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Der jüdische Friedhof in Bad Münder

 

Synagogengemeinde im Landrabbinat Hannover
 
Lage und Größe:   Deisterallee (Ecke Mönjesod; Ausfallstraße in Richtung Osten); 658 qm von ursprünglich 2424 qm (davon wurde früher ein größerer Teil als Garten genutzt)
Bestand an Steinen:
 
  28 Steine (1826 bis 1917) aus einem größeren Bestand; erhebliche Zerstörungsspuren
Daten zur Geschichte:   Datum der Gründung nicht bekannt
letzte Beerdigung 1937
am 9. 11. 1938 zerstört
1939 Schließung des Friedhofs (Beerdigungen müssen nun in Lauenau stattfinden)
1941 Verkauf des Geländes an einen Privatmann
seit 1960 im Besitz des Landesverbandes
1961 wieder hergerichtet

 

 

Wortlaut der 2014 von der Stadt Bad Münder aufgestellten und von Bernhard Gelderblom formulierten Tafel:

 
Der Friedhof der jüdischen Gemeinde Bad Münder

Der Friedhof der jüdischen Gemeinde Bad Münder ist zuerst 1782 bezeugt. Es handelt sich um ein ursprünglich sehr großes, weit vor der Stadt liegendes Grundstück, von dem nur ein Teil als Friedhof genutzt wurde.

Nach den schrecklichen Ereignissen der Pogromnacht des 9. November 1938, die für Bad Münder die Verwüstung der Synagoge und die Verschleppung von drei Männern in das Konzentrationslager Buchenwald brachten, war die jüdische Gemeinde gezwungen, die unbelegte Hälfte des Grundstücks verkaufen.

Der Bürgermeister der Stadt setzte 1939 die Schließung des Friedhofs durch. Zu der von ihm geplanten Nutzung des Geländes als Schießstand kam es jedoch nicht. 1941 wurde auch der als Friedhof genutzte Teil an einen Privatmann verkauft, der die Grabsteine abräumte und das Gelände als Gemüsegarten nutzte.

1953 erhielt der Landesverband der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen einen Teil des Grundstücks zurück. Ohne Wissen um den ursprünglichen Standort der Grabsteine ließ dieser 1961 den Friedhof wiederherstellen. Von den 1939 noch vorhandenen 39 Steinen konnten 28 gerettet und wieder aufgestellt werden.

Nach jüdischem Verständnis ist ein Friedhof ein „Haus der Ewigkeit“, ein heiliger, unantastbarer Ort. Im Blick auf die leibliche Auferstehung der Toten am Ende der Tage hat die Ruhe der Toten dauerhaft zu sein. Die Schauseite der Steine ist in Richtung Jerusalem ausgerichtet – dorthin, wo der Messias als erster auferstehen wird.

Neben dem Gebäude der ehemaligen Synagoge ist dieser Friedhof das einzige Zeugnis des einstigen reichen jüdischen Lebens in Bad Münder. In der Zeit des Nationalsozialismus – 1933-1945 – wurden die jüdischen Bürgerinnen und Bürger der Stadt ohne erkennbaren Protest der Bevölkerung von Bürgern der Stadt entrechtet und gedemütigt. Sie wurden verjagt oder deportiert und in den Vernichtungslagern ermordet. Wir dürfen dieses Unrecht nie vergessen.

„Mögen ihre Seelen eingebunden sein in das Bündel des Lebens.“

Die Stadt Bad Münder im Jahre 2013

 
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© Bernhard Gelderblom Hameln