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Der jüdische Friedhof in Duingen
Die Wiederherrichtung des Friedhofes Duingen durch den Heimat- und Kulturverein Duingen
Am 1. Juni 2006 erreichte mich eine E-Mail von Jürgen Schroll aus Duingen. Der Heimat- und Kulturverein Duingen wolle den jüdischen Friedhof herrichten und suche dazu sachkundige Hilfe. Ich kannte den weit abseits des Dorfes gelegenen Friedhof von einem Besuch in der Mitte der 1980er Jahre. Damals war er schwer beschädigt, fast ohne Bewuchs – ein kahler, wüster Ort, der frieren machte. Außerdem hatte ich Kontakt zu Nachkommen der Duinger jüdischen Familie Binheim in Israel. Der Kontakt mit dem Vorsitzenden des Heimat- und Kulturvereins Duingen, Dr. Möller, kam rasch zustande. Nach meinem letzten Besuch des Friedhofes waren gut zwanzig Jahren vergangen. Da lag er, die Steine von Bäumen und Büschen fast ganz überwachsen; sommerlich leuchteten die roten Früchte der Eberesche und die wilde Rose duftete – ein romantischer Ort, aber die Steine im selben schlimmen Zustand wie früher. Dr. Möller erklärte, dass der Verein bereit sei, den Friedhof mit ehrenamtlichen Kräften wieder herzurichten; er brauche aber Anleitung und finanzielle Unterstützung für das Vorhaben. Bei einem Besuch von Herrn Riethmüller, dem Friedhofsbeauftragten des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, wurde ein Einverständnis über das weitere Vorgehen gefunden. Herr Riethmüller begrüßte die Aktivitäten des Vereins und sagte eine finanzielle Unterstützung des Landesverbandes zu. Noch 2006 ging die Arbeit los, zuerst mit dem Säubern der Fläche von Sträuchern etc. Ich hörte bei häufigen Telefonaten und sah in Abständen bei zahlreichen Treffen vor Ort die Fortschritte, aber auch manche unerwartete Probleme:
Trotz der genannten Widrigkeiten ging es weiter, ohne Verdruss und mit Fröhlichkeit und Energie. Über mehr als zwei Jahre ging die Arbeit, vom Sommer 2006 bis zum Herbst 2008. Sie hatte eine Qualität, wie sie nur ein Verein leisten kann, der nicht nur körperliche Arbeit und Geld, sondern auch seine vielen Beziehungen zur Verfügung stellte, die es an einem überschaubaren Ort wie Duingen ermöglichen, einen Bagger, Beton und Pflanzen etc. billiger zu bekommen. Jüdische Friedhöfe sind in vielen Orten die letzten Zeugen jüdischen Lebens. Die Menschen sind ja fort, geflüchtet, vertrieben, teilweise gemordet. Die Friedhöfe erzählen, wenn man sie lesen mag, von menschlichen Schicksalen, von den früheren jüdischen Nachbarn, gute und schlimme Geschichten. Ich hatte Gelegenheit, in Duingen bei einem Vortrag über das frühere jüdische Leben im Ort zu berichten und habe noch nie ein so intensives und offenes Gespräch im Anschluss an den Vortrag erlebt. Dass es diese Offenheit gab, war die Frucht der Arbeit, die für den Friedhof geleistet worden war. Der Heimat- und Kulturverein Duingen hat nicht nur für die äußere Verschönerung des Ortsbildes gesorgt, sondern sich einer unerledigten Geschichte gestellt. Die mehrfachen Zerstörungen des Friedhofes (auch nach 1945 noch) galten ja letztlich den Menschen, die entweder längst vertrieben oder im Osten gemordet worden waren. In der Bevölkerung Duingens war das Engagement zugunsten des Friedhofes nicht ganz unumstritten. Um so mutiger und um so höher zu bewerten dieser Einsatz. Hier ist eine unselige Geschichte, die mit der Schuld unserer Väter zu tun hat, zu einem guten Ende gebracht worden. Der Friedhof erzählt noch immer von den Verletzungen, die ihm beigebracht wurden, aber er erzählt ebenso von seiner liebevollen Pflege, die er durch das großartige Engagement der Bevölkerung eines Ortes erfahren hat. Fotos und Inschriftentexte Gelderblom 1) Der Friedhof um 1985
![]() Um 1985 war der Friedhof Duingen
ein kahler, wüster Ort, fast ohne Bewuchs. Mehrere Steine trugen noch
die Spuren der Zerstörung aus der NS-Zeit. 2) Der Friedhof vor Beginn der Arbeiten im
Sommer 2006
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![]() Im Sommer 2006 war der Friedhof mit seinen Grabsteinen von Bäumen und Büschen fast ganz überwachsen, ein romantischer Ort, aber die Steine im selben schlimmen Zustand wie früher. Die Arbeiten begannen mit der Beseitigung des dichten
Buschwerks. 3) Der Friedhof im März 2007
![]() Nach der Beseitigung des dichten
Buschwerks wurden die erheblichen Schäden an der Umfassungsmauer deutlich.
Bruchstücke von Steinen, die bisher unter dem dichten Bewuchs versteckt
gelegen hatten, traten nun ans Tageslicht. 4) Freilegung und Dokumentation der Steine Die Steine wurden dokumentiert, d.h. fotografiert und ihre Inschriften erfasst, und anschließend, soweit erforderlich, vom Steinmetz zur Reparatur abgeholt. Stein 4 Monolith
mit kräftigem Fundament Stein 8 Kräftiges
Fundament aus Beton mit einem kleinen Rest des Schriftfeldes (aus Sandstein);
Hebräische Inschrift mit eingetiefter, klarer Schrift Deutsche
Inschrift: Stein 9 Ein in mehrere Teile zerbrochener, aber komplett
Die hebräische Schriftseite liegt im Boden. Die deutsche Schriftseite ist gut lesbar: Stein 10 Ein in mehrere Teile zerbrochener, komplett erhaltener
Stein aus Fundament und Sockel und Die hebräische Schriftseite liegt im Boden. Die deutsche Schriftseite ist gut lesbar:
Ruhe in Frieden
5) September 2007 ![]()
![]() Im September 2007 war nach mühevoller Arbeit die neue
Umfassungsmauer fertig gestellt. Nach Südosten, wo das Gelände stark
abfällt, musste sie besonders tief gegründet werden. 6) Januar 2008
![]() Die Grabsteine sind vom Steinmetz zurück und wieder
an Ort und Stelle gesetzt worden. Vergleich alt-neu Stein 4
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![]() 7) Oktober 2008 Im Oktober 2008 konnte der Zaun montiert werden. Der
Boden war mit einer Schicht Rindenmulch
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