1941 mussten sie dort in das Judenhaus Brabeckstraße 86 ziehen.

Beide wurden am 15. Dezember 1941 nach Riga deportiert und sind dort verschollen.
 

Ruth Levy

wurde am 7. November 1911 in Coppenbrügge in Coppenbrügge als Tochter von Lieschen und Oskar Levy geboren. Sie lebte als Krankenschwester in Hannover. 1941 musste sie – wie ihre Eltern – in das Judenhaus Brabeckstraße 86 ziehen.

Am 15. Dezember 1941 wurde sie zusammen mit ihren Eltern nach Riga deportiert. Es ist bezeugt, dass sie im Ghetto noch einige Zeit als Krankenschwester gearbeitet hat. Ruth Levy ist in Riga verschollen.
 

Ida Reifenberg, geb. Rothstein

wurde am 9. März 1878 in Coppenbrügge geboren. Sie hat Coppenbrügge später verlassen. Ihr letzter Wohnort ist Gelsenkirchen, Von der Recke Straße 11. Zum Zeitpunkt der Deportation war sie verwitwet.

Ida Reifenberg wurde im Jahre 1942 von Dortmund aus nach Riga verschleppt und ist dort verschollen.
 

Ernst Rothstein

wurde am 9. August 1881 in Coppenbrügge geboren.

Am 11. Juli 1942 wurde er von Hamburg aus nach Auschwitz deportiert und ist dort verschollen.
 

Bertha Spiegel

wurde am 26. Juni 1865 in Coppenbrügge geboren.

Aus Frankfurt wurde sie am 2. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Dort starb sie wenige Tage später am 18. September 1942.

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Politische und religiöse Zugehörigkeit der Gemeinde

Grafschaft Spiegelberg zugehörig zu Nassau-Oranien (1631-1819), Königreich/Provinz Hannover; Landdrostei/Regierungsbezirk Hannover; Amt Coppenbrügge (1819-1859), Amt Lauenstein, Kreis Hameln (1885); heute: Landkreis Hameln-Pyrmont.

Synagogengemeinde im Landrabbinat Hannover.
 

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Gesamteinwohnerzahl / darunter Juden

Coppenbrügge: 1781: 728 / 42, 1861: 1290 / 42, 1864: 1278 / 52, 1871: 1252 / 44, 1885: 1302 / 35, 1895: 1299 / 29, 1925: 1221 / 15, 1933: 1266 / 5, 1939: 1270 / 21

 

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Quellen und Literatur

Ulrich Baum, Über die Saldernschen Epitaphien in der Lauensteiner Kirche und ihr Verschwinden (ungedrucktes Manuskript), Lauenstein 1989

Bürgermeister Friedrich Beckmann, Chronik (ungedrucktes Manuskript), o. O. o. J.

Irmgard Netter, Kleine Chronik von Coppenbrügge, Lindenbrunn 1965

Statistische Beschreibung der Grafschaft Spiegelberg de 1783, Nachdruck Coppenbrügge 1985

US-Holocaust-Museum, CV-Archiv
Kreisarchiv Hameln-Pyrmont
Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover
Zentralarchiv Heidelberg
Flecken Coppenbrügge

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© Bernhard Gelderblom Hameln