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Der jüdische Friedhof in Ottenstein
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An die jüdische Gemeinde erinnert heute nur noch der am Ortsrand liegende jüdische Friedhof. Verglichen mit den Friedhöfen der benachbarten jüdischen Gemeinden etwa in Polle, Hehlen und Kemnade handelt es sich um einen recht großen Friedhof, wie es auch der Größe der Ottensteiner jüdischen Gemeinde entspricht. Die ursprünglich 590 qm umfassende Fläche des Friedhofes war um 1930 nahezu voll belegt und wurde noch vor der NS-Zeit um eine "Reservefläche" von 380 qm erweitert. Zur Belegung der Reservefläche ist es wegen der Vernichtung der Gemeinde jedoch nicht mehr gekommen. Das Gelände des Friedhofes war stets im Besitz der Familie Rothschild gewesen. Zur Geschichte des Friedhofes
Die letzte nachweisbare Bestattung für die am 17. Dezember 1940 verstorbene Mathilde Kornberg blieb ohne Stein. Über einen Zeitraum von gut 80 Jahren wurde also auf dem Ottensteiner Friedhof bestattet. Dass es einen Vorgängerfriedhof gegeben haben muss, ist angesichts des Alters der Gemeinde wahrscheinlich. Der Friedhof liegt – wie es rituellem Brauch entspricht – in Ost-West-Ausrichtung. Die hebräische Seite der Steine blickt nach Osten, in die Richtung, aus der die Wiederkunft des Messias dereinst erwartet wird. Bestattet wird in Reihen, und zwar im Osten beginnend in zeitlicher Reihenfolge nach dem Datum des Todes. Oberstes Gebot in einem jüdischen Friedhof ist es, die Ruhe der Toten nicht zu stören. So werden Ehegatten gewöhnlich nicht nebeneinander bestattet, sondern an dem Platz, den ihnen das Datum ihres Todes zuweist. Erst seit dem späten 19. Jahrhundert übernahmen die jüdischen Gemeinden christliche Bestattungsbräuche. Nun finden wir auch Ehegattensteine, prächtige Grabsteine und Grabeinfassungen mit Blumenschmuck.
Heute weist der Friedhof 24 Grabsteine auf. Sie stehen nicht in zeitlicher Reihenfolge, sondern scheinen nach der Zerstörung des Friedhofes im Dritten Reich wenigstens teilweise willkürlich neu aufgestellt worden zu sein. Zahlreiche Steine müssen verloren gegangen sein, worauf die großen Lücken in den Reihen verweisen. Einige Steine zeigen Zerstörungsspuren. Es finden sich leere Grabsockel, Reste von Steinen etc. Die zerstörten jüdischen Friedhöfe wurden nach dem Kriege gewöhnlich auf Anordnung der Besatzungsbehörden notdürftig wiederhergerichtet wurde.
Der Landwirt Friedrich Klenke will den Friedhof in den Jahren 1943/44 über die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland (RVJD) kaufen. Die Verkaufsabsichten verlaufen im Sande, als die Verwaltung der Friedhöfe Anfang 1944 von der RVJD an die Reichsfinanzverwaltung und damit an die Finanzämter vor Ort abgegeben wird. Am 12. Dezember 1952 wurde die Rückerstattung des Friedhofes angeordnet. Damit ging er aus dem Besitz des Deutschen Reiches zunächst in den Besitz der Jewish Trust Corporation for Germany (JTC) über. Diese übertrug dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden Niedersachsens Verwaltung, Pflege und schließlich auch den Besitz des zerstörten Friedhofes. Der Landesverband in Hannover ist heute für den Friedhof verantwortlich. Bis ins Jahr 2000 lag der Friedhof weitgehend vernachlässigt, unbeachtet und erheblich beschädigt da. Inzwischen hat der Landesverband mit finanzieller und sächlicher Unterstützung des Fleckens Ottenstein und anderer Spender den Friedhof und seine Grabsteine vorbildlich restauriert. Dabei wurde auch die Reservefläche, die bisher nicht Teil des Friedhofes war und nach dem Krieg als Gartengelände verpachtet war, dem Friedhofsgelände zugeschlagen. Die Inschriften der Grabsteine Im Folgenden wird eine Übersicht über einige Grabsteine des Ottensteiner Friedhofes gegeben. Die Übersetzung der Inschriften hat Prof. Berndt Schaller in Göttingen angefertigt. Die Aufnahme der hebräischen Inschriften erfolgte 1997 durch Studierende der Theologischen Fakultät der Universität Göttingen im Rahmen eines von der Stiftung Niedersachsen geförderten Projekts "Jüdische Friedhöfe in Südniedersachsen". Die Fotos der Grabsteine stammen vom Verfasser und entstanden nach der Restaurierung im Jahre 2001. In der Formensprache der Steine und dem verwendeten
Material (Sandstein, Marmor, Kunststein) bietet der Ottensteiner Friedhof
ein vielgestaltiges Bild, wie es für Dorffriedhöfe nicht üblich ist.
deutsche Inschrift Hier ruht hebräische Inschrift Hier ruht Elise Kornberg ist die Tochter von Isaak Kornberg. Sie wohnte im Haus Breite Straße 48. Ihre ältere Schwester Emilie, die ihr den Stein gewidmet hat, wurde nach Theresienstadt deportiert.
hebräische Inschrift Hier ruht Die Abkürzung TNZBH bildet die Schlussformel nahezu jeder hebräischen Grabinschrift und beinhaltet einen Segen. Sie lautet in Übersetzung: "Seine/ihre Seele möge eingebunden sein in das Bündel des Lebens."
Hier ruht Joseph Hodenberg, der Ehemann von Jeanette Hodenberg, lebte von 1818 – 1866. Sein Grab auf dem Friedhof hat sich nicht erhalten.
deutsche Inschrift Anschel Kornberg hebräische Inschrift Hier ruht
Nr. 7 deutsche Inschrift Hier ruht in Gott hebräische Inschrift Hier ruht Siegmund Rothschild ist Inhaber des Manufakturwarengeschäfts Breite Straße 8. Der Wohlstand der Familie spiegelt sich in einer Formensprache des Steines, einer hohen Grabstele aus schwarzem Marmor.
hebräische Inschrift Hier ruht
Hier ruht in Gott Dies ist der älteste Grabstein auf dem Friedhof Ottenstein. Johanne Hodenberg ist eine unverheiratete Tochter von Mosche Hodenberg und Schwester von Aaron Hodenberg (Stein Nr. 23)
Deutsche Inschrift Julius Kornberg Es handelt sich um einen Ehegattenstein. Julius Kornberg ist Sohn von Jacob und Karoline Kornberg (Stein 11 und 12). Er wohnte Kirchstraße 28. Das Feld der Ehefrau auf dem Grabstein ist leer. Rosa Kornberg, die Ehefrau von Julius Kornberg, wurde aus Ottenstein nach Theresienstadt deportiert.
Deutsche Inschrift Hier ruht Es handelt sich bei diesem Stein um den letzten Grabstein, der in Ottenstein gesetzt wurde. Ludwig Nußbaum aus Zeitlofs hatte Else Kornberg, die Tochter des Viehhändlers Louis Kornberg, geheiratet. Die Eheleute wohnten im Haus Marktplatz 11. Ludwig Nussbaum hat sich nach der Rückkehr aus dem Konzentrationslager Buchenwald Ludwig Nußbaum erhängt. Seine Ehefrau Else wurde in das Ghetto Warschau deportiert und ist dort verschollen.
hebräische Inschrift Hier ruht
Hier ruht in Gott Albert Meyer, der als Angestellter im Textilgeschäft Hodenberg gearbeitet hat, war mit der aus Ottenstein stammenden Ella Meier, geb. Eichenberg, verheiratet. Seine Frau Ella Meyer wurde nach Theresienstadt deportiert, seine Tochter Carola in das Ghetto Warschau.
Zu weiteren Einzelheiten vergleiche Bernhard Gelderblom, Jüdisches Leben im mittleren Weserraum, Holzminden 2003 |
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