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Die Idee zum FestDie Entscheidung für den Bückeberg Am 1. Mai hatte man den Kampftag der Arbeiterbewegung gewaltsam in den "Tag der nationalen Arbeit", das höchste Fest der Volksgemeinschaft, umgewandelt. Goebbels Ende März in seinem Tagebuch: "Wir werden das in größtem Rahmen aufziehen und
zum ersten Mal Am 2. Mai besetzten im ganzen Reich SA und SS die Gewerkschaftshäuser, beschlagnahmten das Gewerkschaftsvermögen und nahmen die Funktionäre in Haft. Nun sollten auch die Bauern in den nationalsozialistischen Staat eingegliedert werden. Anders als bei den Arbeitern mussten die Nationalsozialisten bei ihnen nicht gewaltsam vorgehen. Bei den Bauern wählten die Nationalsozialisten den Weg der Verführung. Über ein riesiges Fest sollten der "Reichsnährstand" an das Regime gebunden werden. Das Erntedankfest ist ein Teil des Prozesses der Machtübernahme,
der die Nationalsozialisten in den Besitz der totalen Herrschaft bringen
soll. Die Entscheidung für den BückebergAnfang August 1933 gibt der Landesbauernführer von Rheden bekannt, dass das Erntedankfest am 1. Oktober des Jahres auf den Weserwiesen in Hoya stattfinden soll. Das Fest soll unter dem Motto "Blut-Boden-Arbeit" stehen. Anfang August 1933 kommt eine kleine Gruppe von Männern aus dem Reichspropagandaministerium nach Hagenohsen bei Hameln und nimmt für einige Tage Quartier in der Domäne. Die Kommission hat in Hoya wie in der Gegend um die Stadt Bückeburg vergebens nach einem geeigneten Platz Ausschau gehalten. Hier fällt nun die Entscheidung für den Bückeberg. Mitte August erscheinen die ersten Gruppen des Reichsarbeitsdienstes, um in größter Eile den Bückeberg auf das Massenfest vorzubereiten. Einige Monate nach dem ersten Erntedankfest erfährt
die Öffentlichkeit, dass der Bückeberg "in jedem Jahr zur Feier des
Erntedankfestes" benutzt werden soll. Warum der Bückeberg?Bei der Auswahl des Platzes spielen offenbar sowohl ideologische wie praktische Gründe eine Rolle. Für die Nationalsozialisten war Niedersachsen bäuerliches Kernland. Hier lebte noch "ein freies, kämpferisches Bauerntum". Auch die Verbindung mit der Weser, dem Strom, "der von der Quelle bis zur Mündung nur deutsches Land durchfließt", spielte bei der Wahl des Platzes eine Rolle. Die Kommission hatte sich offenbar deswegen gegen das ursprünglich favorisierte Hoya ausgesprochen, weil für die An- und Abfahrt der erwarteten Massen mit Schwierigkeiten zu rechnen war. Da die Reichsbahn den größten Teil der Transporte zu leisten hatte, musste es ein Ort sein, der günstige Bahnverbindungen hatte. Hier boten sich im Gebiet um Hameln sehr gute Bedingungen. Der Bückeberg bietet sich wegen der günstigen Neigung seines breiten Nordhanges als Platz für eine riesige Kundgebung förmlich an. Vom Hang aus genießt man einen weiten Blick in die schöne Landschaft des Wesertales. Maßgeblich für die Wahl des Platzes war außerdem die Tatsache, dass es sich bei dieser Seite des Berges weitgehend um Domänenland handelte. Das Gelände war also im Besitz des preußischen Staates und damit leicht verfügbar. Öffentlich hat man die Wahl des Platzes anders begründet. Mythen um den BückebergDer Hamelner Heimatforscher Karl Keese: "In der hügeligen und bergigen Weserlandschaft zeichnet sich der Bückeberg durch seine bevorzugte Lage aus. Am Fuße des Berges fließt die Weser, der deutscheste aller Ströme, vorüber. Nordwestlich sehen wir zwischen den Bergen die sagenumwobene Rattenfängerstadt Hameln liegen. Im Westen schauen wir in das fruchtbare Hummetal; dort steht in dem Orte Dehrenberg der Stammhof der Ahnen Horst Wessels. Ganz hinten im Norden thront majestätisch der Süntel, der durch die erbitterten Kämpfe unserer Vorfahren unter Widukind gegen die Heere Karls des Großen bekannt geworden ist; heute ist er dazu ausersehen, das Ehrenmal für Horst Wessel zu tragen. Die Namen Dachtelfeld und das Blutbachtal erinnern noch heute an diese Freiheitskämpfe der alten Sachsen. Nach der Sage soll der Herzog Widukind in dem Turmhause des Schlosses der Domäne Ohsen sich längere Zeit verborgen gehalten haben. So ist das Land um den Bückeberg ein Land reicher
Geschichte und ist oft eine Schicksalsstätte deutscher Geschichte gewesen."
Exkurs: Das Ehrenmal für Horst Wessel auf dem SüntelIn indirektem Zusammenhang mit dem Reichserntedankfest
steht eine andere Planung, die von der Stadt Hameln betrieben wurde:
Horst Wessel ist von Goebbels systematisch zum "Märtyrer der Bewegung" stilisiert und von vielen Menschen im "Dritten Reich" verehrt und geliebt worden. Er ist der fröhliche, aufrechte SA-Mann, der im Sumpf der Großstadt Berlin die Fahne der "Bewegung" hoch hält und im Kampf gegen die Kommunisten im Jahre 1930 sein junges Leben opfert. Wessel ist Schöpfer des Liedes "Die Fahne hoch", das dem Nationalsozialismus zur zweiten Nationalhymne wird. Seine Vorfahren kamen aus dem Raum Hameln. In Hameln plante man ein gigantisches Ehrenmal für Horst Wessel, das in Sichtachse zum Bückeberg im Gelände der ehemaligen Sandsteinbrüche auf dem Süntel errichtet werden sollte. Pläne, Zeichnungen und Modelle eines Wettbewerbs für ein "Horst-Wessel-Ehrenmal" haben sich teilweise erhalten. Als der Wettbewerb 1935 entschieden wird, ist Speer in Hameln. Das Horst-Wessel-Ehrenmal ist gebaut worden. 1937 wird der Turm fertig gestellt, zwölf Meter hoch, an seiner Spitze ein fünf Meter großes Hakenkreuz aus Stahl. So grüßte nun Horst Wessel hinüber zum fernen Bückeberg. Wir müssen davon ausgehen, dass mit dem recht bescheidenen Turm nur ein Teil der geplanten Anlage gebaut worden ist. 1945 wurde der Turm auf Befehl der Besatzungstruppen
gesprengt. Sein Massiver Körper liegt heute fast unversehrt auf dem
Waldboden des Süntel. Die Gestaltung des Festplatzes
Goebbels hatte die Aufgabe gestellt, ein bäuerliches Volksfest bisher unbekannter Ausmaße in freier Landschaft zu entwerfen. Der Reichspropagandaminister hatte dem Architekten Speer die Gestaltung des Platzes übertragen. Die von Speer entworfene Gestaltung der riesenhaften Fläche ist einfach und bewusst schlicht gehalten. Speer war die Harmonie mit der lieblichen Landschaft des Wesertales wichtig. Ihr müssen sich alle gestalterischen Elemente einordnen. So fehlt dem Reichserntedankfest das Monumentale und die Strenge der Reichsparteitage von Nürnberg.
Speers Entwurf sieht nur wenige Elemente vor:
Mehrere Tausend zehn bis zwölf Meter hohe Fahnenmasten
sind zu einem riesigen Oval aufzurichten, das den Kundgebungsplatz einrahmen
soll. Die Fahnenmasten bestehen aus rohen Fichtenstämmen. Das lang gezogene
Hufeisen des mehrfachen Fahnenringes soll die Teilnehmer des Festes
zu einer Gemeinschaft umschließen. Der Festplatz als KultraumMit wenigen Elementen hat Speer den Raum geschaffen, in dem sich nun das Fest ereignen wird. Fahnen umstellen den Kultraum und schließen die Versammelten
zur Gemeinde zusammen. Lieder werden das Gemeinschaftsgefühl erwecken.
Ein Altar für die Erntegaben ist errichtet. Auf dem zentralen Weg wird
sich der Heilsbringer nähern. Für seine "Predigt" gibt es eine gigantische
"Führerkanzel". An die Ansprache wird sich ein Bekenntnis anschließen,
danach ein abschließendes gemeinsames Lied. Die Liturgie der Feiern
zeigt eine große Nähe zu den christlichen Kirchen. Das Szenarium erinnert
an gigantische Kirchenräume und Altäre. "Reichsthingstätte" Bückeberg - Kultstätte mit EwigkeitsanspruchIm Dezember 1933 - kurz nach dem ersten Fest - entscheidet Goebbels, dass das Reichserntedankfest auch in Zukunft stets auf dem Bückeberg stattfinden wird. Gleichzeitig erhebt er den Berg in den Rang einer altgermanischen Kultstätte und kündigt die Errichtung der "Reichsthingstätte Bückeberg" an. Dort soll das Reichserntedankfest künftig stattfinden.
Im Jahre 1934 liegt ein Modell des Bückeberges als "Reichsthingstätte" vor. Die Maße sind gewaltig: 450 Meter lang, 250 Meter breit, Platz für wenigstens eine halbe Million Menschen. Ein acht Meter hoher und ebenso breiter insgesamt 1200 Meter langer Erdwall - bestückt mit 2500 Fahnen - umschließt die Massen. In den Damm sollten Verkaufsstände, Sanitätsstationen und Toiletten eingebaut werden. Vor der nun in Stein gebauten Rednertribüne befindet sich ein großer ebener Platz für Thingspiele und Volkstänze. Auf den östlichen und westlichen Seiten des Platzes gibt es breite Treppen, die die Menschen auf das Festgelände führen. Das Modell "Reichsthingplatz Bückeberg" stammt von Speer. Die Monumentalität des riesigen Erdwalles und der steinernen Tribüne passt zu den Entwürfen, die Speer damals in Nürnberg bauen ließ. Sie harmoniert allerdings wenig mit dem ursprünglichen Konzept eines bäuerlichen Festes in freier Landschaft. Der "Reichsthingplatz Bückeberg" - eine Bühnen- und Repräsentationsarchitektur - ist eine gebaute Megalomanie. Die Architektur ist "Wort aus Stein", eine Kultstätte mit Ewigkeitsanspruch. Ohne Rücksicht auf die Kosten - unter ständiger Einflussnahme von Goebbels - wird daran bis 1937 gebaut. Der Bückeberg als Reichsthingplatz bleibt unvollendet.
Die gewaltigen Wälle und die steinernen Treppen sind nie gebaut worden.
Die Tribünen bleiben Holzbauwerke. |
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